Zum 13. Mal fand dieses Jahr vom 29. bis 31. Mai 2026 die Lenzerheide Motor Classics statt. Ein rennsportähnlicher Event auf der höchstgelegenen Rundstrecke Europas, auf 1’476 Metern Meereshöhe. Der 2’450 Meter lange Rundkurs zwischen Valbella und Lenzerheide ist entlang des Heidsees sehr schnell, zu übermütig können es die Fahrer aber nicht angehen, denn voraus fährt ein Pacecar, auch das Schlusslicht ist ein Kontrollfahrzeug das darauf achtet, dass das Feld nicht zu weit auseinandergezogen wird. So ist für die nötige Sicherheit gesorgt. Zudem gibt es im Bereich des Sportzentrums eine neutrale Zone, wo max. 30 km/h gefahren werden durfte. Aber schnell fahren konnte man dennoch, denn das Pacecar bummelt nicht um den Kurs, wie Thomas Kohler 2025 bewiesen hat. Mit dem AMG GT Coupé schaffte er es, am höchsten Punkt der Strecke etwa einen Meter zu fliegen, alle 4 Räder waren in der Luft. Wir hörten auch schon Stimmen, dass es zu langweilig sei, 20 Minuten hinter einem Pacecar zu fahren. Das ist aber unwichtig, denn es zählt der Spass und die Freude, darum geht es an der Lenzerheide Motor Classics. Motorsport auf der Lenzerheide gibt es seit 75 Jahren. Mit dem ersten Schweizer Bergrennen nach dem Zweiten Weltkrieg, welches am 26. August 1951 auf der Lenzerheide stattfand, schrieb die Region Motorsportgeschichte. Es waren rund 80 Fahrzeuge am Start und das Publikumsinteresse war enorm. Am 25. August 1957 markierte das durch den ACS Sektion Graubünden organisierte Rennen den absoluten Höhepunkt des Motorsports in Graubünden. Erstmals war ein Schweizer Bergrennen Austragungsort der Europa-Bergmeisterschaft unter zahlreicher Beteiligung nationaler und internationaler Stars der Rennszene. Die Rennen von 1951 und 1957 sind längst Geschichte und feiern dieses Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Am Leben gehalten wird die Tradition vom Verein Lenzerheide Motor Classics, welcher jedes Jahr den Spirit und die Rennatmosphäre vergangener Zeiten in Form der Lenzerheide Motor Classics aufleben lässt. Interessant sind immer Fahrzeuge, die damals am Start waren und heute immer noch zu bewundern sind, wie der AC Bristol ACE, der schon 1957 dabei war, wie auch der Jaguar XK 120 Alu aus dem Besitz von Christian Jenny. Gefahren wurde das rare Fahrzeug von Robin Dönni, Sohn des bekannten Jaguar Restaurators Georg Dönni aus Roggliswil.

Lenzerheide Motor Classics, 29. bis 31. Mai 2026. Der Jaguar XK 120 ‚Bätsch Scherrer‘ aus dem Besitz von Christian Jenny, gefahren von Robin Dönni
Wie immer wird am Freitag das Fahrerlager bezogen, die Fahrer richten sich ein und machen sich für das Wochenende bereit. Der offizielle Start zur Lenzerheide Motor Classics ist dann um 18.00 Uhr mit dem Corso. Die Fahrzeuge fahren vom Fahrerlager bei der Talstation der Rothornbahn in Gruppen ins Ortszentrum und werden entlang der Strasse aufgestellt. Das lockt jeweils sehr viele Besucher und Zuschauer an, die sich die wunderbaren Oldtimer aus nächster Nähe anschauen können. Die ankommenden Fahrzeuge werden vom Speaker Elio Crestani kurz vorgestellt. Für die Teilnehmer beginnt der eigentliche Event dann anschliessend mit dem Apéro auf dem Postplatz. Da herrscht immer eine fröhliche und ausgelassene Stimmung und man kann sich so richtig auf die bevorstehenden 2 Tage freuen.

Lenzerheide Motor Classics, 29. bis 31. Mai 2026. Der Apéro ist jedes Jahr ein gelungener Auftakt zur Lenzerheide Motor Classics
Ausschlafen konnten die Teilnehmer nicht, zumindest nicht die, welche im Feld 1, Kampf der Zwerge, starteten. Der Start war schon um 07.30 Uhr. Gefahren wurde in diesen Rennfeldern
Feld 1 Kampf der Zwerge
Leistungsshows
Samstag & Sonntag, 07.30 – 07.50
Samstag & Sonntag, 13:25 – 13:50
Anzahl Fahrzeuge : 24
Feld 2 GT & Tourenwagen
Leistungsshows
Samstag & Sonntag, 08.00 – 08.25
Samstag & Sonntag, 14.00 – 14.25
Anzahl Fahrzeuge : 24
Feld 3 Oldies but Goldies
Leistungsshows
Samstag & Sonntag, 08.25 – 08.50
Samstag & Sonntag, 14.25 – 14.50
Anzahl Fahrzeuge : 24
Feld 4 Motorräder
Leistungsshows
Samstag & Sonntag, 09.00 – 09.25
Samstag & Sonntag, 15.00 – 15.25
Anzahl Fahrzeuge : 35
Feld 5 GT & Tourenwagen
Leistungsshows
Samstag & Sonntag, 09.25 – 09.50
Samstag & Sonntag, 17.25 – 17.50
Anzahl Fahrzeuge : 24
Feld 6 GT & Tourenwagen
Leistungsshows
Samstag & Sonntag, 10.00 – 10.25
Samstag & Sonntag, 17.00 – 17.25
Anzahl Fahrzeuge : 24
Feld 7 Formel, offene Sportwagen & Prototypen
Leistungsshows
Samstag & Sonntag, 10.25 – 10.50
Samstag & Sonntag, 16.25 – 16.50
Anzahl Fahrzeuge : 24
Feld 8 Wie die Wilden
Leistungsshows
Samstag & Sonntag, 11.00 – 11.25
Samstag & Sonntag, 16:00 – 16.25
Anzahl Fahrzeuge : 24
Feld 9 Dorfgruppe und Einheimische
Demonstrationsläufe
Samstag 11.25 – 11.50
Samstag 15.25 – 15.50
Sonntag 15.25 – 15.50
Anzahl Fahrzeuge : 55
ACS Gruppe
Demonstrationslauf
Samstag 13.00 – 13.25
Anzahl Fahrzeuge : 33
Dank sehr wenigen unbedeutenden kleinen ‚Abflügen‘ konnten alle Läufe plangemäss durchgeführt werden, selbst der vorhergesagte Regen kam erste nach Ende der Veranstaltung, was allerdings für den vielen Helfern, welche die gesamte Infrastruktur abbauen mussten, sicher keine Freude bereitete.
Zwischen 11.50h und 12.50h war Motorenruhe, wo man sich in der Mittagspause verpflegen konnte. Beliebt ist immer das Restaurant / Hotel Revier, unmittelbar am Fahrerlager, da läuft immer etwas und die Besucher haben die Möglichkeit, sich die Teilnehmerfahrzeuge aus nächster Nähe anzuschauen. Da hat man sogar die Möglichkeit, sich in eines der Fahrzeuge zu setzen, natürlich immer mit Erlaubnis des Besitzers oder Fahrers, wie hier, wo ein Knirps im Reynard 89D Formel 4000 aus dem Jahr 1989 Platz nehmen durfte. So ganz geheuer war es dem Kleinen aber nicht.

Lenzerheide Motor Classics, 29. bis 31. Mai 2026. So richtig wohl fühlte sich der Kleine nicht in Daniel Mauerhofers Reynard.
Nach dem ersten Feld folgten die weiteren bis zur Mittagspause. Nach der Mittagspause wiederholte sich das Vormittagsprogramm mit den 8 Rennfeldern. Gefahren wurde jeweils während gut 20 Minuten, es konnten also etliche Runden absolviert werden. Das bekam nicht allen Fahrzeugen, ‚Neuling‘ Thomas Amweg war mit dem Eigenbau seines Vaters Fredy Amweg, am Start. Der Amweg AW76 aus dem Jahr 1976 wurde nach 4 bis 5 Runden so heiss, dass Thomas jeweils aufgeben musste. Der Rennwagen wurde damals primär für Bergrennen gebaut, wo die Fahrzeiten bei wenigen Minuten lagen, was keine thermischen Probleme verursachte. Auch Roger Moser mit dem Martini – MK 28 BMW Formel 2 aus dem Jahr 1983 hielt die 20 Minuten nicht durch, Grund waren allerdings nicht die Überhitzung, sondern der kleine Benzintank, der nicht genügend Fassungsvermögen hatte. Das Niveau der gezeigten und gefahrenen Fahrzeuge und Motorräder an der Lenzerheide Motor Classics war recht hoch, es gab wirklich viele Raritäten zu bewundern. Auf alle Fahrzeuge einzugehen würde den Rahmen sprengen, dennoch wollen wir einige erwähnen. Im Vorfeld wurde viel über den Aston Martin DB 3/5 aus dem Jahr 1952 berichtet. Dieser atemberaubende Aston Martin DB 3/5 ist einer von drei verbliebenen Werks-Team-Rennwagen, der 1952 das erste 9-Stunden-Rennen von Goodwood gewann. Ein historisch äusserst wertvoller Zeuge seiner Zeit. Weitere Einzelheiten über diesen Rennwagen kann man hier nachlesen. Ein weiterer Rennwagen, der besondere Beachtung verdient und anlässlich des Abendessens am Samstag auch ausgezeichnet wurde, ist der Sauber C4. Im August 2025 kam der Sauber C4, fünfzig Jahre nach seiner Entstehung und anschliessenden „Weltreise“ (Einsätze in Griechenland, England und Amerika), zurück in sein Ursprungsland Schweiz. Der Sauber C4 ist das vierte Modell und eines der geschichtsträchtigeren Rennfahrzeuge in der Motorsport-Historie von Peter Sauber. 1975 wurde im schweizerischen Hinwil in der Firma von Peter Sauber gebaut, nur ein einziges Exemplar entstand. Der C4 ist das erste Sauber-Rennfahrzeug mit einem Aluminium-Monocoque. Nachdem der letzte Besitzer Brian Groza aus den USA den Sauber C4 zum Verkauf ausschrieb, nutzte der langjährige Schweizer Rennfahrer Reiner Suhr aus Basel die Chance und erwarb ihn. Reiner Suhr ist Mitglied des traditionsreichen Motorsportclubs Ecurie Basilisk. Die frühe Sauber Motorsport Renngeschichte ist eng mit der Ecurie Basilisk und ihren Mitgliedern verbunden.

Lenzerheide Motor Classics, 29. bis 31. Mai 2026. Ein einziger Sauber C4 wurde gebaut und es ist schön, dieses geschichtsträchtige Fahrzeug an der Lenzerheide Motor Classics auf der Strecke gesehen zu haben.
Als Medienvertreter und Fotografen sind wir an jedem Event im Kontakt mit Fahrern, Besuchern und Zuschauern und tauschen uns über die Veranstaltung aus. Selten hört man so viel Positives, wie über die Lenzerheide Motor Classics. Perfekt organisiert, auch bei unvorhergesehenen Ereignissen gibt es schnell eine Lösung und der Event geht weiter. Das erfordert natürlich einen enormen Aufwand, den das Team um OK-Präsident Hans Orsatti aber nicht scheut. Das zahlt sich immer aus, denn nur so ist die Durchführung eines Rennsportevents überhaupt möglich. Man will den Fahrern und Fahrerinnen ein Höchstmass an Spass bieten, den Zuschauern ein abwechslungsreiches Programm, Spannung und Unterhaltung. Die gab es an der Lenzerheide Motor Classics nicht nur auf der Strasse, sondern auch in der Luft. Am Samstag und Sonntag jeweils nach der Mittagspause. Vom Flugplatz Altenrhein aus startete das PC-7 SUBITO Team mit drei PC-7 auf die Lenzerheide. Diese Kunstflugformation mit ehemaligen Maschinen aus dem Bestand der Schweizer Luftwaffe, zeigt auf eindrückliche Weise, was erfahrene Piloten mit historischen Flugzeugen zu leisten vermögen. Die Flugshow passte hervorragend zu dem Geschehen auf der Strecke. Als Besucher gab es die Möglichkeit, sich die Mitfahrt in einem der Renntaxis zu buchen. Etwa zwei Dutzend Fahrzeuge der unterschiedlichsten Bauart standen für dieses Erlebnis zur Verfügung. Langeweile wie an anderen Events gibt es an der Lenzerheide Motor Classics nicht, schon deshalb nicht, weil die beiden Speaker Elio Crestani und Martin Sigrist die Zuschauer mit vielen Informationen zu den einzelnen Fahrzeugen und Fahrern versorgten. Dank der Disziplin der Fahrer und Fahrerinnen war die Lenzerheide Motor Classics ohne Unterbrüche ein wirklich spitzenmässiger Event, der noch lange in guter Erinnerung bleiben wird. Vielen Dank an alle Beteiligten, das gesamte OK und die vielen Helfer, auf dem Rennplatz und an der Strecke. Ohne die vielen Marshals und Streckenposten entlang der Strecke, wäre so ein Event niemals möglich.

Lenzerheide Motor Classics, 29. bis 31. Mai 2026. Ohne die vielen Helfer und Marshals wäre ein Event wie die Lenzerheide Motor Classics nicht durchführbar.
Neben den vielen Renn- und Sportwagen mit ihren Fahrern und Fahrerinnen, gab es auch viele Begegnungen, die mit dem Motorsport nichts zu tun haben, aber dennoch eng mit der Welt des Sports verbunden sind. Die schon etwas älteren Zeitgenossen können sich sicher noch an die Siebzigerjahre erinnern, als im Skisport ein kleiner bärtiger Mann mit den längsten Skis im Slalom für Schlagzeilen sorgte. Vor 50 Jahren wurde er an den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck gar Olympiasieger im Riesenslalom. Klar, Heini Hemmi aus Churwalden war das. Der gelernte Maurer Hemmi gründete im Jahr 1984 das Handelsunternehmen Heval (der Unternehmensname setzt sich zusammen aus dem Nachnamen und seinem Wohnort Valbella). Das Unternehmen verkaufte Absperrungen, Fangnetze, Torstangen und sonstiges Zubehör für die Durchführung von Skirennen. 2007 verkaufte er sein Unternehmen. Hemmi präsidierte danach den Verein Weltcup Lenzerheide, der für die Organisation der Weltcuprennen in der Lenzerheide zuständig ist. Als bekannte Persönlichkeit suchte er eine Möglichkeit, dem Rummel zu entfliehen und fand seine Leidenschaft zum Angeln. Sein Hobby brachte ihn nach Alaska und führte dazu, dass Heini Hemmi 2011 begann, in Valbella erfolgreich Wildlachs zu vertreiben. Sein Sohn Gianin hat «Hemmi Wildlachs» 2020 übernommen und führt die Firma heute erfolgreich. Das zeigt, dass neben den vielen faszinierenden Fahrzeugen auch Menschen im Mittelpunkt stehen und einen Event wie die Lenzerheide Motor Classics zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Vielen Dank an alle, die zu diesem sensationellen Wochenende beigetragen haben, wir freuen uns schon auf 2027, wenn vom 11. bis 13. Juni die 14. Lenzerheide Motor Classics stattfinden wird. Alle weiteren Daten und Informationen gibt es wie immer auf der Webseite des Veranstalters.

Lenzerheide Motor Classics, 29. bis 31. Mai 2026. Im Gespräch mit Heini Hemmi, links, und Elio Crestani, Mitte.
Fredi Vollenweider, Ela Lehmann, 01. Juni 2026
Galerie 1
Galerie 2

Vielen Dank an Ela und Fredi, einfach tolle Bilder und Berichte aus dem Mittendrin. Machen richtig Freude
Super
LG
Rolf
Hallo Rolf
Danke für Deinen Kommentar. War wirklich ein super Event, der viel Spass machte. Bis zum nächsten Mal und Dir noch einen schönen Abend.
Herzliche Grüsse
Fredi, Ela + Team DREAM-CARS.CH
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