2017: Solitude Revival Stuttgart Leonberg (DE)

Die Solitude in Leonberg bei Stuttgart dürfte wohl jeder kennen, der sich für Motorsport interessiert, auch wenn die letzten offiziellen Rennen 1965 gefahren wurden. Das erste Rennen hinauf zum Schloss Solitude fand bereits 1903 statt und bis 1924 wurden Bergrennen gefahren. Das erste Rundstreckenrennen um den Stuttgarter Wildpark Solitude gab es 1925, die Streckenlänge war damals noch rund 22 km. Die Strecke wurde mehrmals geändert und 1961, als das erste Formel 1-Rennen ausgetragen wurde, war die Strecke kürzer, aber immer noch rund 11,5 km lang. Der 11,7 km lange Rundkurs präsentiert sich heute, bis auf eine neue spektakuläre Kurve am Dreispitz, seit damals nahezu unverändert. Immer noch existieren die überhöhten Kurven bei Hedersbach und Schatten. 26 Links- und 19 Rechtskurven sorgen bei einem Höhenunterschied von fast 130 Metern für ein einzigartiges Fahrerlebnis.

Solitude Revival Stuttgart 2017

Solitude Revival Stuttgart 2017. Die Anfahrt zur langgezogenen Kurve bei Hedersbach mit Steigungen bis zu 15%

Gestartet wird auf dem geraden Stück vor Glemseck, dann folgt eine doppelte Linkskurve und nach ca. 200 Metern folgt die berüchtigte Kurve bei Hedersbach, fast 180 Grad und Steigungen bis 15%. Wenn man sich hier verschaltet oder zu wenig Schwung mitnehmen kann, verliert man sehr rasch an Geschwindigkeit und man kommt ins Elend, und zwar wortwörtlich, denn so heisst der Streckenabschnitt auf der Anhöhe ca. 1,5 Kilometer nach dem Start und der Hedersbach-Kurve. Vor allem Fahrzeuge mit wenig Leistung haben hier zu kämpfen und fielen weit hinter das Pacecar zurück.

Solitude Revival 2017 Fiat 8V Daniel Bossart

Solitude Revival Stuttgart 2017. Der Fiat 8V von Daniel Bossart hat es geschafft und ist im Elend angekommen

Das Solitude Revival ist heute kein Rennen mehr, es sind Demonstrationsläufe, angeführt von einem Pacecar. Durch die lange Strecke werden die Felder aber extrem in die Länge gezogen und so konnte doch ordentlich Gas gegeben werden. Gefahren wurden jeweils 2 oder 3 Runden und nach dem Schlussfahrzeug dauerte es jeweils einige Minuten, bis die Schnellsten wieder vorbeifuhren. Diese folgten jeweils auch sehr dicht hinter dem Pacecar und man konnte sich vorstellen, was sich die Fahrer dachten…. Aber Sicherheit geht vor, es ist schliesslich nicht möglich, die gesamte Strecke so zu sichern wie auf einer geschlossenen Anlage wie z.B. dem Hockenheimring. Zum Glück gab es sehr wenig Zwischenfälle. Den einen oder anderen Materialschaden gibt es an solchen Events immer, die lassen sich in der Regel auch immer wieder schnell beheben. Leider trifft dies aber beim Schweizer Peter Studer nicht zu, er kam von der Strecke ab und fuhr in ein Waldstück. Der Lotus 24 Formel 1 ex. Jo Siffert wurde sehr schwer beschädigt, Peter Studer kam zur Kontrolle ins Krankenhaus, das er aber bald wieder verlassen konnte. Das Fahrzeug wieder fahrbereit zu machen wird eine schwierige und teure Angelegenheit. Wir verzichten hier auf Unfallbilder und zeigen den Wagen im ersten Lauf am Samstagmorgen.

Peter Studer im Lotus 24 Formel 1 am Solitude Revival 2017

Peter Studer im Lotus 24 Formel 1 am Solitude Revival 2017 im ersten Lauf bei der Durchfahrt Glemseck

Organisiert wird das Solitude Revival vom Verein Solitude Revival e.V., der rund 160 Mitglieder zählt. Aus der Idee, auf dem Solitude-Kurs wieder einen Motorsportevent ins Leben zu rufen, wurde 2011 Wirklichkeit und der Rundkurs, wie damals 1965, konnte mit einer Ausnahme reaktiviert werden. Die Ausnahme ist die Kurve bei Dreispitz, 3,2 Kilometer nach dem Start. Diese Kurve wurde früher nicht gefahren, weshalb die Strecke auch 200 Meter kürzer war. Seit 2011 findet das Solitude Revival alle 2 Jahre statt und in diesem Jahr waren gut 300 Teilnehmer gemeldet, unterteilt in verschiedene Felder. Schön auch, dass viele Vorkriegsfahrzeuge am Start waren und auch knapp 50 Motorräder für eine interessante Abwechslung sorgten. Gerade die Zweiräder sind in den Kurven besonders spektakulär unterwegs und bieten uns Fotografen hervorragende Motive, vor allem, wenn es sich um Gespanne handelt, also Motorräder mit Seitenwagen.

Solitude Revival Stuttgart 2017

Solitude Revival Stuttgart 2017. Die BMW R 75/5 von Helmut Müller in der Hedersbach-Kurve 

Aber wie immer und überall an solchen Events, spielen auch die Menschen eine wichtige Rolle, damals wie heute. Auf der einen Seite sind das die Zuschauer, gemäss Veranstalter kamen rund 10’000 Besucher an die Solitude, auf der anderen Seite die Fahrer. Viele Rennfahrer aus der damaligen Ära waren denn auch anwesend und bewegten zum Teil dieselben Fahrzeuge wir früher. Hans-Joachim Stuck fuhr den Porsche 962 C aus dem Porsche-Museum, mit dem er vor genau 30 Jahren die 24 Stunden von Le Mans gewann. Jochen Mass präsentierte keinen Rennwagen, sondern einen imposanten Mercedes 680 S aus dem Mercedes-Museum. Hans Herrmann und Herbert Linge, beide mittlerweile 89 Jahre alt und noch immer fit, durften einen Museums-Porsche 550 A Spyder aus dem Jahre 1956 fahren. Eberhard Mahle begann seine Karriere im Rennsport 1954 auf dem Solitude-Kurs und war mit einem Porsche 356 B 2000 GS Carrera GT am Start.

Solitude Revival Stuttgart 2017 Eberhard Mahle

Solitude Revival Stuttgart 2017. Eberhard Mahle im Porsche 356 Carrera 

Den Abschluss des Tages bildete jeweils ein Corso mit gut 100 Fahrzeugen und Motorrädern. Diese Bilder finden Sie in einer separaten Galerie. Es hat uns sehr gut gefallen, eine herrliche Stimmung, tolle Leute und eine wirklich schöne Strecke. Die hervorragende Organisation trug ebenfalls viel zur positiven Erinnerung bei, wenn auch die Zufahrt zum Gelände und dem Medienparkplatz jeweils für unnötige Diskussionen sorgte. Unser diesbezügliches Anliegen ist aber platziert und in zwei Jahren dürfte auch dieser Punkt keinen Anlass mehr für Unstimmigkeiten sorgen. Alle weitere Informationen gibt es beim Veranstalter, dem Verein Solitude Revival e.V. https://solituderevival.com/

 

Hier geht es zur Galerie des Corso Classico

3 Gedanken zu „2017: Solitude Revival Stuttgart Leonberg (DE)

  1. Wunderbare Fotos, vielen Dank! Es war eine großartige Veranstaltung, wo kommt man sonst so dicht an hochkarätige Fahrzeuge und Fahrer heran?
    Die vielfältige Schweizer Beteiligung hat mich sehr gefreut! Bis in 2019!

    • Danke für das Kompliment. Es war für uns das erste Mal und auch wir waren begeistert. 2019 werden wir sicher wieder am Solitude Revival sein. Bis dann und eine gute Zeit

      Fredi Vollenweider + Team Dream-Cars

  2. Pingback: Solitude Revival 2017 Leonberg Stuttgart | http://www.dreamcar.ch

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