Über Markentreffen berichten wir in der Regel nicht, aber es gibt Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen fand am Sonntag, 14. Juni 2026 auf dem Flugplatz Birrfeld statt. Wir bekamen eine Anfrage vom Packardclub Schweiz für den Besuch eines ganz besonderen Treffens von Feuerwehr Oldtimern eben der Marke Packard. Das tönte doch ganz verlockend und ins Birrfeld ist es auch nicht weit. Gemeldet waren 12 Feuerwehrfahrzeuge, gekommen sind immerhin 9. Zu den roten Fahrzeugen gesellten sich nochmals 14 zivile Packards der unterschiedlichsten Art. Packard war ein Premium-Hersteller und baute vorwiegend grosse und hochwertig verarbeitete Luxusautos für die Oberschicht. Gegründet wurde der US-Amerikanische Automobilhersteller von den Brüdern James Ward Packard und William Doud Packard sowie George L. Weiss 1899 als Ohio Automobile Company mit Sitz in Warren (Ohio). 1903 wurde das Unternehmen dann in Packard Motor Car Company umbenannt. Im Jahr 1904 wurde der Unternehmenssitz nach Detroit (Michigan) verlegt. Packards erfreuten sich grosser Beliebtheit bei wohlhabenden Kunden, Staatsoberhäuptern – und auch Gangsterbossen. Packard war bei einigen Innovationen im Automobilbereich Vorreiter, so verfügte der 1899 gebaute Packard Model A als erstes Automobil der Welt über eine H-Kulissenschaltung. Als eines der ersten Autos der Welt wurde das Model C von 1901 mit einem Lenkrad statt einem Lenkhebel ausgestattet. Innovativ war Packard nicht nur im Autobau, sondern auch in der Ausbildung seiner Mechaniker: 1903 gründete die Firma die erste Schule für Mechaniker, die später mit einer Fachbibliothek erweitert wurde. Auch der erste serienmässige V12-Motor ist bei Packard zu finden: Ab 1915 eroberten die 12-Zylinder die Strassen. In den 1930er-Jahren waren die Packards zusammen mit Cadillac wohl die besten Automobile, die man finden konnte. Das sind wohl auch Gründe, weshalb man auch bei der Feuerwehr auf diese zuverlässigen und robusten Fahrzeuge setzte. Nach dem Krieg konnte man die schon etwas altertümlichen und konservativen Fahrzeuge günstig kaufen, denn als Limousine oder Cabriolet hatten sie ausgedient und in der Wirtschaftswunderzeit wollte man mit der Zeit gehen, da gehörte auch ein modernes Fahrzeug dazu. So kamen viele Fahrzeuge, auch anderer Marken, zu einem zweiten Leben.

Treffen von Packard Oldtimer-Feuerwehrfahrzeugen auf dem Flugplatz Birrfeld, Sonntag, 14. Juni 2026. Vorne ein Packard aus dem Jah 1928 der Gemeinde Safenwil. Das Fahrzeug wurde kurz nach dem Krieg für rund CHF 2’400.00 gekauft und 1949 von der Carrosserie Jakob Hauser AG in Zofingen zum Feuerwehrauto umgebaut. Die Umbaukosten beliefen sich auf knapp CHF 17’500. Im Einsatz war der Packard bis 1964.
Die Firma Packard bestand bis gegen Ende der 50er-Jahre, der letzte «echte» Packard kam 1955 auf den Markt: Er verfügte über einen modernen V8-Motor und eine innovative Drehstabfederung. Ein Jahr später kam eine Automatikbedienung per Knopfdruck sowie eine eigene Servolenkung. Ebenfalls 1956 verbuchte Studebaker-Packard für sich das erste Sperrdifferential in einem Serienauto und verfügte auch über einen der stärksten Serienmotoren. Ebenfalls 1956 übernahm der Rüstungskonzern Curtiss-Wright den Automobilhersteller und schloss die Produktion in Detroit. Die produzierten Modelle wurden zu Varianten des Studebaker President und Hawk. Die Produktion wurde aufgrund des rückläufigen Absatzes schliesslich 1958 eingestellt. 1962 verschwand der Namensteil «Packard» aus dem Firmennamen. Mehrere Versuche, die Marke wiederzubeleben, sind bislang gescheitert. Ungeachtet dessen leben Packards in den Händen begeisterter Liebhaber weiter und bereichern das Strassenbild mit wunderschönen, edlen Karossen. Der Packardclub Schweiz wurde 1993 gegründet. Gegenwärtig zähl er rund 40 Mitglieder, alles Leute welche ihre Wagen mit grossem Enthusiasmus pflegen, erhalten und natürlich auch fahren. Der Packardclub Schweiz ist dem amerikanischen „Mutterclub“ Packard Automobile Classics. Inc. als sog. Overseasregion angeschlossen, aber trotzdem völlig unabhängig. Da waren wir also gespannt, was uns im Birrfeld erwartet. Ab 10.00 Uhr trafen die gemeldeten Fahrzeuge ein und wurden auf dem Parkplatz aufgereiht, eine Reihe für die Feuerwehrautos, die andere für die zivilen Fahrzeuge. Nach und nach füllte sich der Parkplatz, am Schluss waren es wie erwähnt 9 Feuerwehrfahrzeuge, die in der Sonne glänzten.

Treffen von Packard Oldtimer-Feuerwehrfahrzeugen auf dem Flugplatz Birrfeld, Sonntag, 14. Juni 2026. Bei Traumwetter standen die 9 Feuerwehrfahrzeuge auf dem Parkplatz.
Bei der Einfahrt auf das Flugplatzgelände staunten viele Zuschauer, wie leise diese Packards sind. Der ( Zylinder-Reihenmotor mit 6,3 Litern Hubraum läuft mit niedrigen Drehzahlen und es ist wirklich erstaunlich, dass selbst moderne Elektrofahrzeuge lauter sind. Imposant, elegant und eindrücklich waren auch die 14 zivilen Packards, einer davon wurde vor Jahrzehnten ebenfalls zum Feuerwehrfahrzeug umgebaut und nach der Ausmusterung wieder in eine geschlossene Limousine zurückgebaut. Natürlich ein riesiger Aufwand, der sich aber gelohnt hat, der imposante Packard steht heute sicher schöner da, als damals bei der Auslieferung als Neuwagen. Schon fast Kunstwerke sind die vielen verschiedenen Kühlerfiguren, Schriftzüge und Embleme. Besonders aufgefallen ist ein Modell mit eigenartigen Scheinwerfern, nicht rund, sondern schmal und hoch mit einer Chromkappe. Die in Kalifornien ansässige Firma stellte diese Woodlite-Scheinwerfer her. Wem damals ein schon teures Fahrzeug noch zu wenig exklusiv war, konnte sich dieses teure Extra leisten. Auch heute noch zahlt man für ein Paar dieser Scheinwerfer mehrere tausend Franken.

Treffen von Packard Oldtimer-Feuerwehrfahrzeugen auf dem Flugplatz Birrfeld, Sonntag, 14. Juni 2026. Dieser Packard startete sein Autoleben als Limousine, wurde später zum Feuerwehrfahrzeug umgebaut und ist heute nach der Restaurierung wieder im ursprünglichen Zustand.
Die Teilnehmer genossen einen schönen Tag bei besten Bedingungen, wir machten uns auf zum nächsten Event, dem Older Classics in Kemptthal. Unser Dank gilt Hans-Ruedi Wyss und seinen Helfern, der diesen Event organisierte. Er hätte gerne noch ein paar weitere Feuerwehr-Fahrzeuge dabei gehabt, aber es sei schwierig, vor allem mit Fahrzeugen, die noch im Besitz von Kommunen sind. Da sei jeweils niemand so richtig zuständig und so bleiben die schönen Fahrzeuge in der Garage stehen. Trotzdem eine coole Sache und wer auch einmal Fahrzeuge der Marke Packard live sehen will hat dazu Gelegenheit vom 25. – 28. Juni 2026, denn dann findet in der Region Arbon / Bodensee das 15. Euro Packard Meeting Switzerland statt. Alle weiteren Infos gibt es auf der umfangreichen Webseite des Packardclub Switzerland.
Fredi Vollenweider, 14. Juni 2026

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