Ollon-Villars International Motor Race 2025

Am Wochenende vom 22. bis 24. August 2025 fand das 9. Ollon-Villars International Motor Race statt. Seinen Ursprung hat der Event 1953, als das Rennen erstmals ausgetragen wurde. Dann folgten in unregelmässigen Abständen 9 weitere Rennen bis ins Jahr 1971. Diese vorerst letzte Ausgabe des Ollon-Villars International Motor Race zählte noch zur Europameisterschaft, von den Rennen in den vergangenen Jahren einige Läufe sogar zur Weltmeisterschaft. Und so waren denn alle Grossen des Rennsports wie Jo Siffert, Hans Stuck, Louis Chiron, Hans Herrmann, Jack Brabham, Herbert Müller und viele weitere an diesem Bergrennen damals am Start. Der am 6. Oktober 1973 in Watkins Glen verstorbene Franzose François Cevert hält mit einer Zeit von 3’47“05 bis heute den Streckenrekord auf der 8 km langen Strecke mit einem Höhenunterschied von gut 800 Metern. Rund 40’000 Zuschauer verfolgten damals die spannenden Rennen an der Strecke unweit des östlichen Endes des Genfersees. Am 19./20. September 1998 folgte das erste Rennen der Neuzeit, als ‚1ère Rétrospective Internationale‘ mit ebenfalls internationaler Beteiligung. 2001 hiess der Event MOTOR RACE TROPHY, da in diesem Jahr auch das 30-jährige Jubiläum seit des letzten offiziellen Rennens gefeiert wurde. Dann folgten die weiteren Events in den Jahren 2003, 2007, 2010, 2013, 2017 und coronabedingt erst 5 Jahre später wieder 2022. Dieses Jahr war es somit die 9. Auflage der Neuzeit und es war wieder eine grossartige Veranstaltung mit vielen bekannten Teilnehmern und Fahrzeugen. 4 ehemalige Motorrad-Weltmeister waren am Start, Rolf Biland und Kurt Waltisperg, Freddie Spencer und die Motorradlegende Giacomo Agostini. Ebenfalls am Start bei den Motorrädern waren Jacques Cornu und Bruno Kneubühler. Wenn man die Gespannfahrer beobachtete wie die ‚Plampis‘ herumturnten staunte man, wie das überhaupt geht. Ich fragte oben im Ziel Kurt Waltisperg, ob er bei jedem Lauf die gleiche Kurve mit dem selben Gewichtsausgleich mitfährt oder ob es da Unterschiede gibt. Seine Antwort war sehr präzise, eben genau so, wie sein Fahrer, Rolf Biland, fährt. Das macht es für den Beifahrer einfacher, da er sich auf den Fahrer verlassen kann. An einem Bergrennen ist die gefahrene Linie auch besser einzuhalten als auf einer Rundstrecke, dann da fahren viele Konkurrenten im gleichen Rennen. Am Berg fährt man gegen die Zeit.

Ollon-Villars International Motor Race, 22. bis 24. August 2025. Rolf Biland und Kurt Waltisperg wurden zusammen 6 Mal Weltmeister in der Klasse der Seitenwagen. Rolf Biland wurde zusammen mit Beifahrer Kenny Williams 1978 ebenfalls Weltmeister.

Das 9. Ollon-Villars International Motor Race begann am Freitag, 22. August mit dem Bezug des Fahrerlagers – oder eines der Fahrerlager – die sind nämlich an mehreren Orten im alten Dorfkern von Ollon. Danach folgte die technische Abnahme der rund 250 Autos und etwa 150 Motorräder. Ein wirklich imposantes Starterfeld, das es so an keinem Event in der Schweiz auch nur annähernd gibt. Interessant sind auch die vielen Teilnehmer aus der Westschweiz, die man in der Deutschen Schweiz nie sieht. Trotz des Bergsprints Walzenhausen-Lachen am gleichen Wochenende, waren sehr viele Teilnehmer aus der Deutschschweiz in Ollon-Villars am Start.

Deshalb hier ein Aufruf an alle Besitzer eines historischen Renn- oder Sportwagens in der Französischen Schweiz, kommt auch mal in unsere Region, auch bei uns ist es schön und Französisch sprechen auch viele – und wenn nicht, es gibt Hände und Füsse 😉 Wäre doch schön und es gäbe etwas Abwechslung.

Die Engländer, die teilnahmen, konnten weder Deutsch noch Französisch, hatten aber dennoch viel Spass. Einer war allerdings im Ziel etwas erschöpft, er ist sich an Bergrennstrecken von 8 Kilometer Länge einfach nicht gewöhnt, in England sind diese Strecken deutlich kürzer. Aber er war trotzdem glücklich und beeindruckt von der herrlichen Landschaft.

Ollon-Villars International Motor Race

Ollon-Villars International Motor Race, 22. bis 24. August 2025. Von der Strecke, hier einige hundert Meter nach dem Start, hat man einen herrlichen Ausblick ins Rhônetal.

Die Fahrzeuge waren eingeteilt in verschiedene Gruppen. Gestartet wurde am Morgen jeweils um 09.30 Uhr mit der ersten Gruppe. Die weiteren Gruppen folgten, zum Schluss die Motorräder. Zwischen den Gruppen gab es keine Rückführungen. Die Fahrzeuge wurden oben im Ziel in Villars auf dem grossen Parkplatz den interessierten Zuschauern präsentiert. Da hatte man sich seitens der Organisation vielleicht etwas zu viel Zeit genommen, aber es gab wenigstens Verpflegungsmöglichkeiten auf dem Platz und die vielen Besucher und Zuschauer hatten die Möglichkeit, die Fahrzeuge aus nächster Nähe zu betrachten und auch mit den Fahrern zu reden. Aber zu grosse Unterbrüche und Pausen auf der Strecke können auch problematisch sein, so wie am Samstag im ersten Lauf. Ein Fahrzeug kollidierte mit einem geparkten Fahrzeug und fuhr in der Folge in eine Gruppe Zuschauer. Zwei Personen wurden leicht verletzt und mussten ärztlich versorgt werden. Der Fahrer blieb unverletzt, das Auto wurde im Frontbereich beschädigt, wird aber wieder repariert. Aber sowas kann passieren. Wir kennen den Fahrer, konnten aber nicht mit ihm sprechen, deshalb lassen wir das so stehen. Die Strecke war in vielen Bereichen neu asphaltiert und teilweise war der alte Belag ausgefräst, was in diesen Bereichen für etwas schwierigere Verhältnisse sorgte. Es gab auch Zonen, wo mit reduzierter Geschwindigkeit gefahren werden musste. Das Ollon-Villars International Motor Race ist übrigens kein Rennen, es gibt keine Zeitmessung, es zählt der Spass und die Freude. Die hatten sicher alle und zur guten Stimmung trug sicher auch das prächtige Wetter bei. Gemäss Veranstalter besuchten rund 10’000 Personen den Event, ein toller Erfolg. Wir erwähnten das imposante Starterfeld mit vielen richtigen Rennwagen, darunter 7 ehemalige Formel 1-Fahrzeuge aus den unterschiedlichsten Epochen. Die Vielfalt war enorm gross und man könnte über so manches Fahrzeug interessante Geschichten schreiben. Was uns sehr gut gefallen hat waren die doch vielen Vorkriegsfahrzeuge. Spektakulär war wie schon in den vergangenen Jahren die Scuderia Cegga aus dem benachbarten Aigle, die mit 6 Fahrzeugen in einer eigenen Gruppe startete.

Cegga, Maserati, Tipo, 61, Birdcage, Gachnang, Ollon-Villars

Ollon-Villars International Motor Race, 22. bis 24. August 2025. Der Cegga Maserati Tipo 61 ‚Birdcage‘ aus dem Jahr 1960 der Scuderia Cegga aus Aigle.

Bei den Motorrädern zeigten 4 Weltmeister, dass sie noch immer schnell unterwegs sind. Auch bei den Autos waren bekannte Persönlichkeiten vertreten, so der ehemalige französische Formel 1-Fahrer Erik Comas (im Bild mit Fredi Moser) der mit einem Lancia 037 EVO1 aus dem Jahr 1983 startete. Fredi Moser war wie schon 2022 mit dem schwarzen Shadow DN1 am Start. Ein in der Schweiz sehr bekannter Fahrer war Markus Hotz auf seinem Horag Formula Super Vee aus dem Jahr 1971. Aus England angereist waren auch der Sohn von Colin Chapman, Clive, mit seinem Sohn Arthur sowie Jim Clarks Cousin Doug Niven, hier im Interview mit dem Speaker Laurent Missbauer. Es war auch im Fahrerlager immer etwas los und dank der Mittagspause hatte man genügend Zeit für Gespräche. Spannend und interessant waren vor allem die Fahrerlager der Motorradfahrer, die feierten nämlich neben ihren Maschinen und hatten eine Riesengaudi. Ein offizielles Diner für die Teilnehmer gab es übrigens nicht, was viele sehr schätzten, es konnte sich jeder so Verpflegen, wie er wollte. Leider waren die 3 Tage zu schnell vorbei und es dauert wieder 3 lange Jahre bis zum nächsten Ollon-Villars International Motor Race. Vielleicht dann nicht gleichzeitig mit einem anderen Rennevent, das wäre schade. Alle weiteren Informationen gibt es auf der Webseite des Veranstalters.

Fredi Vollenweider, Ela Lehmann, 27. August 2025

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