Was für ein Wochenende, vor allem für Oldtimerfans, die längst wissen, dass seit dem Jahr 2000 an Pfingsten einer der wohl grössten und beliebtesten Oldtimerevents der Schweiz stattfindet, das O-iO. Am 23. und 24. Mai 2026 trafen sich über 500 Oldtimer in Sarnen zum Oldtimer- und Volksfest Oldtimer in Obwalden, kurz eben O-iO. Natürlich ist an diesen beiden Tagen der Ortskern von Sarnen gesperrt, denn die Auto- und Menschenmenge braucht Platz. Aber alles kein Problem, die Behörden, die Bevölkerung und auch Geschäfte in Sarnen stehen hinter dem Anlass, der ja neben dem Spass und der Freude auch einen wirtschaftlichen Aspekt hat. Und wenn das Wetter mit sommerlichen Temperaturen und Sonne pur den Anlass versüsst, macht es eben doppelt Spass. Im Jahr 2000 fand wie erwähnt das erste O-iO statt, ein eher regionales Treffen mit rund 150 Fahrzeugen, im Vergleich zu heute eher bescheiden, wie auch unser Bericht von damals. Die digitalen Spiegelreflexkameras gab es noch nicht zu kaufen, so richtete sich die Anzahl Bilder bzw. Filme nach dem Budget. Aber immerhin, wir waren dabei und unsere 1999 veröffentlichte Webseite ging ins zweite Jahr. Auch wenn diese 26 Jahre irgendwie schnell vorbei gingen, es ist doch eine lange Zeit und die digitale Entwicklung machte in diesem Vierteljahrhundert einen gewaltigen Sprung. Genau so entwickelte sich auch das O-iO, welches von Ruedi Müller – damals in der Oldtimerszene noch nicht bekannt ‚wie ein bunter Hund‘ – und seiner Partnerin Ruth Iseli ins Leben gerufen wurde. Die Veränderung sieht man auch deutlich bei den Fahrzeugen der Teilnehmer. Auch wenn es am O-iO verhältnismässig viele Vorkriegsfahrzeuge gibt, es sind heute jüngere Fahrzeuge mit dabei, die bei der ersten Durchführung im Jahr 2000 massenweise als neuwertige Gebrauchtwagen das Strassenbild prägten. Hier gilt ganz klar die Devise ‚TOLERANZ‘. Wenn die ‚alten Enthusiasten‘ diese Entwicklung positiv sehen, wird die jüngere Generation genau so tolerant sein gegenüber den ‚Senioren und Seniorinnen‘ und unser schönes Hobby weiterführen, wenn auch in einer etwas anderen Form. Es ist übrigens auch das Ziel von Ruedi Müller und seinem Team, speziell die ‚Jungmannschaft‘ für das Oldtimerhobby zu begeistern. Ein gutes Beispiel sind die vielen Lastwagen, die vorwiegend von ganz jungen Fans gefahren wurden.

O-iO, Oldtimer in Obwalden, Sarnen und Hotel Paxmontana, Samstag, 23. Mai 2026. In vielen LKW’s sassen ganz junge Oldtimerfans.
Am Samstag war schon ab 08.00 Uhr viel los in Sarnen, die Fahrzeuge kamen an und wurden auf dem 750 Meter langen Abschnitt der gesperrten Brünigstrasse geparkt. Auch viele Seitenstrassen wurden als Parkflächen genutzt und so wurde Sarnen temporär zu einem der grössten Oldtimermuseen Europas. Jetzt ist es aber nicht so, dass die vielen schönen Klassiker einfach so dastehen, nein, die Zuschauer und Besucher haben die Möglichkeit, am Samstagnachmittag eine Passagierfahrt zu machen. Dafür steht ein Teil der Fahrzeuge mit dem jeweiligen Besitzer zur Verfügung, man muss sich einfach sein Lieblingsfahrzeug aussuchen und kommt so zu einem unvergesslichen Erlebnis. Bei diesem schönen Wetter waren die Cabriolets besonders beliebt und gefragt und wenn man die zufriedenen Gesichter, auch der Kinder, sah, hatte man das Gefühl, dass die Passagiere gar nicht mehr aussteigen wollen. Gegen 15.00 Uhr waren die Passagierfahrten zu Ende und es folgte die kleine Ausfahrt für die Teilnehmer. Nach der Ansprache auf dem Dorfplatz durch Daniel Wyler, Landammann, Kanton OW, Volkswirtschaftsdirektor und Jürg Berlinger, Gemeindepräsident von Sarnen, erfolgte das Briefing durch Ruedi Müller. Die 26,3km lange Fahrt führte von Sarnen nach Alpnach, über Kerns zum Hotel Paxmontana und über Flüeli-Ranft wieder zurück nach Sarnen, wo man den erlebnisreichen Tag bei einem gemütlichen Abendessen und dem Dorffest im Zentrum von Sarnen ausklingen lassen konnte. Ein unvergesslicher Tag war viel zu schnell vorbei, aber man durfte sich ja auf den Sonntag freuen, der wieder ein interessantes Programm versprach. Treffpunkt war ab 09.00 der Ortskern von Sarnen, wo die Fahrzeuge für die bevorstehende Fahrt ins Berner Oberland bereitgestellt wurden. Um 10.00 Uhr wurde gestartet und schon nach wenigen Metern folgte ein Stop für einen Apéro-Paket. Ruedi Müller informierte darüber am Briefing, meinte aber, dass diese Idee ein ‚Schuss in den Ofen‘ sei bei dieser Hitze. Mit einer Stärkung für unterwegs ging es über Meiringen nach Brienz zur nächsten Pause.

O-iO, Oldtimer in Obwalden, Sonntag 24. Mai 2026, Sarnen und Brienz. Ankunft in Brienz bei der Brienz Rothorn Bahn
In Brienz begannen sich bereits die ersten ‚Probleme‘ in Form von akutem Parkplatzmangel abzuzeichnen. Ruedi Müller teilte vor der Fahrt mit, dass es sehr schwierig sein werde, Parkplätze zu finden, denn das schöne Wetter lockte natürlich unglaublich viele Touristen in die Region. Am Sonntag waren es nicht mehr so viele Teilnehmerfahrzeuge wie am Samstag, aber dennoch rund 350. Viele asiatische Touristen, wohl aus Indien oder Pakistan, bevölkerten Brienz. Viele Frauen waren mit Schleiern, Tüchern und Schutzmasken vermummt, sie erinnerten irgendwie an Gespenster 😉 Aber auch die Touristen zeigten viel Freude, sie winkten und riefen den vorbeifahrenden Oldtimern zu. Ein Zusatzerlebnis zum Nulltarif. Wir fotografierten bei der Talstation der Brienz Rothorn Bahn, die noch immer Dampfzüge betreibt. Zwischen 1890/91 erbaut, wurde sie am 17. Juni 1892 eröffnet, gerade mal 6 Jahre nach der ‚offiziellen Erfindung‘ des Automobils. Nach der Pause in Brienz ging die Fahrt weiter nach Interlaken, die dann aber für die meisten Teilnehmer ausblieb, denn Interlaken war noch viel mehr überlaufen mit Touristen als Brienz. So entschieden auch wir, in Brienz zu bleiben und in einem gemütlichen Restaurant bei einem feinen Mittagessen den Nachmittag zu geniessen. Der Krieg im Iran hat viele Auswirkungen, auch auf das Reiseverhalten, viele Touristen weichen auf andere Länder aus, zu denen sicher auch die Schweiz gehört. Bei der Planung des O-iO, die über das gesamte Jahr dauert, war dieser unnötige Krieg natürlich noch kein Thema, sonst hätte sich Ruedi Müller sicher für ein anderes Sonntagsprogramm entschieden. Aber so blieb wenigstens viel Zeit ohne Hektik und Stress. Wer wollte, konnte in der wunderschönen Region eines der zahlreichen Freizeitangebote nutzen. Auch wir als Fotografen hatten keinen Stress, ausser, zwischen dem dichten Verkehr auf der Hauptstrasse zwischen all den ’normalen‘ Autos, Fussgängern, Fahrrädern und Motorrädern genau den Zeitpunkt zu erwischen, wo nur der Oldtimer auf dem Bild ist. Gut, es gelang schon ab und zu, aber sehr oft hat auch ein anderer Verkehrsteilnehmer das Bild verunmöglicht.

O-iO, Oldtimer in Obwalden, Sonntag 24. Mai 2026, Sarnen und Brienz. Das hasst jeder Fotograf, wenn man an einer Strasse im normalen Verkehr fotografiert.
Zugelassen für die Teilnahme am O-iO sind Fahrzeuge, die nach Gesetz den Oldtimerstatus haben, also mindestens 30 Jahre alt sind. Ob es sich um einen Sportwagen, Traktor oder Lastwagen handelt ist egal, es ist alles willkommen. So war die Vielfalt auch dieses Jahr sehr gross. Früh anmelden ist ein guter Rat, denn die begehrten Startplätze sind jeweils schnell vergeben und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben 😉 Wie erwähnt kann man am O-iO immer besonders viele Vorkriegsfahrzeuge bewundern. Auch wenn diese Fahrzeuge nicht mehr so beliebt sind wie früher, es ist trotzdem imposant wenn die Fahrzeuge sieht, die gegen 100 Jahre alt sind. Neben vielen ‚Brot und Butter-Autos‘ gab es auch dieses Jahr wieder viele ausgesprochene Raritäten, wie beispielsweise der Ferrari 340 America aus dem Jahr 1950 von Louis Frey. Einer der seltensten Ferrari, die noch existieren. Das Fahrzeug wurde neu an einen Unternehmer im aargauischen Muri verkauft. 1969 übernahm der Garagist Louis Frey sen., ebenfalls aus Muri, das Fahrzeug, das nach dessen Tod vor einigen Jahren in den Besitz seines Sohnes überging. Louis nimmt mit seinem Ferrari auch an diversen Bergrennen teil, er zeigt sein wertvolles Fahrzeug so, wie man es zeigen muss. Ein Auto soll kein Museumsstück sein, es muss bewegt und gezeigt werden, denn dafür wurde es auch gebaut. Eine weitere grosse Rarität konnte man bei den Motorrädern bewundern. Jo Kaufmann brachte seine imposante Münch Mammut nach Sarnen, ein zu Beginn der 70er-Jahre von Friedel Münch in Deutschland gebautes Superbike. Als Motor wurde der 1200-Motor vom NSU TTS verwendet, was dem Motorrad zu enormen Fahrleistungen verhalf. Wir spielten in der Schulzeit Quartett, natürlich mit Autos und Motorrädern. Das Quartett gibt es noch immer, so wie Jo’s Münch Mammut, die zur Zeit einzige zugelassene Maschine in der Schweiz. Wirklich ein Traum auf zwei Rädern.

O-iO, Oldtimer in Obwalden, Sarnen und Hotel Paxmontana, Samstag, 23. Mai 2026. Die beeindruckende Münch Mammut TTS von Jo Kaufmann (ganz rechts) daneben seine beiden Brüder Kurt und in der Mitte Georg.
Das O-iO 2026 war wieder ein erlebnisreiches Wochenende für gross und klein, denn als Nebenschauplatz gab es auch ein Seifenkistenrennen für die, die noch keinen Führerschein haben. Wir können wirklich jedem empfehlen, am O-iO teilzunehmen, wenn auch nur als Besucher, denn so etwas bekommt man wirklich selten zu sehen. Vielen Dank Ruedi, Ruth und dem ganzen Helferteam, ihr habe wieder Grossartiges geleistet, das noch lange in Erinnerung bleiben wird. Weitere Informationen gibt es wie immer auf der Webseite des Veranstalters.
Noch etwas zur Gastronomie in Sarnen. Es dürfte wohl jedem Restaurantbetreiber klar sein, dass an einem O-iO bei schönem Wetter mit sehr vielen Gästen zu rechnen ist. Schon vor 2 Jahren jammerte man uns in der Krone vor, dass man zu wenig Personal hätte, um alle Gäste bedienen zu können. Die Tische blieben leer, sicher nicht umsatzfördernd. Dieses Jahr fragten wir im Aiola, ob wir für 12.00 Uhr einen Tisch für 4 Personen reservieren können. Das gehe leider nicht, es sei sowieso alles voll. Ich ging kurz vor 11.30 Uhr ins Aiola, alles war besetzt, ausser 2 grosse Tische, gedeckt, aber niemand sass dort. Ich nahm drinnen Platz und wartete. Dann wurde draussen ein Vierertisch frei und wir wollten uns setzen. Daneben wurde gleich noch ein Tisch frei. Die Kellnerin schickte uns wieder weg und sagte, die Tische seien reserviert. Erstaunt fragten wir, weshalb WIR nicht reservieren konnten. Die billige Antwort, diese Tische seien per Email reserviert worden. In der Metzgern bestellte eine Bekannte von uns ein 3er Mineral mit Kohlensäure. Verlangt wurden CHF 6.50!!! Nach einer freundlichen Reklamation wurde der Preis dann auf CHF 4.00 reduziert, was für ein simples Glas Mineralwasser immer noch kein Schnäppchen ist. Das Wochenende mit so vielen Gästen für gute Umsätze zu nutzen ist sicher nicht verboten, aber bitte mit Vernunft und Anstand. Da sollten sich einige Wirte wieder einmal mit dem Wort Gasthaus und Gastfreundschaft etwas intensiver auseinandersetzen. Es ist schade, wenn an so einem tollen und perfekt organisierten Anlass wie dem O-iO, einem die Freude von gewissen Restaurants etwas versalzen wird. Das oben Erwähnte soll nicht als Lästerei verstanden werden, wir sehen das eher als konstruktive Kritik in der Hoffnung, dass solche Erlebnisse der Vergangenheit angehören. Das hat natürlich mit dem O-iO als Event nichts zu tun, das sind Begleiterscheinungen, die es leider gibt.
Fredi Vollenweider, Cécile und Hans-Peter Stindt, 26. Mai 2026
Samstag, Galerie 1
Sonntag, Galerie 1
Samstag, Galerie 2
Sonntag, Galerie 2


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