Mercedes-Benz 630 K Saoutchik 1928

Wie in unserem Bericht von der RETRO CLASSICS 2017 erwähnt, möchten wir hier unser automobilistisches Highlight der Messe etwas genauer beschreiben. Gesehen haben wir eine grosse Anzahl an beeindruckenden Fahrzeugen unterschiedlichster Couleur, von aussen betrachtet durchwegs in perfektem Zustand. Die Ausnahmen lassen wir mal beiseite. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, unseren persönlichen Favoriten zu erküren. Keine leichte Aufgabe aber schnell war klar, dass sich ‚unser Klassiker‘ in der Halle 1 befinden muss und wir wurden tatsächlich fündig.

Mercedes-Benz 630 K 1928, mit einer Karosserie von Saoutchik

Mercedes-Benz 630 K 1928, mit einer Karosserie von Saoutchik

Es geht um den am Stand der Firma Thiesen Hamburg GmbH gezeigten Mercedes-Benz 630 K mit einem Aufbau von Saoutchik. Dieser französische Karosseriebauer war vor allem bekannt, durch die ausschweifenden Formen auf Fahrgestellen von renommierten Herstellern wie Delahaye, Cadillac, Talbot usw. Frühere Schöpfungen vielen da noch etwas ‚normaler‘ aus, wie am hier präsentierten Mercedes.

Der Wagen mit der Chassis-Nummer 35426 wurde 1928 gebaut und von Saoutchik mit einer 4-türigen Cabriolet-Karosserie, mit einer separaten Windschutzscheibe für die Fondspassagiere, versehen. Angetrieben wird der Wagen von einem mächtigen 6,3 Liter-Motor. Der Reihen-Sechszylinder mit der Nummer 60616 leistet 100 PS respektive 140 PS mit Kompressor. Bei Mercedes-Benz wurden zwischen 1926 und 1929 lediglich ca. 150 Exemplare als Rolling Chassis gebaut und von verschiedenen Karosseriefirmen individuell gestaltet. So entstanden eigentlich fast nur Einzelstücke, technisch zwar baugleich, aber eben Aufbauten in Einzelanfertigungen, zu denen auch der hier gezeigte 630 K gezählt werden darf.

Die Karosserie mit der Bezeichnung ‚La Baule Transformation‘ repräsentiert die Spitze der Saoutchik-Kreationen. Benannt nach dem Ort La Baule in der Bretagne, der damals Austragungsort  wichtiger Concours d’Elégance Veranstaltungen war. Die Besonderheit war der spezielle Verdeckmechanismus, der das komplette Versenken in der Karosserie ermöglichte. Das braucht natürlich hinter den Rücksitzen Platz, war die Anbringung eines Koffers für das mitgeführte Gepäck verlangte. Auch dieser wuchtige Koffer unterstreicht die imposante Erscheinung des Mercedes 630 K.

Dieser Wagen wurde im November 1928 über die Mercedes-Niederlassung in New York verkauft und gelangte in den Siebzigerjahren in den Besitz des bekannten Sammlers Gerald Rolph, der ihn anschliessend aufwendig restaurieren liess. 2007 erfolgte eine weitere Überarbeitung bei welcher die aktuelle zweifarbig grüne Lackierung gemacht wurde. Wir finden die Farbkombination passt hervorragend zum 630 K und lässt ihn leichter erscheinen. Er ist auch nicht überrestauriert und versprüht einen herrlichen Charme. Das Intérieur in dunkelbraunem Leder gehalten passt ebenfalls perfekt zum Äusseren. Wenn man sich den ‚Arbeitsplatz‘ des Fahrers ansieht, denkt man sofort an einen LKW. Das grosse massive Holzlenkrad verlangt nach kräftigen Händen und Armen und auch die Kupplung bedarf sicher eines beherzten Durchtretens beim Gangwechsel. Wir konnten natürlich nicht fahren mit dem Auto, es dürfte aber sicher eine Menge Spass bereiten und einen krassen Gegensatz darstellen zu einem aktuellen Fahrzeug.

Bleibt zum Schluss die Frage nach dem Preis. Wie schon in unserem Bericht über die RETRO CLASSICS erwähnt, waren die Preise für Automobile in dieser Klasse auf Anfrage. Wir sprachen mit den Vertretern von Thiesen und bekamen den Preis genannt. So viel seit verraten, der Kaufpreis ist siebenstellig und bewegt sich im Rahmen eines komfortablen Einfamilienhauses in der Region Zürich. In Anbetracht der Geschichte, des Zustandes und der Charakteristik dieses einmaligen Fahrzeuges absolut gerechtfertigt, wenn man mit anderen Fahrzeugen vergleicht, die an der RETRO CLASSICS angeboten wurden.

Wir danken Herrn Mike Tetzlaff von Thiesen Hamburg GmbH für die Erläuterungen und das freundliche Gespräch und hoffen, dass der Wagen bald ein Zuhause finden wird und ab und zu auch an einem Event bewundert werden darf. Preise und Auszeichnungen wären diesem automobilen Kunstwerk sicher.

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