Mercedes-Benz 300 Landaulet für Papst Johannes XXIII

Das Oberhaupt der Katholischen Kirche bevorzugt eine gepflegte und vornehme Art des Reisens, das ist heute so und war früher nicht anders. Bis anfangs der Sechzigerjahre zeigten sich Staatsmänner gerne in offenen Limousinen. Das änderte sich ab dem 22. November 1963, als der damalige Präsident der USA, John F. Kennedy, in Dallas in einem offenen Lincoln erschossen wurde. Die USA reagierten sofort und ab da gab es grundsätzlich nur noch geschlossene Fahrzeuge für den Präsidenten, die im Laufe der Zeit zu wahren Festungen auf Rädern mutierten. Über diese modernen Cadillac gibt es natürlich wegen der Geheimhaltung keine genauen Angaben, aber die Fahrzeuge, ‘the Beast’ genannt, wiegen rund 6 Tonnen.

Ganz anders im Vatikan. Der Papst reiste weiterhin im offenen Wagen durch die Menschenmengen. Er hatte ja auch nichts zu befürchten, wer würde dem Papst schon etwas antun wollen? Niemand, jedenfalls bis zum 13. Mai 1981. Es ist ein sonniger Tag, der aber die Welt erschüttern wird. In Rom macht sich das Oberhaupt der Katholischen Kirche auf den Weg zu einer Generalaudienz, zusammen mit seinem Privatsekretär Stanislaw Dziwisz. Johannes Paul II. und Dziwisz, der spätere Erzbischof von Krakau und Kardinal, sind im offenen weißen Wagen unterwegs. Der Papst lächelt, winkt, hält immer wieder an und begrüsst die Gläubigen entlang der Route.

Johannes Paul II. gilt als Jahrhundertpapst. Vergleichsweise jung, körperlich gut in Form, charismatisch, ein Menschenfischer. Und politisch sehr engagiert. Der erste Papst aus Polen ergreift Partei – für die polnische Befreiungsbewegung Solidarnosc und gegen das kommunistische Regime, unter dem Polen seit vielen Jahren leidet. Er reist auch sehr gerne und sehr viel, was ihm aber an diesem 13. Mai praktisch vor der ‘Haustüre’ zum Verhängnis wird. Die Menschen auf dem Petersplatz jubeln ihm zu und halten Kameras hoch. Um 17.17 Uhr richtet sich aus der Menge eine Pistole auf den Papst. Das Gesicht des Mannes mit der Schusswaffe ist verzerrt. Schüsse fallen, Johannes Paul II. strauchelt und bricht zusammen. Eine Kugel hat den Unterleib des Papstes getroffen. Schwer verletzt wird er in die Gemelli-Klinik eingeliefert. Glücklicherweise überlebte er das Attentat, die weitere Geschichte kennen wir.

Wie 1963 beim Attentat auf Kennedy veränderte auch der Anschlag auf Papst Johannes Paul II. die Verhaltensweise bei öffentlichen Auftritten mit Fahrzeugen radikal. Ab sofort fuhr der Papst nur noch im geschlossenen Wagen. Es wurden wie früher eigens für solche Paraden Fahrzeuge in Auftrag gegeben. Im ‘Auto Motor und Sport’ vom 14. Januar 1961 wird der Mercedes 300 beschrieben, der für Papst Johannes XXIII gebaut wurde. Als Landaulet gebaut, d.h. der hintere Teil des Passagierabteils ist als Cabriolet gebaut und das Stoffverdeck lässt sich komplett öffnen. 

Man hört heute ja immer wieder, dass man nicht den alten Zeiten hinerher hängen soll und nach vorne blicken muss, oder man hört die Aussage, früher war alle besser. Das stimmt so nicht generell, aber in vielen Fällen muss man sagen, dass es heute nicht besser ist. Der Mercedes-Benz 300 Landaulet ist jedenfalls ein fantastisches Fahrzeug aus einer Zeit, die so nie wieder sein wird. (Fredi Vollenweider, 16.03.2018)

Mercedes 300 Landaulet für Papst Johannes XXIII

Grosszügige Platzverhältnisse im Mercedes 300 Landaulet, das für den Papst Johannes XXIII 1960 gebaut wurde. 


Mercedes 300 Landaulet für Papst Johannes XXIII

Schlicht aber schön, Seitenansicht des Mercedes 300 Landaulet von 1960. Insgesamt wurden 3 Fahrzeuge gebaut. 


Mercedes 300 Landaulet für Papst Johannes XXIII

Fast wie ein Thron, der hintere Einzelsitz für den Papst Johannes XXIII 

 

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