GP Ice Race 2019, Zell am See (AT)

 

 

Der Motorsport ist zurück in Zell am See. Mit diesem Slogan warb man für den Motorsportevent der Extraklasse, der am 19. und 20. Januar in Zell am See stattfand. Schnell stellte man fest, dass da etwas Grosses zu erwarten war, was dann auch für uns einen Besuch unumgänglich machte, trotz Terminkollisionen. Der Veranstalter schreibt in einer Pressemeldung vom 14. Januar:

Zell am See/Österreich, 14. Januar 2019 – Das GP Ice Race in Zell am See (19. und 20. Januar 2019) präsentiert eine beindruckende Bandbreite von historischen und aktuellen Renn- und Rallyefahrzeugen, wie sie in dieser Vielfalt noch nie an einem Ort versammelt waren. Motorsport-Fans bietet dieses beispiellose Spektakel neben dem traditionellen Skijöring, bei dem Skiläufer von einem Auto gezogen werden, auch Motorsport-Action in vier Kategorien für Rennfahrzeuge sowie aktuelle Renn-/Rallyeautos. Die Nennliste ist mit rund 130 Teilnehmern genauso ausgebucht wie die Hotels am Veranstaltungsort in Zell am See. Derzeit sind die Wetterbedingungen ideal, die Anfahrt problemlos möglich, und die Eis-Piste ist im Top-Zustand.

„Wir sind von der Resonanz auf unsere erste Veranstaltung schlichtweg überwältigt. Als wir die Idee hatten, das von 1937 bis 1974 veranstaltete Eisrennen in Zell am See mit einem neuen Konzept wiederzubeleben, haben wir uns dieses Teilnehmerinteresse nicht träumen lassen. Niemals zuvor wurden an einem Ort legendäre Renn- und Rallye-Autos in dieser Anzahl und Qualität versammelt“, freut sich Ferdinand Porsche aus Zell am See, zusammen mit dem Nürnberger Vinzenz Greger Initiator der Veranstaltung und Mitbegründer von Greger Porsche Classic Cars.

Die Bandbreite der vertretenen Fahrzeuge reicht von den 1930er Jahren bis hin zur Neuzeit. Audi bietet eine beeindruckende Zeitreise von 1938 bis in die Zukunft. Ein Bergrennwagen Auto Union Typ C wird präsentiert von Hans-Joachim Stuck und ist Bestandteil einer historischen Fahrzeugausstellung. Stuck dreht darüber hinaus einige Runden in einem Austro Daimler ADR 6 Sport Torpedo von 1929, der ursprünglich seinem Vater Hans gehörte. Das spektakulärste Rallyeauto aller Zeiten, der Audi Sport Quattro S1, wird vom zweimaligen Rallye-Weltmeister Walter Röhrl gefahren, der außerdem zusätzlich in einem Porsche unterwegs ist. Der 2017er DTM-Champion René Rast präsentiert seinen Audi RS5 DTM. Und Formel E-Pilot Daniel Abt fährt das Weltmeister-Auto Audi e-tron FE04 auf dem Eis.

GP Ice Race Zell am See 2019

Bild von GP Ice Race zur Verfügung gestellt. Links der berühmte ‘Fetzenflieger’ von Otto Mathé

Also ein absolutes Muss, über diesen Event zu berichten, der von 1937 bis 1973 jeweils für viel Spektakel sorgte. Wir fuhren also am Freitagmorgen los und erreichten am späteren Nachmittag Zell am See. Zu unserer Linken sah man den See und die Lichter der gegenüberliegenden Häuser spiegelten sich friedlich im Wasser. Da stimmt doch was nicht. Ohne uns vorher genauer zu informieren sind wir davon ausgegangen, dass der Event auf dem gefrorenen See wie damals stattfindet. Leider nein, der See friert schon seit vielen Jahren nicht mehr zu. Zell am See liegt nur auf 750 Metern Meereshöhe und dass es in den letzten Jahren insgesamt wärmer wurde ist kein Geheimnis. Hier über die Ursachen zu schreiben liegt uns fern. Also war klar, der GP Ice Race musste an einem anderen Ort ausgetragen werden. Nach der Entgegennahme der Presseausweise erklärte man uns, dass die Eispiste auf dem Gelände des alten Flugplatzes mit viel Aufwand angelegt wurde. Wir nahmen noch am Freitagabend einen ersten Augenschein und trafen noch etliche Fahrzeuge und Teilnehmer im Fahrerlager an. Viele Fahrzeuge waren aber schon in den Zelten geparkt oder noch im Anhänger, denn am Samstag wurde erst um 14.00 zu den ersten Qualifikationsläufen gestartet. Der eine oder andere ist deshalb wohl auch erst am Samstag angereist. Das Fahrerlager bietet seitens des Veranstalters keine Infrastruktur, da muss jeder selber mitbringen, was er will. Soweit kein Problem, aber es standen dann halt Teilnehmerfahrzeuge, Anhänger und Zugfahrzeuge durcheinander. Dafür erlebten wir, wie ein G-Modell von Mercedes im Tiefschnee versenkt wurde und nur mit viel Mühe wieder flott gemacht werden konnte. Daneben stand ein Porsche 356 im Originalzustand mit viel Patina und beim betrachten des Bildes hat man den Eindruck, als würde er still und leise lächeln.

Porsche 356 am GP Ice Race in Zell am See

Der Porsche 356 scheint sich zu amüsieren über die Szene im Hintergrund

Am Samstag wurde das Gelände um 11.00 Uhr für die Besucher und Zuschauer geöffnet. Bevor der Anlass eigentlich begann, fanden Film und Fotoaufnahmen auf der Strecke statt und es gab Demonstrationen mit Karts. Wie erwähnt begann das eigentliche GP Ice Race dann um 14.00 Uhr mit den Qualifikationsrunden der ersten Teilnehmer. Es mussten immer zwei Runden gefahren werden, natürlich in möglichst kurzer Zeit, die schnellste Runde kam in der Wertung. Das dauerte bei 130 Teilnehmern natürlich eine gewisse Zeit. Nachdem eine Gruppe fertig war, fand für die 4 Schnellsten die Finalrunde statt, wo wiederum der Schnellste als Sieger hervorging. Interessant war zu beobachten, dass die meisten in der ersten Runde noch recht verhalten ans Werk gingen, aber schnell mehr Mut hatten und auch mehr risikierten, manchmal eben zu viel, was einen Dreher oder ‘Einstecker’ in die Schneemauer zur Folge hatte. Passiert ist dabei aber nie etwas, nicht einmal nennenswerter Materialschaden war zu beklagen. Dafür aber eine Riesengaudi für die tausenden von Zuschauern entlang der Strecke, die bei schönstem Winterwetter und angenehm frischen Temperaturen von um die minus 10 Grad das Geschehen miterlebten. Der späte Beginn am Samstag hatte natürlich einen Grund, den man aufgrund der vielen Scheinwerfer an der Strecke schnell erahnen konnte, es wurde bis spät in den Abend gefahren. Schluss war erst um 22.00 Uhr, aber nur mit Fahren, dann fand im Festzelt die Siegerehrung mit anschliessender musikalischer Unterhaltung statt. Das wurde vor allem von den vielen jungen Besucher geschätzt. Wir fuhren gegen Mitternacht zurück ins Hotel, denn am nächsten Tag ging für uns die Arbeit ja schon um 07.30 wieder los.

Karaoke-Abend am GP Ice Race in Zell am See

GP Ice Race 2019: Nach der Siegerehrung ging der Abend mit einer Karaoke-Einlage weiter, die Stimmung war super und die Vorfreude auf den Sonntag gross.

Während des GP Ice Race bzw. in den Pausen, gab es immer wieder Showeinlagen mit Karts, DTM-Fahrzeugen, einem NASCAR-Rennwagen mit 850 PS und Buggies, die besonders spektakulär anszusehen waren und eine Menge Schnee in Richtung Zuschauer schleuderten. Dann natürlich das berühmte Skijöring, das man vom Pferdesport her kennt. Schon in den Fünfzigerjahren aber liessen sich die wagemutigen Skifahrer hinter Renn- und Sportwagen über Schnee und Eis ziehen. In Zell am See wurde dieses Jahr etwas gezeigt, das es so noch nie zuvor gab. Ein moderner Formel E-Rennwagen zog auf der Eispiste einen Skifahrer hinter sich her, und das mit recht zügigem Tempo. Einzig die DTM Fahrzeuge bekundeten sichtlich Mühe, was aber nicht an den Fahrern sondern am für diese Fahrzeuge eher ungeeigneten Terrain lag. Der AMG GT rutschte in die Schneemauer und der Audi blieb einfach mangels Vortrieb stehen. Nach kurzer Zeit waren aber beide Fahrzeuge wieder flott und konnten aus eigener Kraft ins Fahrerlager zurückkehren. Neben vielen Fahrzeugen mit Geschichte waren auch viele Prominente und Motorsportgrößen wie Walter Röhrl, Hans-Joachim Stuck, der ehemalige Formel 1-Pilot Mark Webber und Dr. Wolfgang Porsche (Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche AG) ließen sich das Spektakel ebenso nicht entgehen wie Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und Bernhard Maier, Vorstandsvorsitzender von Škoda Auto. Auch die Motorsportchefs der Marken Audi, Porsche, Škoda und Volkswagen sowie Kult-Schauspieler David Hasselhoff (Knight Rider, Baywatch) waren live vor Ort. Das wohl eigenartigste Auto, das schon früher in Zell am See startete, war der MA-01 Eigenbau von Otto Mathé. Ein mit VW-Komponenten und einem Porsche-Werksrennmotor gebauter Rennwagen, den man ‘Fetzenflieger’ nennt. Hier die Details zu diesem spektakulären Fahrzeug, das in Zell am See in Action zu sehen war.

Otto Mathé, Fetzenflieger

GP Ice Race 2019: Der von Otto Mathé gebaute Rennwagen MA 01, genannt ‘Fetzenflieger’ beim Skijöring.

Am Sonntag ging die Show bereits um 09.05h mit den ersten Qualifikationen los. Man war froh um ein zusätzliches T-Shirt, das Thermometer zeigte – 16 Grad. Aber so ist das im Winter in den Bergen. Wir hatten zur gleichen Jahreszeit in den vergangenen Jahren mehrmals das Arctic Lapland Rally in Rovaniemi im Norden Finnlands am Polarkreis besucht. Da war es locker nochmals 10 – 15 Grad kälter, uns schreckt also nicht so schnell etwas ab. Für die aufwendig gebaute Eisbahn waren die tiefen Temperaturen natürlich ideal, es gab zwar durch die Spikesreifen Fahrrinnen, aber die konnten ein paar Mal täglich mit wenig Aufwand geglättet werden. Über Zell lag am Sonntag eine durch den See verursachte Nebeldecke, aber im etwas südlicher gelegenen Ortsteil Schütttdorf, wo der Event stattfand, herrschte entgegen den Wetterprognosen eitel Sonnenschein und es stand einem weiteren Tag mit spannendem Motorsport vom Feinsten nichts im Weg. Nach den Qualifikationen und den Rennläufen der verschiedenen Klassen, fand gegen 16.30h der letzte Finallauf der Gruppe Rallye R5 statt und nach der anschliessenden Siegerehrung im Festzelt ging das erste GP Ice Race der Neuzeit erfolgreich zu Ende. Sehr viele Deutsche waren unter den Teilnehmern und Zuschauern. Aus schweizer Sicht kann man Positives berichten, Sepp Marty wurde in der Kategorie der Buggies Gesamtzweiter. Neben der Magnum-Bierflasche gab es zur Erinnerung noch eine dekorative Kuhglocke. Herzliche Gratulation an Sepp, sein Team und seine Familie.

Sepp Marty Autocross

GP Ice Race 2019. Sepp Marty (Mitte), Gewinner des Zweiten Platzes der Gesamtwertung in der Kategorie Buggy

Die Organisatoren haben hervorragende Arbeit geleistet, trotz den grossen Schneemassen, die je nach Standort die Sicht auf die Strecke teilweise etwas beeinträchtigten. Die Idee zum GP Ice Race hatten zwei junge Männer, Ferdinand Porsche, Urenkel des Volkswagen-Gründers mit gleichem Namen und Vinzenz Greger, Sohn der deutschen Rennfahrer-Legende Sepp Greger. Daher kommt auch das GP im Namen Ice Race, das eben für Greger und Porsche steht. Unterstützt wurde die Idee von der Ski- und Ferienregion Zell am See und natürlich der Firma Porsche, die eine schöne Auswahl an Fahrzeugen aus dem Werksmuseum präsentierten. Der Schweizer Rennfahrer Neel Jani durfte am Sonntagnachmittag Dr. Wolfgang Porsche in seinem privaten weissen Porsche 550 Spyder einige Male um den Kurs fahren, es scheint beiden sichtlich Spass gemacht zu haben. Ein wirklich toller, spannender und aussergewöhnlicher Anlass ging zu Ende und es bleibt die schöne Erinnerung und die Freude auf nächstes Jahr. Es wäre schön, wenn man das Schweizer Kreuz etwas mehr sehen würde, auf der Strecke wie auch unter den Besuchern und Zuschauern. Wir danken auch dem Motorsport-Club MSC Kitzbühel für seinen Einsatz, er stellte die Streckenposten und sorgten auch für die Sicherheit an der Strecke. Auch sie leisteten perfekte Arbeit, von der auch wir noch etwas profitieren konnten mit quasi einem Fotografen-Logenplatz beim Standort der Zielflagge. Danke Walter Schuen. So macht es wirklich Spass. Einen herzlichen Dank an alle und bis nächstes Jahr. Alle weiteren Informationen bekommt man auf der Website des Veranstalters.

Greger und Porsche Classic Cars

GP Ice Race 2019: Ein toller und spannender Event mit packendem Motorsport vom Feinsten.

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