Lenzerheide Motor Classics, 13. – 15.06.2025

Eines der Highlights des Jahres der Schweizer Oldtimerszene fand am Wochenende vom 13. bis 15. Juni statt – die 12. Lenzerheide Motor Classics. Ein hochkarätiger Rennsportanlass auf der höchstgelegenen Rundstrecke Europas, der seit 2011 jeweils Mitte Juni ausgetragen wird. Wir wollen ja keine Unwahrheiten verbreiten, deshalb sei hier erwähnt, dass es kein Rennen ist, vielmehr zeigen die Besitzer von historischen Renn-und Sportwagen sowie Motorräder ihre Schätze in Form von Demofahrten auf dem 2’450 Meter langen Rundkurs. Es geht also um nichts, es gibt keine Pokale zu gewinnen, im Vordergrund steht der Spass und die Freude. Aber, verlieren konnte man, das musste der Fahrer des Ford Anglia schon am Samstagmorgen im ersten Lauf schmerzlich erfahren. Der Fahrer blieb zwar unverletzt, auch Zuschauer kamen dank der hervorragend abgesicherten Strecke nicht zu Schaden. Schmerzen dürfte vor allem das Loch im Geldbeutel bereiten, denn der Anglia wurde stark beschädigt und es ist fraglich, ob sich eine Reparatur lohnt. Schade, unnötig und sinnlos. Etwas Spektakel darf sicher sein, denn die scharfe Rechtskurve bei der Rothornbahn lässt viele Fahrzeuge mit dem rechten Vorderrad abheben, sehr zur Freude der Zuschauer – und natürlich Fotografen. Aber eben, alles mit Vernunft und die scheint der Fahrer des Anglia offenbar im Fahrerlager vergessen zu haben. Den Anglia, auch wenn er wieder aufgebaut werden sollte, wird man nie mehr an einer Lenzerheide Motor Classics sehen. Eine richtige Entscheidung des OK, den Fahrer für künftige Events nicht mehr zuzulassen. Dass man diese Kurve, die übrigens vor einigen Jahren entschärft wurde, auch kontrolliert mit Schräglage fahren kann bewies Stefan Huwyler aus Sins mit seinem knallblauen Opel Kadett GT/E Coupé, da war immer alles unter Kontrolle.

Lenzerheide, Motor Classics, 2025, Stefan, Huwyler, Opel, Kadett

Lenzerheide Motor Classics, 13. bis 15. Juni 2025. Der Opel Kadett von Stefan Huwyler in kontrollierter Schräglage bei der Rothornbahn.

Leidtragende wegen dieses Zwischenfalls waren auch die Fahrer der Gruppe 2, die wegen der Arbeiten an der Strecke und die dadurch entstandene Verzögerung ihren ersten Lauf nicht fahren konnten. Danach verlief der Event aber plangemäss ohne nennenswerte Zwischenfälle, auch das Wetter machte mit und verwöhnte mit viel Sonnenschein und sehr warmen Temperaturen. Auch wenn im Verlauf des Nachmittags einige Wolken aufzogen, es konnten am Samstag alle Läufe bei trockener Witterung gefahren werden. Die Abkühlung mit Regen kam erst am Abend, am Sonntag herrschte wieder eitel Sonnenschein. Auftakt zur Lenzerheide Motor Classics ist jeweils der Corso vom Fahrerlager bei der Rothornbahn ins Ortszentrum. Um 18.00 Uhr startete die erste Gruppe, anschliessend wurden die Fahrzeuge entlang der Hauptstrasse geparkt und konnten von den Besuchern aus nächster Nähe betrachtet werden. Für die Teilnehmer wurde anschliessend auf dem Postplatz der Apéro serviert. Ich ging mit Jacques Cornu und seiner Frau in Richtung Postplatz und Jacques meinte ganz erstaunt, wo kommen all die vielen Leute her? Tatsächlich waren noch nie so viele Zuschauer anwesend wie an diesem Freitagabend. Ob da ‚Flüchtlinge‘ dabei waren, denen es im Unterland zu heiss war und sie deswegen höhere Regionen aufsuchten? Jedenfalls war dieser Corso gekrönt von einer tollen Zuschauerkulisse. Bei der Passage am Postplatz wurde jedes Auto und Motorrad von Top-Speaker Elio Crestani vorgestellt, da erfuhr sicher der eine oder andere etwas, was er vorher noch nicht wusste. So ging der erste Tag der Lenzerheide Motor Classics zu Ende und man konnte zufrieden das Bett aufsuchen und sich auf den ersten ‚Renntag‘ freuen.

Lenzerheide Motor Classics, 13. bis 15. Juni 2025. Sehr viele Zuschauer entlang der Strecke am Corso. Das freute sicher auch OK-Vizepräsident Rénald Egloff, hier mit seiner Frau Claudia im Messerschmitt Kabinenroller.

Der erste Lauf am Samstag startete bereits um 07.30 Uhr, da musste man den Prosecco am Apéro etwas einteilen, vor allem die Fahrer der ersten Gruppe. Eingeteilt waren die knapp 290 Fahrzeuge in 8 Gruppen, zusätzlich gab es die Dorfgruppe, die Renntaxis sowie eine Gruppe des ACS. Ebenfalls in Genuss von ein paar Runden kamen die Alpine und Vertreter des Sponsors, der Garage Gut in Maienfeld

Gefahren wurden pro Gruppe während 20 Minuten etwa 10 Runden, vorne ein Pace Car, hinten ein Schlussfahrzeug. So wird sichergestellt, dass die Tempi nicht zu hoch werden. Im oberen Teil der Strecke nach dem ‚Jump‘ gibt es eine neutralisierte Strecke, wo Tempo 30 gefahren wird. Dort kann auch überholt werden bzw. man kann einen anderen Teilnehmer vorbeilassen. Nach dieser Zone folgt eine 90 Grad-Rechtskurve und es geht wieder mit viel Tempo dem See entlang Richtung Rothornbahn. Wir hörten schon oft die Aussage von Fahrern anderer Veranstaltungen, dass Sie auf der Lenzerheide nicht langweilig hinter einem Pace Car fahren wollen, andere sagen, dass ihnen die ‚Blocherei‘ dem See entlang einfach zu schnell sei. Die erste Aussage kann man klar in Abrede stellen, das kann mit einem Bild bewiesen werden. Thomas Kohler, CEO des ACS-Mitte, fuhr das Pace Car, einen AMG-Mercedes – langsam sieht anders aus!

Thomas, Kohler, ACS-Mitte, Lenzerheide, Motor, Classics

Lenzerheide Motor Classics, 13. bis 15. Juni 2025. Thomas Kohler in flotter Fahrt am höchsten Punkt der Strecke

Es ist natürlich jedem frei gestellt, seine eigene Meinung zu haben und ein Mangel an Teilnehmern besteht nicht, im Gegenteil, es konnten nicht alle Interessenten berücksichtigt werden. Alle, die dieses Jahr teilnehmen konnten, hatten sicher ihren Spass, auch hinter dem Pace Car. Der Motorsport hat auf der Lenzerheide übrigens eine interessante Vergangenheit. Vor 74 Jahren, am 26. August 1951, fand eines der ersten Bergrennen der Schweiz statt, an dem rund 80 Fahrzeuge teilnahmen. Gestartet wurde in Tiefencastel, das Ziel war die Lenzerheide. Der erste Sieger dieses Rennens hiess Albert Scherrer, genannt ‚Bätsch‘, er fuhr einen Jaguar XK 120 mit einer seltenen Alu-Karosserie. Und genau dieser XK 120 war auch dieses Jahr wieder am Start mit seinem jetzigen Besitzer Christian Jenny. Schon letzten Jahr konnte dieses Fahrzeug auf der Strecke bewundert werden und Christian Jenny bekam dafür den Special Recognition Preis. Man kann also auch ohne Zeitmessung gewinnen an der Lenzerheide Motor Classics. Ein weiterer Event folgte am 25. August 1957, als in Zusammenarbeit mit dem ACS zum Grossen Bergpreis der Schweiz gestartet wurde. Das Rennen zählte sogar zur Europameisterschaft. Auch an diesem Rennen nahmen zwei Fahrzeuge teil, die 2025 ebenfalls an der Lenzerheide Motor Classics teilnahmen. Es ist der Austin Healey 100S BN1, in welchem Jean Pequignot 1957 das anspruchsvolle Rennen bestritt und der dieses Jahr auf der Lenzerheide mit Marco Trevisan am Steuer seine Runden drehte. Ebenfalls am Start war 1957 der AC Bristol ACE, welcher mit Jean Gretener den 3. Platz einfuhr und dieses Jahr von Jürg Kohler an den LMC gefahren wurde. Ein ebenfalls geschichtsträchtiges Fahrzeug ist der Hansgen Jaguar XK 120 Special von 1953, den wir kürzlich eingehend in Augenschein nehmen durften. Der Wagen gehört ebenfalls Christian Jenny, gefahren wurde das Einzelstück von Robin Dönni. Da war also ganz viel Historie zu bewundern an der Lenzerheide Motor Classics. Bei den Zweirädern wurde diese Historie vervollständigt mit Jacques Cornu, dem mehrfachen Schweizermeister und Weltmeister. Jacques fuhr seine 250er-Honda ‚Parisienne‘ aus dem Jahr 1986. Auch mit 72 Jahre ist er noch immer schnell unterwegs.

Hansgen, Jaguar, XK, 120, Special, Christian, Jenny, Georg, Robin, Dönni

Lenzerheide Motor Classics, 13. bis 15. Juni 2025. Robin Dönni im Hansgen Jaguar XK 120 Special von 1953. Ein wunderschönes Auto mit toller Geschichte

Der Samstag endete um ca. 18.00 mit dem letzten Lauf und es ging weiter mit dem Race-Diner im Valbella Resort. Der Ablauf am Sonntag war grundsätzlich gleich, statt der ACS-Gruppe wurden neue und historische Alpine auf der Strecke gezeigt. Am Nachmittag konnte auch die Dorfgruppe nochmals ein paar Runden drehen. Auch der Sonntag ging ohne Zwischenfälle und ohne den befürchteten Regen über die Bühne. Neu an der Lenzerheide Motor Classics dieses Jahr waren Stände auf dem grossen Parkplatz bei der Rothornbahn, eine interessante Bereicherung wie wir finden. Vor allem in den Mittagspausen konnte man sich hier umsehen und flanieren. Zum See hin gab es eine kleine Tribüne von wo aus man einen guten Blick auf die ‚Rothornkurve‘ hatte.

Emil, Frey, Classcs, Lenzerheide, Motor, Ludwig, Muntwyler, Patrick, Mühlefluh

Lenzerheide Motor Classics, 13. bis 15. Juni 2025. Ludwig Muntwyler und Patrick Mühlefluh von der Emil Frey Classics an ihrem Stand

Man könnte noch lange und viel schreiben, aber besser ist, diese tolle Veranstaltung nächstes Jahr zu besuchen und zu erleben, es lohnt sich wirklich. Das genau Datum steht noch nicht fest, wird aber auf der Webseite des Veranstalters zu gegebener Zeit publiziert. Der Eintritt ist übrigens kostenlos. Danke an alle, die diesen Event ermöglichten.

Fredi Vollenweider, 21. Juni 2025

 

 

Bildershop von DREAM-CARS.CHGalerie 1

Galerie 2

5 Gedanken zu „Lenzerheide Motor Classics, 13. – 15.06.2025

  1. Hallo Fredi

    Habe von der Lenzerheide Motor Classics 2025 ein tolles Foto gesichtet, welches ich nachträglich noch bestellen möchte. Es trägt die Bezeichnung LMC-2025-193. Dies ist nur in der Galereie 1 zu finden, jedoch nicht im Fotoshop.
    Kannst du es richten?

    Beste Grüsse
    Walter

  2. Pingback: Lenzerheide Motor Classics, 13. – 15.06.2025 | DREAM-CARS.CH

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.