Zum 22. Mal verwandelte sich die Offene Rennbahn in Zürich Oerlikon am 21. Juli 2026 in eine Rennstrecke für Autos und Motorräder, das Indianapolis in Oerlikon fand statt. Jeweils ein Riesenspektakel, das für die Autos und Motorräder nur 3 Stunden dauert. Natürlich fanden an diesem Abend auch Radrennen statt, die starteten aber schon im Laufe des Nachmittags und nach den letzten Runden gegen 21.00 Uhr mit Sport- und Rennwagen gingen die Steher auf die Strecke. Bei den Steherrennen fährt ein Motorrad vor dem Radfahrer und erzeugt durch die stehende Position auf dem Motorrad einen Windschatten. Hinten am Motorrad ist auf einer Breite von etwa 80 cm eine Rolle angebracht. Der Radfahrer berührt diese jedoch nicht sondern folgt im Abstand von einigen Zentimetern dem Motorradfahrer, genannt Schrittmacher. Der Lenker des Motorrades ist weit nach hinten gezogen, die Griffe enden seitlich der Oberschenkel der Schrittmacher. Es gibt breite Fussrasten, was einen sicheren Stand garantiert. Der Gasgriff ist so untersetzt, dass der Schrittmacher besonders fein dosieren kann. Wenn der Steher in seinem Windschatten aus der Puste kommt, ruft er zuvor vereinbarte Kommandos. Damit der Schrittmacher die Anweisungen auch hören kann, trägt er einen Helm mit speziellen Ohrmuscheln, die nach hinten gerichtet sind. Bahnräder haben keine Bremsen und einen starren Antrieb. Die an einen Abstandshalter montierte Rolle verhindert Stürze, wenn das Rad dem Motorrad zu nahe kommt. Fährt ein Radfahrer dagegen, dreht sie sich einfach. Verliert der Radfahrer hingegen den Anschluss und damit auch den Windschatten, ist er „von der Rolle“. Das Steherrennen ist eine Ausdauerdisziplin, die vor allem den Steher fordert. Die Bezeichnung Steher bezieh sich nicht auf den stehenden Motorradfahrer sondern auf den Radfahrer. Der Begriff „Steher“ leitet sich vom englischen „stayer“ ab, das heisst jemand mit Ausdauer (to stay „anhalten, bleiben“). Wer jetzt denkt, dass der ‚arme‘ Radfahrer sich während 45 Minuten hinter dem Motorrad abmüht und der Schrittmacher einfach so auf seinem Motorrad steht, der irrt. Auch für den Motorradfahrer ist die Beanspruchung sehr gross, denn die Fliehkräfte in den stark überhöhten Kurven sind enorm und zudem erfordert die Koordination mit seinem Steher ein hohes Mass an Konzentration.

Indianapolis in Oerlikon, Offene Rennbahn Zürich, Dienstag, 21. Juli 2026. Bei den Steherrennen werden Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde erreicht, da ist Präzision am Gasgriff und auf dem Fahrrad unabdingbar.
Die rund 6’500 Besucher und Zuschauer sorgten für eine imposante Kulisse, die Tribünen waren bis auf den letzten Platz besetzt. Das ist aber nur am Indianapolis in Oerlikon so, bei den reinen Radrennen ist die Zuschauerkulisse deutlich bescheidener. Aber dank den Renn- und Sportwagen sowie den Motorrädern auf zwei und drei Rädern haben auch die Radrennfahrer einmal im Jahr ‚Full House‘. 66 Teilnehmer waren für 2026 gemeldet. Anmelden kann man sich übrigens nicht, man muss sich bewerben, das OK wählt dann die Teilnehmer nach verschiedenen Kriterien aus. Es gibt strikte Vorgaben, die befolgt werden müssen. So muss jedes Fahrzeug absolut dicht sein, darf also keine Flüssigkeiten verlieren. Auch das Gewicht ist begrenzt, zu schwere Fahrzeuge könnten negative Auswirkungen auf die Betonbahn haben und eine weitere Vorschrift besagt, dass alle Autos offen sein müssen. Dies aus Sicherheitsgründen. So wird ein reibungsloser Ablauf garantiert, auch wenn es immer Zwischenfälle geben kann, das ist so im Motorsport. Auf Zeit wird auf der Offenen Rennbahn natürlich nicht gefahren, es sind keine Rennläufe sondern Präsentationsrunden für die Zuschauer. Die jeweiligen Fahrzeuge wurden von Speaker Elio Crestani beschrieben und so wurden auch Informationen vermittelt, die sicher den einen oder anderen überrascht haben dürften. Das Starterfeld war auch dieses Jahr wieder äusserst hochkarätig mit vielen faszinierenden Fahrzeugen, darunter ein Bugatti 35B von Peter Hürlimann, ein Bugatti 37A von Jürg König oder der Maserati 8CM von Kurt Hasler. Diese Monoposti sind fast 100 Jahre alt und wirklich beeindruckend in den Steilwandkurven. Ebenfalls sehr spannend war das letzte Feld, das Feld K mit historischen Formel 2 Rennwagen. Fredy Lienhard vom autobau Romanshorn fuhr einen March 762, sein Sohn Alexander einen March 742 aus dem Jahr 1974, dann Thomas Amweg mit dem von seinem Vater Fredy gebauten Eigenbau Amweg AW76.

Indianapolis in Oerlikon, Offene Rennbahn Zürich, Dienstag, 21. Juli 2026. Vorne Fredy Lienhard, oben Roger Moser und hinten Alexander Lienhard in der Steilwandkurve.
Das sicher wertvollste Fahrzeug war der schwarze Ferrari 340 America von Louis Frey. Der im Originalzustand erhaltene Rennwagen aus dem Jahr 1950 erwarb Louis Frey sen. im Jahr 1969 vom Erstbesitzer, einem Industriellen aus Muri AG. Der Wagen ist seit seiner Auslieferung immer in Muri und wird von Louis regelmässig gefahren. Am Indianapolis in Oerlikon konnte Fredy Lienhard als Beifahrer ein paar Runden auf dem Betonoval geniessen. Sehr schnell war der Abend vorbei und ein absoluter Top-Event der Schweizer Oldtimerszene ist schon wieder Geschichte. Organisiert wird das Indianapolis in Oerlikon von
- Georg Kaufmann
Gesamtverantwortung und Auswahl Oldtimer. - Jo Kaufmann
Verantwortlich Oldtimer Motorräder. - Karl Marty
Verantwortlich Ablauf Programmm.
Und wie immer sass der harte Kern, zu dem auch wir gehören, bis nach Mitternacht draussen vor dem Rennbahnstübli und liessen den Tag bei einem letzten Bier ausklingen. Danke an alle Beteiligten, dass so ein Event mitten in der Stadt Zürich möglich ist. Weitere Infos, auch die Startliste, gibt es auf der Webseite des O-iO von Ruedi Müller.
Fredi Vollenweider, Ela Lehmann, 28. Juli 2026

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