Bruno Weibel zweimal Zweiter am Nürburgring

Text Diana Weibel, Bilder DREAM-CARS.CH

Bruno Weibel belegte am vergangenen Wochenende am Nürburgring (DE) zweimal den zweiten Platz und ist derzeit führend in der Europameisterschaft für Formel Junior Rennwagen

Angereist war Bruno Weibel mit der Familie bereits am Mittwoch, die Schulferien machen’s möglich. Somit war am Donnerstag genügend Zeit für Vorbereitungen und Training. Mit dem Qualifying vom Freitag war Weibel nicht zufrieden, von der Rundenzeit her war er der Zweitschnellste, jedoch wurde diese Runde nicht gewertet, da kurz vor seiner Zieldurchfahrt, aufgrund eines Ereignisses an einer anderen Stelle der Strecke, die rote Flagge geschwungen wurde. Somit musste er sich mit dem fünften Startplatz abfinden, was ihn sehr ärgerte. Aber wie wir so schön zu sagen pflegen “morgen ist ein neuer Tag” und so war es dann auch, die Karten wurden neu gemischt; Richard Bradley (GB), der von der Poleposition aus startete, fiel bereits kurz nach dem Start aus, somit waren Rossi di Montelera (IT), Shaw (SC) und Tonetti (IT) Weibels Widersacher. Der Schweizer war bald schon an dritter, kurz darauf an zweiter Stelle und kämpfte sich Runde um Runde an Manfredo Rossi di Montelera ran, er übrigens ein Mitglied der Rossi/Martini-Wermut-Dynastie.

Bruno Weibel am Nürburgring, August 2019
Bruno Weibel im Lotus 22 im Yokohama-S auf dem Nürburgring, August 2019

In der zweitletzten Runde trennten die beiden keine Wagenlänge mehr und in der letzten war Bruno Weibel sogar kurzzeitig führend. Es war wie so oft bei den Duellen Rossi/Weibel wieder einmal die zweitletzte Kurve, Bruno Weibel griff an zum finalen Überholmanöver. Aber da war noch ein zu überrundendes Auto; Rossi aussenrum, Weibel innenrum, Weibel hart am Gas, musste dann aber leicht zurücknehmen, da es ihn durch die Fliehkraft nach aussen trug und er auf keinen Fall eine Kollision mit Rossi riskieren wollte. So fuhren die beiden beinahe gleichauf über die Ziellinie, Rossi mit leichtem Vorsprung. Und alle waren happy! Bruno Weibel, dass er trotz schlechter Startposition soweit aufholen konnte und dazu die schnellste Rennrunde des Wochenendes (2:00.55) fuhr und Rossi di Montelera, dass er vor seinem Sohn Andrea (7), der nur unregelmässig auf der Rennstrecke dabei ist, triumphieren konnte. Dritter wurde der Schotte Mark Shaw, ebenfalls mit der ganzen Familie angereist. Ein richtig tolles Rennen mit einem super Flow, für einmal ohne Unterbrechung und spannend bis zur letzten Sekunde.

Den Sonntag konnte Weibel gelassen angehen; Rennen erst am Nachmittag und ein Zeitpolster von über 14 Sekunden gegenüber Mark Shaw, einem der Anwärter auf den Europameister-Titel. Manfredo Rossi hingegen hat in diesem Jahr nicht alle bisherigen Rennen bestritten und ist somit für die Gesamtmeisterschaft nicht relevant. Bereits in den ersten Rennminuten gab es eine Massenkarambolage, in welche mindestens vier Rennwagen involviert waren. Der Streckenteil in welchem sich der Unfall ereignete musste für Aufräumarbeiten gesperrt werden, währenddessen wurden die unversehrten Rennwagen vom Safetycar durch die Boxengasse geführt bis das Rennen wieder freigegeben wurde.

Bruno-Weibel-Nürburgring-2019
Kurz vor der Veedol-Schikane auf dem Nürburgring. Bruno Weibel überzeugte durch eine perfekte Linie.

Beim Restart waren nur noch acht Minuten zu fahren. An vorderster Position Richard Bradley mit seinem Brabham BT6, welcher kurze Zeit nach dem Restart abermals ausfiel. Von aussen sieht es jeweils so aus, als nähme dieser junge Profi-Rennfahrer seinen historischen Rennwagen von 1962 ein bisschen zu arg dran. Rossi di Montelera und Weibel profitierten und fuhren im Doppelpack vorne weg. Teilweise um Haaresbreite fuhr Weibel hinter Rossi her. Weibel’s Mentor der frühere Formel Junior-Fahrer und Lotus-Papst Bruno Schaffner las Weibel sogar ein bisschen die Leviten, das sei teilweise aber sehr eng gewesen…
Am Ende fuhr Weibel 0.144 Sekunden hinter Rossi di Montelera durchs Ziel. Oder wie Rossi nach dem Rennen zu Weibel sagte: “Du warst so nah hinter mir, dass ich dich im Rückspiegel nicht mehr sah, sondern auf den grossen Monitor schauen musste, um zu sehen, wo du bist.” Beide, Rossi, wie auch Weibel nahmen ihre Buben mit auf’s Podest und feierten gemeinsam mit Pierre Tonetti (3. Platz) dieses tolle Rennwochenende.

Bruno, Weibel, Nürburgring, 2019
Letzte Abstimmungen vor dem Rennen, eine Voraussetzung für den Erfolg

Das nächste Rennen findet am 7./8. September in Zandvoort (NL) statt. Bruno Weibel’s Lieblingsrennen auf dem diesjährigen Rennkalender.

Bruno Weibel

Bruno Weibel ist 1978 geboren und in Urdorf aufgewachsen. Er ist gelernter Elektroniker und heute Besitzer einer Werkstätte für Lotus Sportwagen und historische Rennwagen. Er betrieb von 2000 bis 2009 aktiv Motorsport und feierte 2015 sein Comeback mit dem Einstieg in den historischen Motorsport. Bereits in seiner ersten Saison wurde er Europameister der historischen Formel Junior. 2016 verpasste er diesen Titel nur knapp und wurde Vize-Europameister. 2017 wiederholte er seinen Triumph und wurde erneut Europameister der Formel Junior. Weibel pilotiert seine Rennwagen, 2015 bis 2017 einen Lotus 20, seit 2018 einen Lotus 22, nicht nur exzellent, er unterhält und repariert die Autos auch selber. 2018 gewann er die Königsklasse der Formel Junior, die Kategorie E1 und wurde dritter in der Europameisterschaft. Was Weibels Leistung noch spezieller macht: er ist als einziger der Top- Fahrer der FIA Formel Junior nicht nur Rennfahrer, sondern auch Rennmechaniker, Organisator und Chauffeur des «Teams». Will heissen, der Grossteil seiner Konkurrenten reist bequem im Flugzeug oder mit der Limousine an, nächtigt im Fünfsternehotel und lässt seine Sportgeräte von einem Chauffeur auf die Rennstrecke bringen und von einem Mechaniker-Team bereitstellen. Weibel macht dies alles in Personalunion, ohne Sponsoren und finanzielle Polster.

FIA Lurani Trophy / Formula Junior

Die FIA Lurani Trophy ist eine von lediglich sechs offiziellen Rennserien des Motorsportweltverbands FIA für historische Fahrzeuge und damit die offizielle Europameisterschaft für sogenannte Formel Junior Rennwagen. Die Formel Junior ist eine Rennkategorie für einsitzige, offene Rennwagen. Sie wurde 1957 in Italien als Rennserie für Nachwuchspiloten ins Leben gerufen. Heute heisst die offizielle Europameisterschaft für historische Formel-Junior Fahrzeuge «Lurani Trophy», benannt nach deren Erfinder Giovanni Conte Lurani.

Dass die Formel Junior nichts mit Lausbuben-Fahrten zu tun hat, sehen Sie, wenn Sie sich das Rennen vom vergangenen Sonntag am Nürburgring unter folgendem Link anschauen (Start Formel Junior, FIA Lurani Trophy: 3:26).
https://www.youtube.com/watch?v=MnMdxpPmJDI&feature=youtu.be

http://formulajunior.com/
https://www.fia.com

Kontakt:

Bruno Weibel

Schaffner Racing GmbH
Industriestrasse 6
8903 Birmensdorf

044 737 28 00
info@schaffner-racing.ch

http://www.schaffner-racing.ch/
https://www.facebook.com/SchaffnerRacing/

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