Neo Classics – Young- und Oldtimer der Zukunft?

Ein immer wieder häufig diskutiertes Thema sind Fahrzeuge, die in einigen Jahren Oldtimer – oder vorerst wenigstens – Youngtimer werden könnten. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander, es gibt Befürworter und Gegner. Da wir als Medienportal wenn immer möglich neutral sein sollten, dürfen wir trotzdem unsere eigene Meinung haben und diese auch vertreten und äussern, was wir hier auch tun werden.

Das Thema ist ja nicht neu und wir hätten schon vor einigen Jahren darüber schreiben können. Anlass dazu hat aber die aktuelle Problematik der Dieselmotoren, die Gesetzgebung und das Verhalten der Autoindustrie, namentlich in Deutschland, gegeben. Das Schreckgespenst heisst wieder einmal ‚Abwrackprämie‘. Für viele Autofans ein Unwort. Ist anzumerken, dass es sich bei den aktuellen Eintauschaktionen nicht um staatlich subventionierte Aktionen handelt und somit kein Verschrottungsnachweis erforderlich ist. Die Autos werden vom Handel aufgekauft zu Gunsten von Neuwagenverkäufen. Die Frage, was mit den vielen unerwünschten dieselbetriebenen Fahrzeugen geschieht, die momentan überall stehen, könnte vielleicht der Zoll beantworten. Denn viele dieser Fahrzeuge dürften für gutes Geld ausserhalb Europas verbracht werden und dort viele weitere Jahre fahren, denn sie sind ja nicht kaputt, sondern einfach unbeliebt. Wenn aber solche Autos tatsächlich vernichtet werden herrscht jeweils grosses Entsetzen und man hört und liest Sätze wie: Schade, der ist doch noch gut – was soll dieser Unsinn – ökologischer und ökonomischer Schwachsinn – usw. Ist das Auto schon ein paar Jahre älter, mit deutlichen Gebrauchsspuren und vielen gefahrenen Kilometern, hört man: Der muss gerettet werden oder den muss man doch unbedingt erhalten. Muss man? Und wer ist man? Gemeint sind jeweils die anderen, denn selber würde man für exorbitant hohe Reparaturkosten für einen normalen älteren Gebrauchtwagen auch nicht aufkommen wollen.

La Ferrari

Ein in nur geringer Stückzahl produzierter Ferrari – ein La Ferrari.

Und hier beginnt die eigentliche Geschichte mit dem Erhalt von Fahrzeugen, die erst wenige Jahre alt sind. Da gibt es verschiedene Aspekte zu beleuchten wie Erhalt von Kulturgut, Wirtschaftlichkeit, Enthusiasmus oder ein emotionaler Bezug zu einem bestimmten Fahrzeug. Eines erhalten und auch nutzen wollen, hängt von weiteren Faktoren ab wie Verfügbarkeit von Teilen, gesetzlichen Vorschriften und Bestimmungen und nicht zuletzt vom Willen oder der Fähigkeit von Werkstätten, die nötigen Wartungs- oder Instandstellungsarbeiten machen zu können – oder wollen. Wollen vielleicht schon, aber woher nimmt man die benötigten Ersatzteile, wenn der Hersteller nicht mehr liefert? Wir reden jetzt nicht vom Jahr 2018 sondern gehen 15 Jahre in die Zukunft und nehmen an, dass im Jahr 2033 die allgemeine wirtschaftliche und politische Lage ähnlich sein wird wie heute.

Da steht also irgendwo in einer Fachwerkstatt ein Mittelklassewagen eines Grossserienherstellers. Nehmen wir als Beispiel unseren eigenen Golf GTI, Baujahr 2007, ein Benziner mit DSG-Getriebe und aktuell 210‘000 km auf der Uhr. Nichts ist für die Ewigkeit gebaut und so steht er also 2033 da mit defektem DSG-Getriebe, das schon 2018 mehrere tausend Franken kostete. Es gibt aber kein neues Getriebe mehr und die gebrauchten von den Autoverwertungen sind längst ausverkauft. Was also tun. Da es ein mechanisches Bauteil ist, gekoppelt mit Elektronik, könnte eine Reparatur ins Auge gefasst werden, zwar extrem teuer, aber machbar. Aber für einen eigentlich längst wertlosen Golf? Wirtschaftlich sinnlos. Wenn aber jemand derart an seinem Fahrzeug hängt und bereit ist, für Reparaturkosten aufzukommen, die locker die Hälfte des Preises eines vergleichbaren Neuwagens ausmachen, na gut. Das Auto ist aber noch immer alt, die nächste grössere Reparatur wird unweigerlich kommen und die bedeutet dann mit grosser Wahrscheinlichkeit das endgültige Aus. Man kann den Wagen dann noch irgendwo parken und anschauen und von vergangenen Tagen träumen, aber fahren wird das Auto nie mehr. Fahren vielleicht schon, aber es gibt keine Zulassung mehr, da das ganze Motormanagement nicht mehr richtig funktioniert und die geforderten Abgaswerte niemals mehr erreicht werden können. Punkt, das Fahrzeug wird zum Stehzeug. Betrifft übrigens auch ganz teure und hochkarätige Autos an denen es noch viele weitere Teile gibt, die zudem noch in viel kleineren Stückzahlen hergestellt wurden, was die Verfügbarkeit nicht begünstigt. Nur schon eine Innenausstattung eines Luxusgefährts ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Da gibt es hunderte von Kunststoffclips und versteckten Befestigungen, die mit der Zeit altern, spröde und brüchig werden. Ist doch alles kein Problem werden einige denken, kann mal alles nachfertigen. Eben nicht und viele Nachbauteile, die man heute für Autos von damals bekommt, sind qualitativ eher schlecht als recht, auch wenn das im einen oder anderen Fall nicht mal relevant ist, da die Oldtimer nicht mehr als Alltagsautos im Einsatz sind. Sind aber beispielsweise Ventile oder andere mechanischen Komponenten von schlechter Qualität, sprich minderwertigem Material, halten diese Teile einfach den Anforderungen nicht Stand und gehen schnell wieder kaputt. Da vergeht die Freude am Oldtimer schnell. Und an die vielen Hightech-Teile, die in heutigen Autos verbaut sind, müssen die Anforderungen noch höher sein, das heisst, die Produktion wird aufwendiger und teurer, selbst mit modernsten Produktionsmethoden, die in der Regel auf Masse ausgerichtet sind. Man sieht, Vieles wäre vielleicht technisch machbar, auch elektronische Bauteile könnten nachgebaut werden, da braucht es aber Angaben des ursprünglichen Herstellers sonst wird es schwierig. Und bezüglich dieser Informationen sind die Hersteller sehr sehr zurückhaltend.

Lamborghini Miura

Der Motor eines Lamborghini Miura. Hightech damals, vor 50 Jahren.

Auch wenn immer wieder der finanzielle Aspekt ausgeblendet wird, ist er doch eminent wichtig, sonst würden die Hersteller ja einfach alle Teile weiterhin produzieren, egal zu welchen Kosten. Aber so ist es leider eben nicht, im Gegenteil. Experten des Strassenverkehrsamtes von Zürich äusserten sich gegenüber uns auch und es wird festgestellt, dass die Qualität von Autos in den letzten Jahren massiv schlechter geworden ist, nicht nur von günstigen Kleinwagen, auch von teuren Luxusautos, bei denen teilweise ja die gleichen Teile verwendet werden. Die Hersteller setzen also auf billige Massenware bei gewissen Komponenten, die dann aber bei einem Defekt teuer zu stehen kommen – natürlich für den Fahrzeugbesitzer. Ob so eventuell entgangene Gewinne beim Neuwagenverkauf kompensieret werden, kann nur vermutet werden. Ein italienischer Sportwagenhersteller bietet auf seine Fahrzeuge eine 7 Jahres-Vollgarantie für Unterhalt und Instandhaltung an. Sehr komfortabel für den Erstbesitzer. Wie aber sieht es einige Jahre später aus, wenn die Zweit- und Drittbesitzer  nicht mehr von dieser Garantie profitieren? Ist von dieser Käuferschaft die Bereitschaft da, die dann sehr teuren Wartungs- und Unterhaltskosten zu tragen? Eher nicht und somit ist sicher, dass solche Fahrzeuge einen massiven Wertverlust hinnehmen müssen. Anlässlich eines Events eines Sportwagenherstellers aus Stuttgart wurde erklärt, dass eigentlich jedes Fahrzeug, welches die Werkshallen verlässt, ein personalisiertes Einzelstück sei. Wohl dem, der für so ein Fahrzeug in einigen Jahren Teile benötigt. Das alles sind Gedanken, Tatsachen und Vermutungen, über die man noch viel mehr erzählen könnte.

Ein Bugatti Veyron an der 18. RETRO CLASSICS Stuttgart

Ein Bugatti Veyron an der 18. RETRO CLASSICS Stuttgart. Schon heute müssen für den Unterhalt astronomische Summen ausgegeben werden.

Wie eingangs erwähnt, haben wir zur Frage, ob heutige Autos und solche, die in einigen Jahren erst  gebaut werden, in naher oder ferneren Zukunft zu Young- oder gar Oldtimern werden, eine ganz klare Meinung und die lautet NEIN. Auf jeden Fall keine Fahrzeuge, die gefahren werden dürfen. Es darf nicht davon ausgegangen werden, dass Gesetze und Vorschriften künftig gelockert werden, eher das Gegenteil dürfte der Fall sein. Es findet auch ein Umdenken statt, für viele junge Leute hat das Automobil nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher und sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird auch das Thema Oldtimer in 15 oder 20 Jahren nicht mehr die gleiche Bedeutung haben. Fehlender Nachwuchs in der Oldtimerszene macht sich schon jetzt bemerkbar. Vielleicht werden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren künftig auf Elektroantrieb umgerüstet und können so noch betrieben werden, optisch im ursprünglichen Zustand, technisch aber auf dem neuesten Stand, wenn sich der Elektroantrieb tatsächlich durchsetzen sollte. Über Originalität zu diskutieren ist dann aber müssig.

Es bleibt also spannend und uns würde interessieren, wie unsere Leser über Young- und Oldtimer, auch als Neo Classics bezeichnet, in der Zukunft denken. Sie können für Ihre Ausführungen das Kommentarfeld unten benützen. Wir sagen schon jetzt danke und freuen uns auf eine angeregte Diskussion. Auch auf unserer FACEBOOK-Gruppe gibt es Kommentare

Fredi Vollenweider, 14.04.2018

 

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5 Gedanken zu „Neo Classics – Young- und Oldtimer der Zukunft?

    • Sali Ruedi

      Wollte das einfach mal schreiben. Die Automobilindustrie ist ja momentan etwas angeschlagen und vielleicht findet auch dort ein Umdenken statt und man findet zurück zum einfachen Gebrauchsauto, das einem günstig von A nach B bringt. Das könnten dann tatsächlich einmal erhaltensfähige Autos sein. Aber so wie das jetzt läuft, sehe ich eher dunkelschwarz. Schade, aber vielleicht auch eine Chance für Firmen, die sich auf Teileversorgung spezialisieren werden – und können.

      Herzliche Grüsse
      Fredi

  1. Wie gut, wenn man schon einen (oder mehrere) heute bereits echte Oldtimer hat (40, 50 oder mehr Jahre alt).
    Da bekommt man leichter die erforderliche Teile las bei 15 Jahre alten Autos….

  2. Pingback: Neo Classics, Oldtimer der Zukunft? | http://www.dreamcar.ch

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