2015 gab es den Bernina Gran Turismo erstmals, es brauchte etwas Zeit um genaue Infos zu bekommen. Jedenfalls fand der Event am ersten Oktoberwochenende bei schlechten Wetterverhältnissen statt. Am Sonntag lag dann Neuschnee auf dem Bernina und das Rennen wurde nicht gestartet. Die Organisatoren reagierten und setzten den Termin für 2016 auf Mitte September an. Es schneite zwar nicht, aber es war am Samstag nass, kalt und neblig. Leider hatte der Bernina Gran Turismo als Event schnell einen etwas zweifelhaften Ruf, galt als hochnäsig und überheblich, aber die Qualität der Fahrzeuge war enorm und spektakulär. Das änderte sich über die Jahre und bei der vorerst letzten Austragung 2023 waren nur noch knapp 50 Fahrzeuge am Start, die Rennwagen von früheren Jahren vermisste man. Es gab nie eine Startliste, was viele Besucher, Fotografen, Journalisten und auch Teilnehmer verärgerte. Auf mehrmalige Nachfrage bekam man immer wieder die gleiche Antwort: Die reichen Teilnehmer wollen nicht namentlich erwähnt werden. Das kennen wir so von keinem anderen Event und interessanterweise erscheint dann eine Rangliste mit allen Namen. Diverse Gründe führten schliesslich dazu, dass der Bernina Gran Turismo 2024 nicht stattfand, auch alle anderen Events im Rahmen der Internationalen St. Moritzer Automobilwoche wurden gestrichen. Eine Pause, die dem Event hoffentlich gut tut, denn der Bernina Gran Turismo hat das verdient. Am Wochenende vom 19. bis 21. September 2025 gab es eine Neuauflage mit neuem Team. Ziel des OK war es, wieder mehr Einheimische für den Event zu begeistern und etwas für die Zuschauer zu tun, denn die hatte man die ganzen Jahre vernachlässigt. Man durfte also gespannt sein auf den Bernina Gran Turismo ‚Version 2.0‘. Der Freitag startete wie üblich mit der Wagenabnahme oben beim Kulm Country Club. Vielleicht nicht die beste Lösung, denn verkehrstechnisch gäbe es bessere Möglichkeiten, wenn auch nicht so attraktiv. Wettermässig waren die Prognosen fast perfekt, Freitag und Samstag sonnig und warm, am Sonntag gegen Abend eventuell etwas Regen. Einem tollen Rennwochenende in der herrlichen Bündner Bergwelt stand also soweit nichts im Weg.
Am Samstag war die Strecke über den Berninapass ab 07.40 Uhr für den öffentlichen Verkehr gesperrt, früh aufstehen war angesagt, wenn man einen guten Standort aufsuchen wollte. Das lohnte sich auf jeden Fall. Grosse Parkplätze gab es bei den beiden Bergbahnen Diavolezza und Lagalb von wo aus man mit dem Shuttlebus bequem weiterreisen konnte. Das Fahrerlager befand sich wie schon früher beim Ospizio Bernina, von wo aus die Fahrzeuge hinunter zum Start in La Rösa geführt wurden. Die ersten beiden Durchgänge am Samstagvormittag waren Trainingsläufe, am Nachmittag folgen die ersten beiden Wertungsläufe bei perfekten Bedingungen. Otto Ziegler, mit der Motorradgruppe unterwegs meinte, absolut geil, der Asphalt ist schön warm, ein Traum hier zu fahren. Zwischenfälle gab es am Samstag keine, zwei kleine technische Defekte, die aber schnell behoben werden konnten, beide Teilnehmer konnten die ersten beiden Wertungsläufe fahren. Schon früh am morgen hatte es deutlich mehr Zuschauer auf dem Berninapass als in den vergangenen Jahren. Die Läufe würden über einen Live Stream auf grosse Monitore übertragen und für den Transport an die Strecke standen Postautos und Busse zur Verfügung, die jeweils während den Verschiebungen der Teilnehmer zum Start die Besucher beförderten.

Bernina Gran Turismo, 19. – 21. September 2025. Alle waren in bester Laune, selbst die Fahrerin des Postautos freute sich.
Es herrschte eine super Atmosphäre bei wirklich schönstem Herbstwetter und sehr milden Temperaturen. Einzig der doch starke Wind verhinderte das absolute Wohlfühlerlebnis, aber eine leichte Jacke schaffte bequeme Abhilfe. Der Samstag ging plangemäss zu Ende und man durfte sich auf einen ebenso schönen Sonntag freuen. Der Sonntagvormittag verlief genau gleich wie der Samstag, allerdings wurde die beiden letzten Wertungsläufe gefahren. Nach dem 4. und letzten Lauf begaben sich die Teilnehmer hinunter nach Poschiavo zum Apéro und anschliessender Siegerehrung. Die fand bei Sonnenschein auf dem Dorfplatz statt. Ein gemeinsames Mittagessen gab es nicht, jeder konnte sich so verpflegen, wie er wollte. Eine gute Lösung, auch dass man die Siegerehrung wieder in Poschiavo durchführte wurde von allen begrüsst. Schliesslich findet der Bernina Gran Turismo im Val Poschiavo statt, zu dem auch der Berninapass gehört. Das doch eher bescheidene Zelt neben dem Ospizio Bernina von früher gehört zum Glück der Vergangenheit an. Wir sprachen mit einigen Teilnehmern und wollten wissen, ob man eine Veränderung bzw. Verbesserung spürte und man bekam nur positive Antworten. Super Stimmung, Freude und Dankbarkeit für einen wirklich gelungenen Anlass, zum dem natürlich auch das fast sommerliche Wetter beitrug. Am Sonntag zeigte das Thermometer auf dem 2’330 Meter hohen Berninapass schon morgens um 07.00 Uhr eine Temperatur von 9 Grad an, sehr aussergewöhnlich. Das ‚Schickimicki-Gehabe‘ ist gänzlich verschwunden und Teilnehmer, die sich ausgeschlossen fühlten, gab es nicht. Viele kennen sich auch schon seit vielen Jahren und treffen sich ein letztes Mal in der Saison am Bernina Gran Turismo. Das Startgeld liegt deutlich unter 2’000 Franken, man bekommt also einen guten Gegenwert und kann die 5.4km lange Strecke von La Rösa auf den Berninapass immerhin sechs Mal fahren. Auch am Sonntag gab es keinerlei Zwischenfälle oder unnötige Verzögerungen. Das zeugt von sehr guter Organisation und einer Strategie, die auf Qualität und nicht Quantität ausgelegt ist. Ana Engelhorn, Präsidentin des Verwaltungsrats, erklärte mir, dass es auch Vorgaben seitens der Behörden einzuhalten gilt. So dürfen maximal 80 Fahrzeuge teilnehmen, die kritische Grösse liege aber bereits bei knapp 70 Autos. Ideal sei etwas über 50. 2025 waren es 54 Autos und ein gutes Dutzend Motorräder, die jeweils am Schluss eine Demo-Fahrt absolvierten. Da hat Ana Engelhorn zusammen mit dem Direktor Luca Moiso wirklich alles fest im Griff und unter Kontrolle gehabt. An dieser Stelle vielen Dank an das gesamte Team des Bernina Gran Turismo. Und nicht zu vergessen die vielen Streckenposten, die teilweise auch wieder aus Deutschland und der Westschweiz anreisten. Ohne diese Streckenposten, die ihre Freizeit zur Verfügung stellen, wäre eine Motorsportveranstaltung unmöglich. Auch Euch vielen Dank.

Bernina Gran Turismo, 19. – 21. September 2025. Die Streckenposten hatten während der Läufe nicht viel zu tun. standen aber doch den ganzen Tag an der Strecke. Zum Glück brauchten sie dieses Jahr Sonnencreme statt Regenschirm.
Auch wenn das Teilnehmerfeld am Bernina Gran Turismo im Vergleich mit anderen Events nicht so gross war, attraktiv war es dennoch. Da waren einige ganz hochkarätige Fahrzeuge dabei, wie der Bugatti Typ 59 von Fritz Burkard. Das einmalige Fahrzeug gehörte einst König Leopold III von Belgien und ist noch immer in dem Zustand wie damals. 2024 wurde dieses Meisterwerk der Automobiltechnik in Pebble Beach Best of Show, erstmals in der Geschichte dieses Events. Das Wort Hypercar gab es zu Zeiten eines Bugatti 59 noch längst nicht, heute aber schon. Einer dieser Vertreter war am Bernina Gran Turismo zugegen, der Bugatti Bolide. Ein kompromissloses High-Tech Fahrzeug, gedacht und gebaut ausschliesslich für die Rennstrecke. 40 Autos sollen gebaut werden. Einem Bugatti Bolide wird man auf der Strasse also nicht begegnen. Weitere exquisite Vorkriegsfahrzeuge waren der Bugatti 35B von Martin Halusa oder der Alfa Romeo 8C 2300 von Klaus Dold. Eines der schönsten Autos war sicher der Ferrari 250 GT SWB aus dem Besitz der Familie Halusa. Dieser Ferrari hat eine besondere Geschichte, er ist das Schwesterfahrzeug des berühmten ‚Breadvan‚, den man am Bernina auch schon bewundern konnte. Wenn es um die Hauptdarsteller – die Autos – geht, ist Porsche an Rennsportevents immer wieder ein viel diskutiertes Thema. Viele stören sich daran, dass es unter den Teilnehmern zu viele Porsche gibt. Ausgeprägt war das an der diesjährigen Arosa ClassicCar, kam dazu, dass die 10 Renntaxis ebenfalls von Porsche zur Verfügung gestellt wurden. Da Porsche Hauptsponsor war, muss man dafür etwas Verständnis haben. Am Bernina waren zwei Porsche 911 RSR am Start, sowie ein 908/10/03, gefahren von Franco Gansser. Sicher eines der lautesten Fahrzeuge, das während der Warmlaufphase auch Feuer spuckte.
Am Schluss des Videos sieht man links im schwarzen Renndress Mate Rimac, der ebenfalls beeindruckt war von der Geräuschkulisse und ein kurzes Video machte. Der Kroate Mate Rimac ist Miteigentümer von Bugatti sowie Gründer und CEO von Rimac Automobili. Noch eine kleine Anekdote zu Mate Rimac, der seine Kindheit in Deutschland verbrachte. Rimac hätte mit dem Bugatti 59 von Fritz Burkard fahren sollen und steckte mit den Beinen schon halb im Fahrzeug. Ein Bugatti-Rennwagen ist alles andere als ein Raumwunder und so kam es, dass der grossgewachsene Rimac nicht ins Cockpit kam, da half auch das Entfernen des Sitzkissens nichts und die Übung wurde mit einem breiten Grinsen abgebrochen.

Bernina Gran Turismo, 19. – 21. September 2025. Auch wo ein Wille ist, ist nicht unbedingt ein Weg. Mate Rimac (Mitte) fand im Bugatti 59 von Fritz Burkard (rechts) keinen Platz.
Der 10. Bernina Gran Turismo fand am Sonntagnachmittag einen schönen Abschluss in Poschiavo und es gibt nichts zu bemängeln, das bewiesen die vielen rundum zufriedenen Gesichter. Auch dem ehemaligen Formel 1-Fahrer Erik Comas zeigte sich sehr zufrieden und genoss die zwei Tage. Der Auftakt zu einer neuen Ära von Motorsport mit historischen Fahrzeugen am Bernina ist perfekt gelungen und so kann der 10. Bernina Gran Turismo als ‚Revival des Revivals von 2015 bis 2023) bezeichnet werden. Wir freuen uns auf 2026. Alle weiteren Infos gibt es auf der Webseite des Veranstalters.
Fredi Vollenweider, Ela Lehmann, 22.September 2025
Die Fahrzeuge auf dem Weg zum Start am Sonntagmorgen


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