ADAC Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival

Am Wochenende vom 09. bis 11. Mai 2025 zog es die Freunde des Historischen Motorsports wieder nach Hockenheim an die ADAC Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival. Das Wetter passte, an allen 3 Tagen schien die Sonne, allerdings wehte ein kräftiger Wind, dem man nur mit einer guten Jacke trotzen konnte. Aber alles kein Problem, solange es trocken ist. Trocken blieb es zum Glück, was sicher auch ein Grund war, dass knapp 45’000 Besucher anreisten und während den drei Tagen tollen Motorsport aus vergangenen Zeiten geniessen konnten. Schon letztes Jahr war die Besucherzahl mit rund 33’000 deutlich über den Vorjahren, aber von so einem Ansturm waren offenbar selbst die Veranstalter angenehm überrascht. Zeigt es doch, dass die Beliebtheit für derartige Veranstaltung gross ist. Vielleicht hat man auch die unsäglichen politischen Diskussionen einfach satt und man will sich an etwas erfreuen. Auch uns Fotografen gefallen natürlich volle Tribünen besser als gähnend leere. Schon letztes Jahr ist uns aufgefallen, dass vor allem bei den Läufen der Tourenwagen der 80er- und 90er-Jahren sehr viel Publikum auf den Tribünen zu beobachten war. Das war schon letztes Jahr so und der Trend hin zu jüngeren Fahrzeugen scheint sich damit zu bestätigen. Auf der einen Seite gut, vor allem für den Veranstalter, auf der anderen Seite leidet vielleicht die Vielfalt etwas unter dieser Entwicklung, Vorkriegsfahrzeuge nahmen dieses Jahr jedenfalls nur noch einige wenige teil, darunter drei Maserati 6CM aus der zweiten Hälfte der Dreissigerjahre. Dass sich diese Sparte der Oldtimerszene nicht mehr sehr grosser Beliebtheit erfreut, ist nicht neu. Aber vielleicht ändert sich das ja in einigen Jahren wieder, denn auch die Oldtimerszene unterliegt gewissen ‚Modeerscheinungen‘ und Trends. Wer gerne richtige Rennen mit ‚Vorkrieglern‘ erleben will, hat dazu Möglichkeiten wie zum Beispiel das Goodwood Revival oder die Veranstaltungen auf der Rennstrecke in Linas-Montlhéry mit den berühmten Steilkurven, südlich von Paris gelegen. Goodwood und Hockenheim kann man nicht vergleichen – muss man auch nicht. Die Nähe zur Schweiz und die verhältnismässig kurze Anreise nach Hockenheim macht einen Besuch nicht ganz so aufwendig wie ein Besuch des Goodwood Revivals oder des Festival of Speed.

ADAC Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival, 09. bis 11. Mai 2025. Auch dieses Jahr war die Begeisterung für die Tourenwagen sehr gross

Auch fast ohne Vorkriegsfahrzeuge gab es dennoch sehr interessante Starterfelder, in denen auch einige Maserati 250F aus den Fünfzigerjahren mitfuhren. Für diese Fahrzeuge gibt es eine eigene Rennserie, die Historic Grand Prix Cars Association (HGPCA), die Internationale Vereinigung von Eigentümern und Fahrer historischer Grand Prix-Fahrzeugen. Diese Vereinigung wurde 1979 von einer Gruppe führender Enthusiasten des historischen Rennsports gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, das Spektakel der Grand-Prix-Rennwagen in Aktion am Leben zu erhalten. Dazu zählen Ferrari, Maserati, Alfa Romeo, ERA, BRM, Cooper und Lotus und viele mehr. Im Laufe der Jahre war die Vereinigung äußerst erfolgreich und organisiert heute bei vielen der prestigeträchtigsten Rennveranstaltungen in Großbritannien und Europa Starts mit historischen Rennwagen. Das verspricht natürlich Motorsport vom Feinsten. Die Fahrzeuge umfassen ein halbes Jahrhundert Motorsportgeschichte, von den 1920er bis zu den 1960er Jahren. Die Entwicklungen in Design und Technik, die in diesen Jahren stattgefunden haben, können aus nächster Nähe – und natürlich auch auf der Strecke – betrachtet werden. Eine der bahnbrechenden Entwicklungen im Rennwagenbau war die Verlegung des Motors ins Heck. So entstand eine ganz neue Art von Rennwagen und mit den Jahren verschob sich das Cockpit immer weiter nach vorne, bis zu Beginn der 80er-Jahre die Füsse der Fahrer in der Fahrzeugspitze zwischen den beiden Frontflügeln platziert wurden, wie am Alfa Romeo 182 von 1982. Bei Unfällen entstanden so oft sehr schwere Verletzungen und wenn man einen aktuellen Formel 1-Rennwagen vergleicht mit dem Standard von vor gut 40 Jahren wundert man sich wirklich. Schön ist, dass man genau solche Rennwagen heute wieder auf der Strecke sehen kann.

Eingeteilt waren die Fahrzeuge dieses Jahr in diese Gruppen:

Eine ebenfalls sehr beliebte Serie ist die BOSS GP. BOSS steht für Big Open Single Seater. Diese Rennwagen bringen den V8- und V10-Sound der guten ‚alten‘ Formel-1-Zeit  zurück ins Motodrom von Hockenheim. Die BOSS GP ist von der obersten Motorsportbehörde FIA offiziell als internationales Championat autorisiert und fuhr 2018 im Rahmenprogramm des Formula 1 Emirates Großer Preis von Deutschland am Hockenheimring. Wenn genügend dieser Fahrzeuge auf der Strecke sind, kommt auch akustisch Formel 1-Stimmung auf – wirklich toll und eindrücklich.

ADAC Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival, 09. bis 11. Mai 2025. Ein RALT Formel 3000 RT23 aus dem Jahr 1991 mit Stefan Eisinger-Sewald am Lenkrad.

Ebenfalls beliebt, sowohl bei den Zuschauern als auch bei den Fahrern, ist die Lurani Trophy. Diese Rennserie, die Formel Junior, war eine Rennkategorie für einsitzige, offene Rennwagen. Sie wurde 1957 in Italien als Rennserie für Nachwuchspiloten ins Leben gerufen. Mit einem kleinen und leichten Monoposto sollte sich der Nachwuchs für größere Aufgaben empfehlen können – so die Idee des italienischen Rennfahrers und Journalisten Giovanni Lurani. Lurani prägte das erste Formel-Junior-Reglement maßgeblich mit, es sah einen Radstand von mindestens zwei Metern und ein Mindestgewicht von 400 kg vor. Der maximal 1100 cm³ große Motor musste aus einem homologierten Tourenwagen stammen. In den Anfangsjahren durfte der Motor aus Kostengründen nur zusammen mit der in diesem Tourenwagen verwendeten Bremsanlage in den Formel Junior übertragen werden. Daher starteten die Teilnehmer in den Anfangsjahren fast ausnahmslos mit kostengünstigen Trommelbremsen. Heute gibt es mit der Lurani Trophy für historische Formel-Junior-Fahrzeuge eine offizielle Europa-Meisterschaft des Motorsportweltverbands FIA. Bekannte Fahrer damals waren Kurt Ahrens, Wolfgang Graf Berghe von Trips, Gerhard Mitter und Alfred Hartmann, der in Berchtesgaden eigene Rennwagen auf DKW-Basis baute. Ein ebenfalls bekannter Fahrer, nicht nur in der Formel Junior, ist der deutsche und in der Schweiz lebende Marco Werner. Marco Werner hat schon so ziemlich alles gewonnen – ausser ein Rennen in der Formel Junior. Das änderte sich am Samstag, 10. Mai, als Marco Werner nach dem 3. Platz im Qualifying mit dem Lotus 22 seinen ersten Sieg in der Lurani Trophy feiern konnte – herzliche Gratulation 🙂 Guter Fünfter wurde der Schweizer Philipp Buhofer auf einem Lola MK5A, Felix Haas, ebenfalls aus der Schweiz, wurde mit einem Brabham BT6 guter Zehnter. Der erfolgreichste Schweizer dürfte Luciano Arnold gewesen sein, im ADAC Graf Berghe von Trips Pokal wurde er im ersten Rennen Erster, im zweiten Rennen belegte er Platz 2. Luciano startet seit vielen Jahren auf dem ex Silvio Moser Brabham BT36. Toni Seiler aus Bonstetten startete auf seinem Shadow DN1 im Feld Masters Racing Legends. Innerhalb dieser Gruppe gab es verschiedene Klassen, je nach Epoche. Seiler fuhr in der Klasse ‚Fittipaldi‘ und wurde im ersten Rennen 3., im 2. Rennen am Sonntag sogar 2. Über die Karriere von Toni Seiler ist im März dieses Jahres ein Buch erschienen mit vielen interessanten Einblicken in sein Leben auf den Rennstrecken dieser Welt. Ein weiterer Schweizer mit einem berühmten Namen konnte man in Hockenheim beobachten, Jeremy Siffert. Sein Grossvater war kein geringerer als Jo Siffert, eine leider viel zu früh verstorbene Legende des Motorsports. Jeremy fuhr für Gebhardt Intralogistics Motorsports eine Ginetta LMP3.

Toni, Seiler, Shadow, Hockenheim

ADAC Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival, 09. bis 11. Mai 2025. Sieger Martin Bullock, links Peter Williams, rechts der drittplatzierte Toni Seiler. Bildquelle Toni Seiler Racing Team

Nicht nur auf der Strecke, auch in den Boxen, dem Fahrerlager und auf dem gesamten Areal gab es viele Attraktionen und Ausstellungen. Wie immer auch die Sonderschau über Jim Clark, der am 7. April 1968 in einem für ihn eigentlich unbedeutenden Rennen bei nasser Fahrbahn tödlich verunglückte. Es gab immer und überall Interessantes zu sehen, auch die Boxen können besichtigt werden und die Fahrer geben auch immer gerne Auskunft bei Fragen. Wir hörten auch von verschiedenen Seiten, dass der Event sehr viel besser organisiert sei als noch vor wenigen Jahren. Die 20. ADAC Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival, war wirklich ein super Event, es passte alles. Einer konnte allerdings nicht dabei sein, einer, der den Rennsport prägte und mit dem wir immer viel Spass hatten – Jochen Mass. Jochen ist kurz vor dem Anlass, am 4. Mai 2025, an den Folgen seines Schlaganfalls im Februar, verstorben. Wir widmen ihm diesen Bericht und werden Jochen immer in guter Erinnerung behalten – keep on racing Jochen, wherever you are.

Jochen Mass und Ela Lehmann . Lustig war es immer mit Jochen, egal wo und bei welcher Gelegenheit

Alle weiteren Informationen, Startlisten, Ranglisten usw. gibt es auf der Webseite des Veranstalters. Dort sieht man auch, dass die 21. Hockenheim Historic – Das Jim Clark Revival, vom 08. bis 10. Mai 2026 stattfinden wird. Danke an alle, die dieses schöne Wochenende ermöglichten.

Fredi Vollenweider, Ela Lehmann, 15. Mai 2025

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