Grand Basel, 6. bis 9. September 2018 (CH)

Vor einigen Wochen bemerkte man da und dort ein Bild eines verhüllten Autos, das erstmals seit seiner Entstehung der Öffentlichkeit gezeigt werden soll. Im Zusammenhang mit diesem Bild las man ‘Grand Basel’. Lange kümmerte man sich nicht um diese Meldung und wir konnten uns auch nichts Konkretes unter diesem Begriff vorstellen. Dann kamen immer mehr Meldungen und man begann zu realisieren, dass die ‘Grand Basel’ wohl eine Oldtimermesse oder Ausstellung sein soll. Eine Konsultation der Website brachte dann Klarheit. Eine Präsentation ausgewählter Fahrzeuge wurde in der Messe Basel angekündigt. Es handelt sich dabei um einen Event der MCH Group, also der Messe Schweiz. Diese Eigenmesse liess das Interesse dann doch gross werden und ein Besuch wurde unumgänglich. Wir entschieden uns für den Samstag 8. September, denn aufgrund der Bilder wusste man, dass das ganze Ambiente etwas steril wirkte und die Autos wie aufgebahrt dastanden. Da konnten Besucher, also Menschen, etwas zu Belebung der Szene beitragen. Unter die Freude mischte sich dann auch eine gewisse Skepsis, denn man realisierte schnell, dass es sich bei der ‘Grand Basel’ auch um Geld drehte, sehr viel Geld. So reisten wir also mit etwas gemischten Gefühlen nach Basel und wurden vor dem Eingang von einigen Dutzend Personen mit Fahrrädern und Transparenten in Empfang genommen. Das war natürlich nicht Teil der Messe, im Gegenteil, denn auf einem der Plakate stand in grossen gelben Lettern ‘EURE MESSE STINKT ZUM HIMMEL’

Grand Basel 2018. Demo vor dem Eingang

Grand Basel 2018. Demo vor dem Eingang

Damit die ungebetenen Gäste auch draussen blieben, wurden ein paar Security-Mitarbeiter zusätzlich an den Eingangstüren platziert. Ob nötig oder unnötig wissen wir nicht, aber keiner der Demonstranten hätte wohl den happigen Eintrittspreis von CHF 45.– bezahlt. Die Demo war aber friedlich und löste sich im Laufe des Nachmittags auf. Nachdem die Akkreditierung zu Hause am Computer doch etwas aufwendiger war als üblich, gab es beim Welcome-Desk nochmals Komplikationen, unsere Codes funktionierten nicht. Aber nach einigen Minunten klappte es dann doch und wir waren in der Halle, wo uns als erstes Exponat das eingangs erwähnte verhüllte Fahrzeug in leuchtendem Blau entgegenblickte. Es war natürlich nicht mehr verhüllt, eckig und kantig stand das Ding da. Es ist auch kein fahrbereites Fahrzeug sondern eine Studie des italienischen Architekten und Industriedesigners Gio Ponti, das als 1:1 Mock-up erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Linea Diamante nennt sich der Wagen und hat eben wie ein Diamant Ecken und Kanten. Ob das Fahrzeug als Serienmodell Erfolg gehabt hätte? Es darf bezweifelt werden. Die Demonstranten vor der Tür brachten einen Fahrradanhänger in Form eines Autos mit und man kann durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Gio Ponti Linea Diamante erkennen. Informationen zum Fahrzeug und der Entstehungsgeschichte kann man hier nachlesen

Gio Ponti Linea Diamante 1953, an der Grand Basel 2018 erstmals der Öffentlichkeit gezeigt

Gio Ponti Linea Diamante 1953, an der Grand Basel 2018 erstmals der Öffentlichkeit gezeigt

Dann betraten wir also die Messehalle und es war genau so, wie auf den Bildern, die wir die Tage zuvor vor allem auf den Social Medias immer wieder gesehen hatten. Sauber und aufgeräumt, klar und geometrisch genau angeordnet standen die hell beleuchteten Stände in Reih und Glied in den Hallen und man stellte sehr schnell fest, dass mehr Automobil da ist als man erwartet hatte. Auch unsere anfängliche Skepsis war weg und es war wirklich ein Genuss, die Autos betrachten zu können. Sehr gut war übrigens, dass man alle Fahrzeuge aus allernächster Nähe betrachten konnte. Es gab als seitliche Abschrankungen lediglich niedrige Glasscheiben, man konnte aber jeweils seitlich jedes Ausstellungsmodul betreten. Einziger Nachteil für uns Fotografen waren die oberen Kanten der Scheiben, die sich auf einigen Bildern durch schwarze Linien zeigen.

Über Grand Basel
Grand Basel ist die ultimative Show für automobile Meisterstücke. Mit einer Auswahl an Spitzenfahrzeugen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist Grand Basel die einzige Show, die das Auto im kulturellen Kontext von Kunst, Design, Architektur und Lifestyle präsentiert. Grand Basel richtet sich an ein anspruchsvolles Publikum aus Sammlern, Restaurierungs- und Konservierungsexperten, Händlern, Herstellern und Kennern und bietet diesen eine globale Plattform für den Austausch. Hinter der Show steht die MCH Group, ein international führendes Live-Marketing-Unternehmen mit Sitz in Basel, das unter anderem auch für die Art Basel verantwortlich zeichnet. Nach der Premiere in Basel im September 2018 sind weitere Shows in Miami und Hong Kong geplant.

Für Schrauber ist die Grand Basel wohl eher nicht gedacht, angesprochen wird ein solventes Publikum und sicher auch Investoren, hört man doch immer wieder, dass Investitionen in hochkarätige klassische Fahrzeuge lukrativer seien als ein Engagement in Aktien, wie nachhaltig dieser Trend ist wird die Zukunft zeigen. Jedenfalls drehte es sich an der Grand Basel nicht um das ‘rostigste Hobby der Welt’, denn Rost war wirklich ein Fremdwort, mit einer Ausnahme, wie man am Bild unten klar erkennen kann. Es handelt sich um den ausgestellten Fiat Panda.

Grand Basel 2018. Der doch schon sehr mitgenommene Fiat Panda

Grand Basel 2018. Der doch schon sehr mitgenommene Fiat Panda

Insgesamt wurden 113 Fahrzeuge gezeigt, etwa 20 davon wurden auch zum Kauf angeboten, allerdings ohne Preisangabe. Dass Diskretion in diesen Kreisen angebracht ist versteht sich von selbst. Man redete trotzdem über Preise, aber eher über die Kosten für einen Ausstellungsplatz. So mussten für die 4 Tage vom Besitzer die stolze Summe von CHF 25’000.– aufgewendet werden, um ein einziges Fahrzeug zu zeigen. Für Händler und Hersteller waren die Summen noch wesentlich höher. Ein Händler kann natürlich die finanziellen Aufwendungen zum schon hohen Verkaufspreis dazurechnen, ob das edle Stück aber durch die Präsentation an der Grand Basel einen Wertzuwachs erfährt ist nicht anzunehmen. Neben den Fahrzeugen gab es eine Anzahl Verkaufsstände mit den unterschiedlichsten Produkten. Ein Stand oben in der Lounge des Taschen Verlags bot ein Ferrari-Buch von Pino Allievi an. Das Buch in edelster Aufmachung gibt es in 3 Ausführungen. Die teuerste Variante mit handgenähtem Ledereinband, präsentiert in einer Aluminium-Box mit rot lackierten ‘Ventildeckeln’ und auf einem Ständer aus ‘Auspuffrohren’, kostet soviel wie ein gut ausgestatteter Neuwagen der Kompaktklasse, nämlich 25’000 Euro. Dafür ist das edle Buch in der ‘Art Edition’ auf 250 Exemplare limitiert.

Grand Basel 2018. Eine originelle Art, ein Buch zu verpacken. Die aufklappbare Box beinhaltet ein exklusives und limitiertes Ferrari-Buch. Stückpreis 25'000 Euro

Grand Basel 2018. Eine originelle Art, ein Buch zu verpacken. Die aufklappbare Box beinhaltet ein exklusives und limitiertes Ferrari-Buch. Stückpreis 25’000 Euro

Auch dieses Beispiel zeigt, dass es an der Ausstellung um viel Geld geht und nicht nur Liebhaber exklusiver und teurer Autos anspricht. Die Grand Basel ist eine Kunstausstellung, die auch mit Gemälden oder chinesischer Keramik hätte durchgeführt werden können, das Publikum wäre vielleicht gar nicht mal so unterschiedlich gewesen. Die Absicht und der Sinn der Grand Basel erschliesst sich uns deshalb noch immer nicht wirklich und es bleiben einige Fragezeichen. Unbestritten perfekt in der Ausführung und der ganzen Erscheinung fragt man sich bezüglich Wirtschaftlichkeit, denn aus Sicht der MCH Group als börsenkotiertes Unternehmen muss diese ja irgendwie gegeben sein. Gemäss Veranstalter besuchten während den 4 Tagen rund 12’000 Besucher die Grand Basel. Ob damit die Ziele erreicht wurden entzieht sich unserer Kenntnis, aber für eine so gross aufgemachte Messe hätten wir deutlich mehr erwartet. Es wird sich zeigen, was die nächsten beiden Durchführungen in Miami und Hong Kong bringen werden. 

Wir haben bisher wenig über die ausgestellten Fahrzeuge geschrieben und wir tun dies auch nicht und lassen unsere Bilder sprechen. Auf der Website der Grand Basel werden alle Fahrzeuge detailliert mit vielen Bildern beschrieben. Sehr gut gemacht und informativ, somit verweisen wir auf die Website der Grand Basel

Bei den Recherchen zu diesem Artikel sind wir auf die Zulassungskriterien gestossen. Als Aussteller muss man sich bewerben und ein Gremium entscheidet dann, ob ein Fahrzeug ausgestellt wird oder eben nicht. Als Kriterien werden genannt:

  • kulturelle Bedeutung
  • Designqualität
  • herusragende Eigenschaften
  • einzigartige Geschichte
  • begrenzte Verfügbarkeit
  • Marktwert

Weiter kann man lesen, dass historische Modelle in einwandfrei erhaltenem Originalzustand gegenüber vollständig oder teilweise restaurierten Fahrzeugen bevorzugt werden. ‘Derelict’-Oldtimer werden zugelassen, sofern sie sich ohne Einschränkungen in fahrbereitem Zustand befinden. Abgesehen vom Panda ist uns ein Fahrzeug in eben dem erwähnten Originalzustand aufgefallen, es ist der Serenissima-Maserati Tipo 63 von 1961, der seine Vergangenheit als Rennfahrzeug stolz zeigt.

Grand Basel 2018. Serenissima-Maserati Tipo 63 'Birdcage' von 1961 im Originalzustand

Grand Basel 2018. Serenissima-Maserati Tipo 63 ‘Birdcage’ von 1961 im Originalzustand

Alle anderen Fahrzeuge waren mit Ausnahme der Neufahrzeuge mit viel Aufwand restauriert worden. Schade, denn es gibt sie ja, die perfekt erhaltenen Oldtimer, wie der Maserati 3500 GT Touring, der vor 2 Wochen am ZCCA in Zürich ausgezeichnet wurde. Aber wie gesagt, die exorbitant hohen Kosten verhindern sicher eine breitere Vielfalt und schlussendlich muss das gezeigt werden, was angemeldet wurde und den Kriterien der Kuratoren entspricht. Unter diesem Aspekt stieg unsere Skepsis wieder an, vor allem auch wenn man das eine gelbe Modul mit einem 3 cm langen Auto sieht, das mit einer aufgehängten Lupe betrachtet werden konnte. Wie die 2. Grand Basel wohl aussehen wird? Alle Infos zur Grand Basel gibt es auf der Seite des Veranstalters

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