Auto e Moto d’Epoca Padua 2017 (IT)

Neben den klassischen Oldtimertreffen, Rallies und Bergrennen finden auch immer mehr Messen statt, die auch immer grösser und grösser werden. So auch die Auto e Moto d’Epoca im italienischen Padua. 1983 fand erstmals eine Messe für Oldtimer und Klassikfahrzeuge statt, die von rund 10’000 Personen besucht wurde. Diese Zeiten sind längst vorbei. Die diesjährige Messe, die vom 26. bis 29. Oktober 2017 stattfand, brach einige Rekorde. Die Besucherzahl kletterte von 100’000 auf 115’000. Rund 4’500 Autos waren ausgestellt und etwa 1’600 Anbieter waren in den 11 Hallen präsent. Das sind wirklich beeindruckende Zahlen und es braucht viel Zeit, um sich alles anzuschauen. Schon das Angebot an Zubehör und Ersatzteilen war riesig, in den zwei Hallen gab es wirklich ein enorm grosses Angebot, vor allem natürlich für italienische Fahrzeuge. Da wird auch sehr viel nachproduziert, aber wenn man die Teile in die Hand nimmt, macht alles einen qualitativ sehr guten Eindruck.

Auto e Moto d'Epoca 2017, Padua

Auto Moto d’Epoca Padua 2017. Die Halle 8 mit Anbietern von Zubehör und Ersatzteilen 

Wir haben die Messe in Padua dieses Jahr erstmals besucht und waren im Vorfeld gespannt, was uns da erwartet, es ist immerhin die grösste Oldtimer-Messe südlich der Alpen und die grösste und bedeutendste in Italien. Im internationalen Vergleich kann die Auto e Moto d’Epoca sicher mit den grössten mithalten, sowohl qualitativ wie auch quantitativ. Es ist schwierig abzuschätzen, welche Messe denn die grösste in Europa ist. Die RETRO CLASSICS in Stuttgart soll mittlerweile die grösste Oldtimermesse weltweit sein. Vergleicht man die Fläche, mag dies stimmen, besuchermässig hinkt die RETRO CLASSICS aber der Auto e Moto d’Epoca hinterher, zumindest bisher. Die Zukunft wird zeigen, wer hier die Nase ganz vorne haben wird. Die Zahlen spielen aber für den Besucher keine grosse Rolle, da geht es dann schon um das, was man zu sehen bekommt. Eine Thema sind natürlich immer die Preise. Hat man in den letzten Jahren die grossen deutschen Messen besucht, kommen einem unweigerlich die teilweise exorbitanten Preise in den Sinn, in den letzten Jahren vor allem bei Porsche. Da durfte man wirklich gespannt sein, was einem in Padua, fernab der Porsche- und Mercedes-Hochburg, erwartet. Aufgefallen ist uns schon am Donnerstag, dass an vielen Autos Schilder mit der Aufschrift ‚venduto‘ zu beobachten waren. Waren das die Schnäppchen, die kurz nach Eröffnung schon vergeben waren? Wir wissen es nicht. Allgemein waren Preisschilder eher selten und auf die Frage nach dem Preis verhielten sich die Verkäufer eher bedeckt. Es gab aber auch das Gegenteil, ein Händler bot eine grosse Zahl an Fahrzeugen an und gab grosszügig ‚Last Minute-Preise‘ weit unter dem normalen Preis an. Aufgefallen ist uns eine weisse Oldsmobile 88 Holiday Limousine von 1956 für EUR 19’000.00 statt 26’000.00. Der Wagen machte äusserlich einen sehr guten Eindruck, Lack, Chrom und Intérieur waren im Top-Zustand. Die Mechanik konnte natürlich nicht beurteilt werden.

Oldsmobile 88 Holiday von 1956 für günstige EUR 19'000.00.

Oldsmobile 88 Holiday von 1956 für günstige EUR 19’000.00. 

Amerikanische Fahrzeuge waren eher selten anzutreffen. Ob das an den hohen Steuern für hubraumstarke Motoren liegt? Möglich, denn vom Ferrari 308 waren denn zahlreiche Modelle im Angebot, aber bei genauerem Hinsehen stellte man schnell fest, dass es eben keine 308, sondern 208 GTB und GTS waren. Eigens für den italienischen Markt baute man in diese Fahrzeuge einen 2 Liter-Motor mit Turbolader ein. Eigentlich unverständlich, denn wer sich damals so ein Fahrzeug kaufte, hatte sicher noch genügend finanzielle Reserven oder ein entsprechendes Einkommen, um  sich auch ein Fahrzeug mit 3 Liter-Motor zu leisten.Vielleicht war es aber auch eine Verkaufsstrategie von Ferrari. Gefallen hat uns an der Auto e Moto d’Epoca die Vielfalt, auch wenn das Angebot an italienischen Fahrzeugen verständlicherweise gross war, gab es doch auch viele interessante Fahrzeuge ausländischer Provenienz. Das stellte man auch in den Hallen fest, wo sich die zahlreichen Clubs präsentierten. Es ist schön, dass den Clubs viel Raum zur Verfügung gestellt wurde, denn die Clubs und ihre Mitglieder bilden schlussendlich die grosse Masse an Enthusiasten, welche die Oldtimerszene tragen und interessant machen. Aber natürlich gehören auch die Händler dazu und wir stellten fest, dass auch in Italien ein riesiger Markt für Oldtimer und Klassiker besteht. Wie an vielen Messen, gab es auch an der Auto e Moto d’Epoca am Samstagnachmittag eine Auktion von Bonhams. Es schienen denn auch praktisch alle Fahrzeuge verkauft worden zu sein, aber es waren doch einige Ungereimtheiten zu beobachten und bei etlichen Geboten war man nicht sicher, ob denn ein Zuschlag erfolgte oder nicht. Auch gut möglich, dass man in Italien nicht ganz so offen mit öffentlichen Versteigerungen umgeht wie in anderen Ländern. Der seltene rote De Tomaso Vallelunga wurde offenbar nicht verkauft. Eine Ergebnisliste der verkauften Fahrzeuge gibt es hier.

De Tomaso Vallelunga

Auto Moto d’Epoca Padua 2017. Der von Bonhams angebotene De Tomaso Vallelunga 

Viele verkaufte Fahrzeuge verschwanden unter Planen und wurden nicht mehr gezeigt, ein etwas seltsames Gebaren, denn die Besucher wollen ja Autos sehen. Und ein Schild mit der Aufschrift verkauft, erfüllt den Zweck ja auch. Es lohnt sich also auf jeden Fall, schon am Donnerstag die Messe zu besuchen, auch wenn dafür happige 45 Euro Eintrittsgeld zu entrichten waren. Dafür wurde man entschädigt mit eben nicht zugedeckten Autos und deutlich weniger Besuchern als an den darauffolgenden Tagen. So bekamen wir auch einen originellen Fiat 600 zu Gesicht. Ein Fahrzeug mit 6 oder 7 Sitzplätzen, einem sehr hohen abnehmbaren Plexiglasdach, das über die gesamte Fahrzeuglänge reichte und seltsamen Holzstossstangen rings um das Fahrzeug herum. Der Fiat schien noch im absoluten Originalzustand zu sein, mit deutlichen Gebrauchsspuren. Wir fragten den Verkäufer, wieviele von diesem Fahrzeug gebaut wurden und bekamen zur Antwort, nur dieses eine, es sei aber schon verkauft. Immerhin erfuhren wir den Preis, 35’000.00 Euro. 

Auto Moto d'Epoca Padua 2017. Ein Unikat auf Basis eines Fiat 600

Auto Moto d’Epoca Padua 2017. Ein Unikat auf Basis eines Fiat 600. Das gesamte Dach kann abgenommen werden und man hat ein 6 – oder 7-plätziges Cabriolet 

Wie dieser Fiat waren auch etliche angebotene Fahrzeuge im Originalzustand, darunter zwei Alfa Romeo 6C 2500. Das eine Modell, ein Freccia d’Oro von 1949 wählten wir zum Klassiker der Woche. Eines der berühmtesten Rennen, die Mille Miglia, findet jährlich im Mai statt und man sah denn auch an einigen Fahrzeugen den Hinweis ‚Mille Miglia eligible‘, also berechtigt, an der Mille Miglia teilzunehmen resp. sich anmelden zu können. Ob man dann auch teilnehmen kann, ist eine andere Geschichte. Aber interessant sind diese Fahrzeug allemal, denn es sind meistens Einzelstücke oder es wurden nur ganz wenige Fahrzeuge gebaut, wie der Sport Conrero Alfa-Romeo aus dem Jahr 1960, den ein privater Verkäufer anbot. Einen Preis wollte er nicht nennen. Ein attraktives Fahrzeug, das etwas an einen Jaguar XKSS erinnert und sicher eine Menge Spass macht.

Auto Moto d'Epoca Padua 2017. Ein Sport Conrero 1150 mit Alfa Romeo-Technik

Auto Moto d’Epoca Padua 2017. Ein Sport Conrero 1150 mit Alfa Romeo-Technik 

Dank des schönen Wetters konnte man sich auch im Freigelände aufhalten und ab und zu ein Bier geniessen. Die Zeit ging sehr schnell vorbei und wir hatten eine Menge Spass. Man trifft auch immer eine Menge Leute die man kennt. In einer Sonderausstellung zum Thema Formel 1 einst und heute, traf sich die Rennfahrerprominenz. Am Samstag gesellte sich noch Ermanno Cuoghi zu uns. Ermanno ist der ehemalige Mechaniker von Niki Lauda. In der VIP Lounge traf man dann zusammen mit ihm auf viele ehemalige Bekannte aus seiner früheren Tätigkeit wie Giancarlo Minardi und Arturo Merzario. Danach ging es nebenan zum Stand von RUOTECLASSICHE, dem italienischen Oldtimermagazin, das dieses Jahr seinen 30. Geburtstag feiern konnte.

Auto Moto d'Epoca Padua 2017. Von links: Ermanno Cuoghi, Giancarlo Minardi, Arturio Merzario und Ela Lehmann

Auto Moto d’Epoca Padua 2017. Von links: Ermanno Cuoghi, Giancarlo Minardi, Arturo Merzario und Ela Lehmann 

Die Auto e Moto d’Epoca hat uns sehr gefallen. Locker und unkompliziert, eine super Stimmung. Wenn wir Durst hatten servierte uns Arthur Piskernik draussen auf dem Freigelände immer ein Glas Weiss- oder Rotwein. Arthur stellt alte Deko-Tankstellen im Stile der 50er bis 70er-Jahre her. Sehr gut gemacht. Hier bekommt man alle Infos. Wer nächstes Jahr die Auto e Moto d’Epoca in Padua besuchen möchte, soll unbedingt schon am ersten Tag in Padua sein. Und es lohnt sich, schon rechtzeitig vor dem Messegelände zu sein, denn Parkplätze sind rar und begehrt. Da hat man schnell eine oder zwei Stunden Zeit vertrödelt. Alle Informationen zur Messe bekommt man direkt auf der Website von Auto e Moto d’Epoca. Vielen Dank den Organisatoren und auch an Davide Accorsi (im dunklen Jackett), der sich um die Anliegen der Aussteller, Besucher und Journalisten kümmerte. Die nächste Messe in Padua findet statt vom 25. bis 28. Oktober 2018.

Auto Moto d'Epoca Padua 2017. Ermanno Cuoghi (links) und Arthur Piskernik vor der alten Shell-Tanke auf dem Freigelände

Auto Moto d’Epoca Padua 2017. Ermanno Cuoghi (links) und Arthur Piskernik vor der alten Shell-Tanke auf dem Freigelände 

 

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3 Gedanken zu „Auto e Moto d’Epoca Padua 2017 (IT)

  1. Hallo Dream Car Knippser,
    nach Padua zu gehen war die einzig richtige Entscheidung von euch. Auch wir waren wieder hier. Da geht es nicht nur um Autos. Hier erlebt man ein Stück italienische Lebensart. Dazu sind die Tifosi sowiso alle verrückt. In ihren Adern fliesst eine gehörige Portion „Olio“ und viel Herzblut für alles was fährt. Nur die Italiener bringen soviele verliebte Details an ihre Fahrzeuge. Italienische Ingenieurskunst, die Reduktion auf das Wesentliche und ein unvergleichliches Auge für schönstes Design prägen die Autos und Motos aus „Bella italia“. Die Gegend ihrer Schöpfer heisst “ Terra di Motori“ und beherbergt viele traditionelle Marken. An dieser Messe findet jeder Italo- Verrückte seine Teile und das märten um einen guten Preis macht es noch interessanter. Ist man sich einig, ist die Freude über das lang gesuchte Teil immens. Ich liebe es die Ware noch vor dem Kauf in die Hand zu nehmen, anzuschauen und zu feilschen. Nicht so anonym und risikobelastet wie beim Internetkauf. Die Preise sind für meinen Ferrari schon recht happig! Wie ich gehört habe aber die Standmieten auch. Also leben und leben lassen! Ein Altstadtbummel in Padua mit einem fantastischen Abendessen lässt die Partnerin den Messestress schnell vergessen. Das alles noch zu einem sensationellen Preis. Italien war für uns wieder eine Reise wert. Also nächstes Jahr selber hinfahren und geniessen.
    SQUADRA BIANCO AZZURRO Roland Hufschmid, 6024 Hildisrieden / CH

    • Hallo Roland

      Du triffst den Nagel auf den Kopf. Und wir verlängerten den Aufenthalt noch mit einem Besuch in Venedig, liegt ja quasi vor der Tür. Venedig ist immer einen Besuch wert, aber selbst Ende Oktober sind noch immer sehr viele Touristen in der Stadt. Aber die Auto e Moto d’Epoca ist wirklich auch sehenswert, vor allem, wenn man nicht nur Porsche und Mercedes sehen will. Freuen wir uns auf nächstes Jahr.

      Freundliche Grüsse

      Fredi Vollenweider + Team Dream-Cars

  2. Pingback: Auto e Moto d'Epoca Padua 2017 | http://www.dreamcar.ch

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