Technorama Ulm, 4./5. Mai 2019 (DE)

Wofür ist Ulm weltbekannt? Klar, für das Ulmer Münster, auch Münster Unserer Lieben Frau in Ulm genannt. Die im gotischen Stil errichtete Kirche ist die grösste evangelische Kirche Deutschlands und der 1890 vollendete Turm ist der höchste Kirchturm der Welt, er ist 161,53 Meter hoch. Der Grundstein des Ulmer Münsters wurde 1377 gelegt. Wir sind aber nicht wegen des Münsters nach Ulm gefahren, nein, uns interessierte die seit 1979 stattfindende Technorama, die dieses Jahr am Wochenende vom 4. und 5. Mai stattfand. Neben Ulm fand die Technorama am 14. und 15. März in Kassel statt und am Wochenende vom 14. und 15. September ist Hildesheim Austragungsort.

Der Veranstalter schreibt zur 41. Technorama: Die Technorama Ulm steht für Oldtimer und Teile, Schrauber und Sammler, engagierte und kompetente Aussteller und Besucher mit einem großen Herz für Old- und Youngtimer.

850 internationale Aussteller sowie 25.000 Besucher aus ganz Europa treffen sich auf dieser traditionsreichen Oldtimerveranstaltung zum Erfahrungsaustausch unter Gleichgesinnten. Um die alten Fahrzeuge für die nächste Ausfahrt zu rüsten, findet sich ein großes Angebot im Freigelände und auf 20.000 qm Hallenfläche. Der gut sortierte Teile-Technik-Markt bietet restaurierte und unrestaurierte Auto- und Motorrad-Oldtimer, Ersatzteile, Restaurationsmaterial, Literatur, Modellen, Werkzeugen und Zubehör. Spiegel, Radio, Kupplung oder polierte Chromteile für die verschiedensten Marken und Typen – auf der Technorama findet man alles. Mit von der Partie sind auch die Vorkriegsschrauber und BMW-Experten Leicht und Kast. Zudem sind Spezialisten für die Marken Porsche, Isetta, Borgwart, Lloyd und Opel sowie für bestimmte Bereiche wie z. B. Vergaser, Oldtimerelektrik, vor Ort. Braucht man für die Restauration seines Traumautos auch viel Geduld, kann man als Ansporn ein Modellauto im Maßstab von 1:18 bis 1:87, aus Blech, Guss oder Plastik erstehen. Der Zweiradbereich ist mit zahlreichen Spezialisten, z. B. für DKW, NSU, Zündapp, Kreidler, Harley und Simson vertreten. Zum ersten Mal ist auch ein reiner Kawasaki-Z-Teilhändler dabei.

Auf dem Sammlerfahrzeugverkauf in der Donauhalle stehen 150 Fahrzeuge mit zwei oder vier Rädern zum Verkauf. Ob Sammlerstück oder Alltagsklassiker, immer wieder lässt sich Interessantes entdecken und der ein oder andere Oldtimerfan kann sich einen Jugendtraum erfüllen. Grundsätzlich ist die Verkaufsquote richtig hoch. Dieses Jahr hat sich ein Lamborghini-Spezialist mit mehreren Fahrzeugen angekündigt. Mit dabei sind auch ein Chevrolet Bj. 1930 und Motorräder von BMW.

Die Technorama bietet ihren Besuchern auch die Gelegenheit für Benzingespräche. Zahlreiche Markenclubs, Vereine und IGs präsentieren sich und ihre Aktivitäten wie z. B. die Z-Freunde Ulm/Neu-Ulm e.V., der VFF-Ulm (Veteranen-Fahrzeug-Freunde Ulm/Neu-Ulm e.V.) oder die Oldtimer Freunde Langenau e.V.. Man trifft alte Freunde und Bekannte und die Mitglieder stehen interessierten Besuchern mit fachlichem Rat zur Seite.

Dies gilt auch für die Halle 7, in der sich jedes Jahr die Traktor- und Schlepperfreunde treffen. Händler, Clubs und Freunde der historischen Landmaschinen versammeln sich zum gemütlichen Beisammensein. Beim Oldtimertreffen der Schlepper und Traktoren gibt es nicht nur freien Eintritt für den Fahrer sondern auch ein Vesper dazu. Das Flair der Technorama machen aber auch die unerwarteten Schätze der Aussteller aus.

Die Öffnungszeiten sind am Samstag von 9 – 18 Uhr und am Sonntag von 9 – 16 Uhr. Die Tageskarte kostet 12 Euro. Rund 3000 Parkplätze befinden sich am Messegelände, im weitläufigeren Bereich stehen weitere Parkplätze zur Verfügung. Am 4. Mai ist die Fahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr in Ulm zudem kostenlos! Der Kartenverkauf ist ab 7:00 Uhr geöffnet.

TECHNORAMA Ulm, 04. und 05. Mai 2019. Der Eingangsbereich

TECHNORAMA Ulm, 04. und 05. Mai 2019. Der Eingangsbereich

Die Technorama darf mit Sicherheit zu den ältesten Oldtimer-Messen gezählt werden, 1979 wurde die Technorama erstmals ausgetragen, da gab es viele der heutigen Old- und Youngtimer noch gar nicht. Wir können uns noch gut an die ersten Märkte in der Schweiz zu Beginn der Achtzigerjahre erinnern, als der heutige Oldtimer- und Teilemarkt in Fribourg noch in Burgdorf, später dann in Bern stattfand. Das waren noch richtige Schraubermärkte mit Unmengen an alten rostigen und öligen Teilen von wirklich alten Fahrzeugen. Oftmals fragte man sich, was das wohl sein mag und wer sowas noch gebrauchen könnte. Aber es war spannend und man entdeckte immer wieder Interessantes. Heute hat sich sehr viel verändert, für die effiziente Teilesuche gibt es das Internet und man kennt die einschlägigen Händler mit ihrem oftmals gut sortierten Angebot. Aber die ‘elektronischen Teilemärkte’ ersetzen die realen nicht, denn es geht auch um persönliche Kontakte und man stellt fest, dass auch im Jahr 2019 noch längst nicht jeder einen Computer, ein Smartphone und Internet hat. Und was man im Gegensatz zum Internet an Märkten hervorragend kann, ist über Preise zu verhandeln, denn dafür wurden die Märkte, nicht nur für uns Oldtimerfans, schliesslich erfunden.  Wir machten uns also auf den Weg nach Ulm. Schon ausserhalb der Stadt die ersten Wegweiser, die einem perfekt aufs Messegelände führten. 5 Euro Parkgebühr auf der Wiese unter einem Baum sind OK, vor allem, wenn der Parkplatz nur eine Minute Fussmarsch vom Haupteingang entfernt ist. Das Gelände hat längst nicht die Dimensionen von anderen Messen wie z.B. Stuttgart, aber darauf kommt es auch nicht an, es zählt, was der Besucher zu sehen bekommt. Erwartungen hatten wir diesbezüglich keine, wir erwarteten aber dennoch kein Stuttgart, Essen oder Paris. Wir verabredeten uns mit dem Veranstalter bei Tor 4, das sich auf der anderen Seite des Geländes befand. Wir gingen entlang des Zauns und bekamen bereits einen ersten Eindruck von der Art der TECHNORAMA und freuten uns bereits, bevor wir auf dem Areal waren. Da lagen auf der Wiese Teile von Autos, Motorrädern, landwirtschaftlichen Geräten und sonstige Maschinen, von denen wir keine Ahnung hatten. Das dürfte sicher schon vor 40 Jahren nicht anders gewesen sein. Nachdem wir den Stempel auf unserem Handrücken hatten, schauten wir uns um. Auf den ersten Blick fiel uns ein weisser Mercedes 300 SL auf, der neben ein paar anderen Mercedes stand. Da waren wir doch erstaunt und überrascht, gleichzeitig aber auch fragend, denn irgendwie mutete der Flügeltürer seltsam an. Bei genauerer Betrachtung war es denn tatsächlich so, dass die Fragezeichen schnell verflogen. Beim Flügeltürer handelte es sich um eine Replika auf modernen Basis, schon die Räder sprachen eindeutig dafür. Enttäuscht waren wir trotzdem nicht, eher belustigt.

TECHNORAMA Ulm, 04. und 05. Mai 2019. Ein Mercedes 300 SL, den man aber schnell als Replika enttarnte

TECHNORAMA Ulm, 04. und 05. Mai 2019. Ein Mercedes 300 SL, den man aber schnell als Replika enttarnte

Die Witterung und der dunkle Himmel veranlassten uns, zuerst das grosse Freigelände zu besichtigen, denn es musste jeden Moment mit Regen gerechnet werden. Die Taktik ging einigermassen auf, allerdings kam der Regen und auch Schnee früher als gedacht. Da konnten einem die Händler im Freien wirklich leid tun, einerseits hatten sie mit den widrigen Wetterverhältnissen zu kämpfen, andererseits suchten die meisten Besucher die Hallen auf. Zum Glück gab es aber immer wieder trockene Abschnitte, aber die Kälte blieb. Schnell stellten wir fest, dass die TECHNORAMA vor allem bei der Zweiradfraktion beliebt ist, denn sicher 80% der Händler boten neben Antiquitäten und sonstigem Hausrat Teile und Zubehör für Motorräder an. Und vor allem bei den Teilen dominierte die Farbe rotbraun und der nicht mehr ganz so aktuelle Ausdruck ‘das rostigste Hobby der Welt’ hat in Ulm noch immer seine Gültigkeit. Eigentlich ganz sympathisch und ein willkommener Gegenpol zu den Hochglanzmessen mit Teppichböden und Besuchern in Anzug und Kravatte. Wenn man gerne riesige Mengen von überrestaurierten 911er Porsche und Mercedes 300 SL sehen will, muss man nicht an die TECHNORAMA nach Ulm fahren, da ist die RETRO CLASSICS in Stuttgart eindeutig die bessere Wahl. Wenn man aber die Basis und die Ursprünge des Oldtimerhobbys sehen und vor allem erleben möchte, ist man in Ulm goldrichtig, es kommt einem fast vor wie eine Zeitreise. Da sieht man noch richtig wilde Typen, bei deren Anblick man vermuten kann, dass die von Computern und Internet wirklich keine Ahnung haben. Da geht man eben lieber an einen Markt um bei ein paar Bier zusammenzusitzen, zu feilschen und zu handeln. Schade war wirklich das miese Wetter, die vielen Stühle und Bänke im Freien blieben meist leer, bei Sonnenschein wäre die Stimmung sicher einmalig gewesen. So aber hielt man sich vorwiegend in einer der 8 Hallen auf wie die meisten der über 25’000 Besucher, die an diesem Wochenende die TECHNORAMA in Ulm besuchten.

TECHNORAMA Ulm, 04. und 05. Mai 2019. Eine französische Monet-Goyon VELAUTO von 1920 in unberührtem Originalzustand. Das Fahrzeug ist zu verkaufen, bei Interesse stellen wir gerne den Kontakt her.

TECHNORAMA Ulm, 04. und 05. Mai 2019. Eine französische Monet-Goyon VELAUTO von 1920 in unberührtem Originalzustand. Das Fahrzeug ist zu verkaufen, bei Interesse stellen wir gerne den Kontakt her.

In der Donauhalle, eigentlich eine Sporthalle, wurden in gepflegtem Ambiente Autos ausgestellt und angeboten. Hochpreisklassiker waren nicht dabei, aber durchwegs gepflegte Klassiker des unteren und mittleren Preissegments. Natürlich gab es auch zahlreiche Händler mit Modellautos, Bekleidung und Zubehör. Im Gegensatz zu anderen Messen stört das aber in Ulm nicht, im Gegenteil, es gehört dazu. Die Händler im Freigelände, die ihre Teile neben den Hallen auf Asphaltboden anbieten konnten, hatten es noch einigermassen gut, viele hatten auch Zelte dabei. Anders sah das im hinteren Teil des Geländes, durch das ein Bach fliesst, aus. Nach den Regengüssen war der Untergrund schnell morastig, das schien aber weder die Händler noch Besucher sonderlich zu beeindrucken und man hatte bei einigen sogar das Gefühl, dass sie über die automatische ‘Teilereinigung’ nicht unglücklich waren. Auf dem Messegelände gab es viele Verpflegungsmöglichkeiten, doch eine lange Warteschlange schreckte uns anfänglich ab, aber schon nach wenigen Minuten hatten wir unser Bier mit Currywurst und sogar Sitzplätze im Zelt. Das war absolut spitzenmässig und manche Hightech- und Schickimicki-Caterer könnten da viel lernen. Gestärkt nahmen wir im Laufe des Nachmittags die noch nicht besuchten Hallen und Bereiche des Freigeländes unter die Füsse. Auf einem Kiesplatz stand unter einem kleinen Zelt auf einem Anhänger ein grosser Sternmotor. 30’000 cm3 und 1000 PS stand auf dem Anhänger zwischen roten Sternen und das Typenschild in kyrillischer Schrift auf dem Motor verriet die Herkunft. Es handelte sich um den Motor einer Antonov AN-2, des grössten einmotorigen Doppeldeckers der Welt, in über 12’000 Exemplaren bis weit in die Achtzigerjahre gebaut. Auf einem Schild stand ‘Start um 15.00 Uhr’. Das wollten wir natürlich sehen – und vor allem hören. Um besagte Zeit versammelte sich eine grosse Menschenmenge in respektvollem Abstand um den Motor, ein Mann stieg auf das Podest und begann mit dem Startvorgang. Ein kurzer Film über diesen Start sagt mehr als tausend Worte. Die TECHNORAMA in Ulm ist absolut sehenswert und ein Erlebnis. Neben Deutsch hört man übrigens oft Schweizerdeutsch und auch Italienisch und Holländisch waren oft zu hören. Uns hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen und wir können die TECHNORAMA wirklich empfehlen. Am späteren Nachmittag verliessen wir das Gelände und machten uns auf in die Altstadt von Ulm, denn dort steht das Ulmer Münster mit dem eingangs erwähnten höchsten Kirchturm der Welt, und den wollten wir auch noch sehen. Alle weiteren Informationen zur TECHNORAMA gibt es auf der Website des Veranstalters.  

TECHNORAMA Ulm, 04. und 05. Mai 2019. Das Ulmer Münster

TECHNORAMA Ulm, 04. und 05. Mai 2019. Das Ulmer Münster

 

2 Gedanken zu „Technorama Ulm, 4./5. Mai 2019 (DE)

  1. Hallo Dream-Cars-Team,
    wie immer sagenhafte Bilder und ein kritischer aber “ehrlicher Kommentar”. So stelle ich mir einen Oldtimer-Markt vor. Viel “braunes Blech” gleich “viel Spass beim Restaurieren”! Neu kann jeder, aber aus scheinbarem Schrott wieder ein Teil hinzukriegen, dass funktioniert und mit Würde seine Patina trägt ist doch für einen echten Schrauber das Grösste. Zudem jede Menge Stolz, es alleine geschafft zu haben. Doch zuerst kommt immer das lange suchen mit der mitgebrachten Fehlteil-Liste. Da braucht es manchmal einen sehr langen Atem! Ist das Teil endlich gefunden, beginnt das “Märten” und “Feilschen” bis beide zufrieden sind. Endlich zu Hause wird das Teil begutachtet und die Arbeit beginnt. Viel Zeit, manchmal auch sehr,sehr viel Zeit geht vorüber bis der Teilefund endlich im Fahrzeug verbaut werden kann. Danach ein kühles Blondes und die erfolgreiche Arbeit begutachten ist doch schon etwas “geiles”!
    Das Filmchen vom Start des Antonov-Motors ist auch einfach nur “Creme”. Ihr habt es mal wieder richtig gebracht!
    SQUADRA BIANCO AZZURRO, Roland Hufschmid, 6024 Hildisrieden

    • Hallo Roland

      Danke für das Kompliment und Deinen Kommentar. Ja, das war wirklich eine Zeitreise und beim Anblick der riesigen Menge an Teilen dürfte zumindest in der Zweiradszene für die nächsten Generationen noch Genügend Material und Arbeit vorhanden sein. Nochmals vielen Dank und Dir ein schönes Wochenende.

      Herzliche Grüsse
      Fredi, Ela + Team DREAM-CARS.CH

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