Auto e Moto d’Epoca, Bologna, 23. – 26.10.25

Das dritte Mal schon fand eine der weltweit grössten Oldtimermessen, die Auto e Moto d’Epoca, vom 23. bis 26. Oktober 2025 in Bologna statt. Es ist mittlerweile unbestritten die absolut grösste Messe in Europa zum Thema Classic Cars mit einer Ausstellungsfläche von 235’000 m2, verteilt auf 14 Hallen und ein grosszügiges Freigelände. Bis 2022 war Padua Austragungsort. Die Platzverhältnisse und die Umnutzung des Areals in Padua liessen keine weiteren Messen mehr zu. Bologna ist sicher grösser, moderner und bietet sehr gute Möglichkeiten zum parken, auch wenn man im Parkhaus pro Tag mittlerweile 24 Euro zu entrichten hat, letztes Jahr verlange man noch 20. Dafür ist man vor allem beim Eingang ‚Ingresso Nord‘ unmittelbar neben den Messehallen, die man zu Fuss in wenigen Minuten erreicht. Dennoch hört man immer wieder, dass Padua mehr Charme versprühte und in einer gewissen Weise gemütlich war. Wir waren gespannt auf diese 3. Auto e Moto d’Epoca in Bologna, denn im Vergleich liess letztes Jahr schon die 2. Durchführung etwas nach, die Sonderschau war deutlich kleiner und weniger spektakulär und es waren auch einige Hallen nicht belegt. Dir Gründe dafür kennen wir nicht, deshalb war man sehr gespannt, was einem im Jahr 2025 in Bologna erwartet. Die vielen Sonderschauen widmen sich jeweils bestimmten Themen, so zum Beispiel der 75. Jahrestag der Formel 1, die es seit 1950 gibt. Am 21. Mai 1950 wurde in Monaco zum ersten Mal ein Rennen nach der neuen Formel gefahren. Früher wurde die Rennen Grand Prix genannt, wo es verschiedene verschiedene Kategorien gab und noch keine Fahrerwertung. Es wurden in Bologna einige ausgesuchte Fahrzeuge gezeigt. Am faszinierendsten fanden wir den Mercedes-Benz W 196 aus dem Jahr 1954 im Originalzustand, da wird richtig Renngeschichte erzählt und vermittelt.

Mercedes-Benz, Silberpfeil, W196, 1954, Fangio

Auto e Moto d’Epoca Bologna 2025, Donnerstag. Herrlicher Originalzustand am Mercedes-Benz W 196 aus dem Jahr 1954. Seinen ersten Sieg errang er bei seinem Debüt beim Großen Preis von Frankreich in Reims 1954, als Juan Manuel Fangio und Karl Kling die Plätze 1 und 2 belegten. Am Steuer des W196 R gewann Fangio 1954 und 1955 die Weltmeisterschaft. Vom W196 wurden 15 Exemplare gebaut, das ausgestellte Fahrzeug wurde dem Museo Nazionale dell’Automobile MAUTO in Turin 1957 zusammen mit einem Brief von Fritz Nallinger, dem Chefingenieur von Daimler-Benz, und einem zweiten von Alfred Neubauer persönlich gespendet.

Auch in den insgesamt 14 Hallen und Ausstellungsbereichen waren sehr viele Rennfahrzeuge ausgestellt, aus der Frühzeit des Automobils bis in die Neuzeit. Die angebotenen Autos und Motorräder, rund 5’000 an der Zahl, repräsentierten eine Zeitspanne von knapp 130 Jahren Motorisierung, da war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Wie immer ist der Eintritt am Donnerstag, dem ersten Messetag, deutlich teurer. Das ist Absicht, damit die Besucherzahl nicht ganz so hoch ist wie an den übrigen Tagen. Das kommt natürlich den Fotografen sehr entgegen, denn schon am Freitag sind die Hallen voll und an den beiden Wochenendtagen herrscht wirklich ein Gedränge. Vor allem bei schlechtem Wetter, da halten sich nur wenige auf dem Freigelände auf. Der Donnerstag war aber auch dieses Jahr relativ gut besucht, vielleicht hatte man aber diesen Eindruck wegen eben des schlechten Wetters. Am Nachmittag zogen heftige Gewitter über Bologna. Für Freitag und den Rest der Woche war aber trockenes Wetter angesagt, einer erfolgreichen Auto e Moto d’Epoca stand also nichts mehr im Weg. Grundsätzlich war die Messe so, wie man sie von den Vorjahren kennt, viele Aussteller waren auch schon in Padua mit von der Partie. Das Messegelände ist riesig, aber irgendwie auch unübersichtlich. Mann muss sich immer wieder mit dem Plan zurechtfinden und Besucher sagten uns, dass sie letztes Jahr 2 Hallen gar nicht besuchten, das sei ihnen erst aufgefallen, als sie später Bilder sahen. Das ging uns auch beim 3. Besuch in Bologna ähnlich. Der Vorteil ist aber, dass man auch am 4. Tag noch Neues entdecken kann 😉 Die Ausstellungsbereiche sind unterteilt in Händler, Clubs, private Anbieter, eine eigene Motorradhalle sowie Ersatzteile, Zubehör und Automobilia. Ebenfalls waren viele Restauratoren, die ihr Können anpriesen, vertreten. Wer Ersatzteile suchte, wurde vor allem von Anbietern für italienische Fahrzeuge verwöhnt, da gab es wirklich alles, was das Herz begehrte. Es fällt aber auf, dass vor allem für Alfa Romeo sehr viel Material angeboten wird, oftmals wohl Repro-Teile. Über die Qualität lässt sich nichts sagen, ausser, dass man mit NOS-Teilen in der Regel sicher besser fährt.

Auto, Moto, Epoca, Bologna, ricambi, Ersatzteile

Auto e Moto d’Epoca Bologna 2025, Freitag. Grosses Angebot an Ersatzteilen, vorwiegend für italienische Fahrzeuge.

Es ist übrigens bereits die 42. Auto e Moto d’Epoca, die auch international an Bedeutung gewinnt. Wir trafen viele Besucher aus der Schweiz, Deutschland, Holland und Österreich, aber auch Bekannte aus den USA  waren zugegen. Was ist uns an der diesjährigen Messe besonders aufgefallen? Wie mittlerweile an jeder Klassiker-Messe werden zunehmend neuere Fahrzeuge angeboten. Das mag vielleicht die etwas älteren Enthusiasten etwas irritieren, aber man will ja auch das jüngere Publikum ansprechen und steht nun mal nicht unbedingt auf Vorkriegsfahrzeuge. Von denen gab es zwar doch einige wirklich bewundernswerte Exemplare, wie der De Dion Bouton von 1907 im Originalzustand. Für solche Fahrzeuge ist der Interessenskreis recht mager geworden. Oliver Reger sagte uns, dass zur Zeit auch Autos aus den Fünfziger- bis Siebzigerjahre nicht sehr gefragt seien, vor allem Limousinen seien nur schwer verkäuflich. Sobald aber die Motorleistung stimmt, sehe das schon ganz anders aus. Die jüngere Kundschaft bevorzuge Fahrzeuge ab den Neunzigerjahren, möglichst mit Servolenkung, Klimaanlage und sonstigen Annehmlichkeiten, die ältere Fahrzeuge eben nicht bieten. Wie repräsentativ diese Aussagen sind ist schwer abzuschätzen, die vielen neueren Fahrzeuge scheinen diesen Trend aber zu bestätigen. Der Veranstalter ist natürlich bestrebt, einer möglichst breiten Interessengemeinschaft etwas zu bieten, da braucht es ganz einfach Toleranz der älteren Generation. Diese Tatsache ist nicht auf die Auto e Moto d’Epoca beschränkt, das ist ein genereller Trend. Mag aber auch sein, dass viele Zeitgenossen die modernen Autos, vollgestopft mit Elektronik, nicht mögen und lieber mit einem halt 20 oder 25 Jahre alten Fahrzeug fahren. Egal, was die Gründe für diese Veränderungen sind, es gibt sie und so bleibt es spannend, was die Zukunft bringen wird. Eines dürfte aber so sicher sein wie das Amen in der Kirche, Fahrzeuge mit Baujahr 2020 und jünger werden wohl nur in Ausnahmefällen zu Klassikern. Oder, von den rund 5’000 ausgestellten Fahrzeugen an der Auto e Moto d’Epoca 2025, waren bei der ersten Durchführung vor gut 40 Jahren sicher 2/3 noch gar nicht gebaut. Ein Beispiel sind die sehr vielen Porsche 911 in allen erdenklichen Ausführungen aus der ‚Spiegelei-Ära‘, da war das Angebot wirklich fast unüberschaubar gross.

Auto, Moto, Epoca, Bologna, 2025, Porsche

Auto e Moto d’Epoca Bologna 2025, Freitag. Designmässig eher gewöhnungsbedürftig, die ‚Spiegelei-Scheinwerfer‘ von Porsche

An jeder Messe kann man Trends beobachten, einmal sind es Lancia Delta Integrale, dann Range Rover und dieses Jahr eben sehr viele Porsche und Mercedes, amerikanische und französische Fahrzeuge waren eher selten anzutreffen, mit Ausnahme des Citroën ID und DS. Da gab es doch etliche Fahrzeuge, die angeboten wurden. Neben einem grossen Angebot an Fahrzeugen gab es aber auch weitere Attraktionen wie Podiumsgespräche und Diskussionen an den beiden grossen Ständen von ASI und ACI, allerdings in italienischer Sprache, vereinzelt auch auf englisch. An etlichen Ständen gab es auch Präsentationen und Vorstellungen, da war es aber immer etwas schwierig zu wissen, was, wann, wo, stattfindet. Es war jedenfalls immer viel los, aber ab und zu mochte man einfach mal keine Autos sehen sondern sich hinsetzen und etwas trinken, Verpflegungsmöglichkeiten gab es sehr viele. Eine wieder tolle Messe, an der man viel erleben konnte. Der Weg nach Bologna lohnt sich auf jeden Fall. Alle weiteren Infos gibt es auf der Webseite des Veranstalters.

Und ja, was war dieses Jahr unser Lieblingsfahrzeug? Das ist ganz schwierig. Uns gefällt in der Regel ein Originalzustand eines Fahrzeugs und die Geschichte. Überteuerte Restaurationen wirken irgendwie leblos und anonym. Aus 3 Kandidaten, dem erwähnten De Dion Bouton von 1907, dem Mercedes-Benz Rennwagen W 196 von 1954 und dem Tecno F1 von Chris Amon aus dem Jahr 1973 wählten wir eben diesen Tecno als unser Lieblingsfahrzeug. Vielleicht auch deshalb, weil er aus einer ganz grossen Epoche des Formel 1-Rennsports stammt an die man sich gerne erinnert.

Tecno, F1, Chris, Amon, 1973, Auto, Moto, Bologna

Auto e Moto d’Epoca Bologna 2025, Donnerstag. Der Tecno F1 in unberührtem Originalzustand

Fredi Vollenweider, Ela Lehmann, 27. Oktober 2025

Bildershop von DREAM-CARS.CHGalerie Donnerstag

Galerie Freitag

3 Gedanken zu „Auto e Moto d’Epoca, Bologna, 23. – 26.10.25

  1. Ganz herzlichen Dank, dass ihr uns Zuhausegebliebenen diese Ausstellung derart gut kommentiert und bildlich super nach Hause gebracht habt. Die Vielfältigkeit von Persönlichkeiten und all den verschiedensten Mobilen ist genial, danke!!!

    • Hallo Christian

      Vielen Dank. Ja, die Messe war wieder sehr vielseitig, leider waren wir dieses Jahr nur Donnerstag und Freitag dort. Aber immerhin 🙂 Dir noch einen schönen Abend.

      Herzliche Grüsse
      Fredi, Ela + Team DREAM-CARS.CH

  2. Pingback: Auto e Moto d’Epoca, Bologna, 23. – 26.10.25 | DREAM-CARS.CH

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.