Mille Miglia 2019 (IT)

Die Mille Miglia 2019, mittlerweile mit Unterbrüchen seit 1927 durchgeführt, fand dieses Jahr vom 15. bis 18. Mai statt. Was Sir Stirling Moss und Denis Jenkinson 1955 mit dem Mercedes-Benz 300 SLR mit der legendären Nr. 722 in 10 Stunden, 7 Minuten und 48 Sekunden schafften, brauchen die Teilnehmer heute 4 Tage. Gut, der Vergleich hinkt natürlich gewaltig. Damals, bis ins Jahr 1957, war die Mille Miglia ein Autorennen. Da ging es um die Geschwindigkeit, sonst eigentlich nichts. Ein Spektakel war es für die Zuschauer schon immer. Die rote Startnummer auf dem silbernen Mercedes (hier ein Bild von 2015) war die Startzeit von Moss/Jenkinson. Um 17.20 Uhr waren sie wieder in Brescia, eine Leistung, die man eigentlich nicht nachvollziehen kann. Autobahnen gab es damals noch keine und ein Rennwagen vom Schlage eines 300 SLR war alles andere als eine bequeme Reiselimousine. Da musste der Fahrer noch richtig zupacken und auch taktisch geschickt ans Werk gehen um ans Ziel zu kommen und erfolgreich zu sein. Dies ein kurzer Rückblick in vergangene Zeiten, nun aber ‘Back to the Future’ ins Jahr 2019. Die Mille Miglia begann schon am Montag mit der Abnahme der ersten Fahrzeuge im Brixia Forum etwas ausserhalb von Brescia. Alle Fahrzeuge stehen in der grossen Halle und werden von den Experten geprüft. Das ist auch immer eine gute Gelegenheit, die Teilnehmer ein erstes Mal zu treffen und es gibt genügend Zeit für Gespräche. Oder man machte sich mit dem Fahrzeug vertraut wie Prisca Taruffi, die Tochter des legendären Piero Taruffi, dem letzten Sieger der ‘alten’ Mille Miglia 1957.

Prisca Taruffi an der Mille Miglia 2019

Mille Miglia 2019, Wagenabnahme im Brixia Forum, Brescia, 14.05.2019. Prisca Taruffi, Tochter des legendären Formel 1 Piloten Piero Taruffi, erhält letzte Instruktionen. Sie startete mit dem Alfa Romeo 1900 C Super Sprint Touring aus dem Jahr 1956.

Der eigentliche Event begann dann am Mittwoch, 15. Mai. Bis 10.00 Uhr fanden die letzten Abnahmen statt. Bereits ab 08.00 Uhr öffnete das ‘Villaggio’ auf der Piazza della Vittoria im Zentrum Brescias. Der mit rotem Teppich belegte Platz beherbergte Zelte und Stände der Hauptsponsoren, denn ohne die wäre ein Event wie die Mille Miglia völlig undenkbar. Auf den Platz kam man nur mit einem Ticket und selbst so war das Gedränge sehr gross. Ausserhalb im öffentlichen Bereich herrschten fast chaotische Zustände und es gab teilweise kein Vorwärtskommen mehr. Und mittendrin ein Austin Healey mit geöffneter Motorhaube und zwei Männern, die ein Problem zu beheben schienen. Nicht weit entfernt wieder eine Menschenansammlung, dahinter ein roter Ferrari 166 MM/53 Spider von 1953 des Teams Steffen und Marcus Goerig. Auch hier hatte die Batterie ihren Dienst verweigert und musste getauscht werden. So einfach herausnehmen und die neue einbauen geht aber nicht, beim Ferrari müssen das Rad und die Bleche des Innenkotflügels demontiert werden, erst dann bekommt man die Batterie zu Gesicht. Eine mühsame Prozedur, vor allem in dieser Situation. Viele Teilnehmer fuhren zum Mittagessen ins Mille Miglia Museum, um von dort aus an den Start zu fahren. Wir fuhren von der Innenstadt direkt an die Viale Venezia und bezogen wie immer an unserem ‘geheimen Ort’ einen strategisch günstig gelegenen Parkplatz. Schon die Fahrt dorthin ist speziell, man trifft auf viele Teilnehmer, die sich mit ihrem Oldtimer durch den Stadtverkehr kämpfen, wie Simon Kidston im Bugatti.

Simon Kidston mit Beifahrer Emanuele Collo im Bugatti Typ 35 Grand Prix von 1925 auf dem Weg zum Start

Mille Miglia 2019, Brescia und Start. Simon Kidston mit Beifahrer Emanuele Collo im Bugatti Typ 35 Grand Prix von 1925 auf dem Weg zum Start.

Pünktlich um 14.30 Uhr wurde das erste Fahrzeug, ein Alfa Romeo Barchetta mit der Startnummer 1000, ins Rennen geschickt. Davor flog die italienische Kunstflugstaffel Frecce Tricolori zweimal über die Viale Venezia und eröffnete die Mille Miglia 2019. Dann folgten die Fahrzeuge dem Alter entsprechend. Ganz vorne ein Dutzend OM Superba, dann etliche Bugatti Typ 35 und 37. Die letzten Fahrzeuge waren Porsche 356. Wie immer sind an der Mille Miglia sehr viele Mercedes 300 SL am Start, alleine der Hauptsponsor Mercedes-Benz bringt viele Fahrzeuge an der Start, darunter war dieses Jahr auch wieder ein 300 SLR. Bis alle 430 Fahrzeuge gestartet sind, dauert es gut zwei Stunden. Der erste Stop der ersten Etappe war wie schon in den vergangenen Jahren Sirmione, wo die Teilnehmer einen Stempel abholen mussten. Von Sirmione führte die Route über Valeggio sul Mincio, Mantua, Ferrara und Ravenna zum Etappenziel Cervia Milano Marittima an der Adria, etwas oberhalb von Rimini gelegen. Wir blieben in Sirmione, wo wir auch zweimal übernachteten und klinkten uns am zweiten Tag aus der Mille Miglia aus, da uns noch ein paar andere automobilistische Leckerbissen erwarteten, dazu aber später. Die Mille Miglia führte am zweiten Tag von Cervia Milano Marittima nach Rom, dem südlichsten Ort der Mille Miglia. Von Rom ging die 3. Etappe nach Bologna und auch wir ‘mischten’ wieder mit. Von Maranello aus machten wir uns auf den Weg in die hügelige Landschaft zwischen Florenz und Bologna und suchten in der Gegend des Passo della Futa und Passo della Raticosa ein verschlafenes Bergdorf. Loiano war unsere Wahl, wo die nächsten Aufnahmen entstanden.

Mille Miglia 2019, Durchfahrt in Loiano, 18. Mai 2019. Herbert Diess (Konzernchef Volkswagen) und Jon Drechsler im Bugatti Typ 35B von 1928 bei der Durchfahrt in Loiana

Loiana liegt auf 714 Metern Meereshöhe und hat gut 4’000 Einwohner, der sonst verschlafene Ort liegt etwa eine Autostunde südlich von Bologna entfernt. Verschlafen war er an diesem Freitagabend jedoch nicht, viele Leute versammelten sich vor dem Ristorante Benvenuti und applaudierten den vorbeifahrenden Teilnehmern. Auch hier war zu beobachten, dass vor allem die modernen Ferrari des Ferrari Tribute beim Publikum gut ankamen und die Fahrer wurden aufgefordert, den Jubel mit ein paar kräftigen Gasstössen zu belohnen, was viele auch taten und offensichtlich selber Spass daran hatten. Einige Teilnehmer hatten offenbar Durst und hielten spontan vor dem Restaurant an, was zu teilweise schwierigen Verkehrsverhältnissen führte. Aber alles verlief ohne Probleme und selbst Zeit für ein Erinnerungsfoto blieb. Das Wetter war glücklicherweise trocken, aber auf einigen Fahrzeugen konnte man Wassertropfen sehen und Prisca Taruffi, die schon in der Abenddämmerung genau vor unseren Füssen einen Zwischenstopp einlegte sagte, dass es unterwegs ab und zu geregnet hätte. Die Etappe führte von Loiano weiter nordwärts mit dem Etappenziel Bologna. Wie üblich kommen die letzten Teilnehmer erst gegen Mitternacht oder noch später an den Etappenzielen an. Ausschlafen ist auch nicht geplant an der Mille Miglia, Der Start am folgenden Tag erfolgt für das erste Fahrzeug jeweils spätestens um 07.00 Uhr, am Donnerstag war die Startzeit schon um 06.15 Uhr. Da bleibt nicht viel Zeit, die schönen Hotels zu geniessen. Aber das ist ja glücklicherweise alles freiwillig. Der letzte Tag von Bologna zurück nach Brescia wurde um 07.00 Uhr gestartet, für uns aber war die Mille Miglia 2019 in Loiano zu Ende. Wir fuhren zurück in unser Hotel in Maranello und freuten uns auf den Samstag, auch ohne Mille Miglia. Sieger wurde das Team Giovanni Moceri und Daniele Bonetti mit dem Alfa Romeo 6C 1500 Super Sport aus dem Jahr 1928. Herzliche Gratulation zu diesem Erfolg.

Mille Miglia 2019, Durchfahrt in Loiano, 18. Mai 2019. Die Sieger, Giovanni Moceri und Daniele Bonetti im Alfa Romeo 6C 1500 Super Sport von 1928 bei der Durchfahrt in Loiano

Dass wir die Zielankunft in Brescia dieses Jahr ausliessen hat zwei Gründe, einerseits das schlechte Wetter, Dauerregen war vorhergesagt und es war dann tatsächlich auch mehrheitlich nass, andererseits besuchten wir in Modena eine Ausstellung der besonderen Art. Zudem bekamen wir die Gelegenheit, eine exklusive private Führung durch das Stanguellini Museum in Modena geniessen zu dürfen. Von diesen beiden Besuchen gibt es jeweils eine separate Reportage in den nächsten Tagen. Es waren also auch für uns intensive und erlebnisreiche Tage in Bella Italia und die Mille Miglia wäre bei schönem Wetter sicher das ‘La corsa più bella del mondo’, also das schönste Rennen der Welt. Auch uns hat es als Begleiter und Fotografen wieder viel Spass gemacht, wir haben viele Menschen getroffen, schöne Momente erlebt und freuen uns schon jetzt auf nächstes Jahr. Natürlich nehmen an der Mille Miglia immer sehr viele Prominente teil aber einer ist immer der Superstar, Arturo Merzario mit seinem charakteristischen Cowboy-Hut, stets gut gelaunt und immer für ein Spässchen zu haben.

Arturo Merzario und Ela Lehmann an der Mille Miglia 2019

Mille Miglia 2019, Wagenabnahme im Brixia Forum, Brescia, 14.05.2019. Arturo Merzario und Ela Lehmann. Arturo ist immer gut drauf und einer der Stars der Mille Miglia

Wir können einen Besuch der Mille Miglia wirklich empfehlen, eine Begeisterung wie man sie dort erlebt, gibt es wahrscheinlich sonst nirgendwo und das ganze elende Gerede über Klima ist nie ein Thema. Die Mille Miglia 2020 findet vom 13. bis 17. Mai statt. Es gibt zahlreiche Firmen, die Reisen an die Mille Miglia anbieten, so hat man sehr gute und entspannte Möglichkeiten, den Event hautnah mitzuerleben. Adressen findet man im Internet. Alle weiteren Informationen zur Mille Miglia gibt es unter https://1000miglia.it/

Die Wagenabnahme fand am 14. und 15. Mai 2019 im Brixia Forum ausserhalb von Brescia statt. Eine gute Gelegenheit, die Teilnehmer erstmals zu treffen. Hier unsere Bildergalerie

Vor dem Start auf der Viale Venezia stehen die Teilnehmerfahrzeuge auf verschiedenen Plätzen in der Altstadt von Brescia. Anschliessend erfolgt ab 14.30 Uhr der Start des ersten Fahrzeuges. Wir haben auf der Piazza della Vittoria und am Start fotografiert

Eine der ersten Sonderprüfungen findet in Sirmione am Gardasee statt. Es ist eigentlich keine Sonderprüfung, sondern eine Stempelkontrolle. Besonders attraktiv mit dem Castello Scaligero. Die Teilnehmer fuhren anschliessend zum ersten Etappenziel, Cervia Milano Marittima, an der Adria. Wir blieben in Sirmione, wo unsere Bilder entstanden

Dieses Jahr führte die Route wieder über die Pässe Futa und Raticosa. Am Passo della Futa hatten wir bereits 2016 fotografiert. Dieses Jahr entschieden wir uns wieder für ein verschlafenes Dorf in der hügeligen Gegend zwischen Florenz und Bologna. Der Ort heisst Loiano, hat gut 4’000 Einwohner und liegt auf 714 Metern Höhe

Das Ferrari- und Mercedes Tribute betrachten wir eher als Nebenevent der eigentlichen Mille Miglia. Rund 250 moderne Ferrari und Mercedes, vorwiegend aus der Sportabteilung AMG, fahren der Mille Miglia voraus. Wir haben dieses Spektakel, das bei den Zuschauern entlang der Strecke durchaus gut ankommt, ebenfalls in Loiano fotografiert

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