Auto e Moto d’Epoca Padua, 24. bis 27. Oktober 2019 (IT)

Vom 24. bis 27. Oktober 2019 fand in Padua die 36. Oldtimermesse, die Auto e Moto d’Epoca, statt. Auf über 90’000 Quadratmetern wurden neben rund 5’000 Autos auch Zubehör und Ersatzteile angeboten, vor allem natürlich für italienische Fahrzeuge. Wie immer kostet der Eintritt am Donnerstag, dem Eröffnungstag, stolze 45 Euro Eintritt. Das ist bewusst so, um die Besucherzahl etwas tiefer als an den anderen Tagen zu halten. Für Fotografen ein riesengrosser Vorteil, denn ab Freitag und vor allem an den beiden Wochenendtagen ist es oftmals nicht mehr möglich, einigermassen gute Bilder zu machen. Gegenüber dem letzten Jahr hatten wir das Gefühl, dass sich auch schon am Donnerstag mehr Besucher einfanden und der Organisator bestätigte diese Beobachtung. Es konnte ein neuer Besucherrekord verzeichnet werden, rund 130’000 Personen reisten nach Padua, 10’000 mehr als 2018. Ein toller Erfolg und die Bestätigung, dass sich diese grösste Oldtimermesse südlich der Alpen weiterhin einer sehr grossen Beliebtheit erfreut. Tatsächlich fühlt man sich auf dem Gelände sehr wohl, auch das Wetter spielte mit, es war tagsüber sonnig und deutlich über 20 Grad warm. Das freut natürlich die Aussteller und Besucher. Vor allem der Aussenbereich wäre bei schlechtem Wetter nicht sehr gut frequentiert und die Besucher hätten sich vorwiegend in den Hallen aufgehalten. In den Hallen wurden in vielen Bereichen die Fahrzeuge auf Teppichboden präsentiert, was ein sehr angenehmes Ambiente gibt, aber es gab auch durchaus rustikalere Bereiche.

Topolino, Auto, Moto, Epoca, Padova

‘Topolino ai funghi’ Im Aussenbereich stand ein Topolino C, daneben wachsen aus einem Erdloch Pilze

Die Anfahrt nach Padua schafft man aus der Region Zürich bei guten Verkehrsverhältnissen in gut 5 Stunden, einplanen sollte man aber eine Stunde mehr. Und wenn man schon so weit fährt und nicht 4 Tage Oldtimer anschauen mag, ist ein Besuch des nahegelegenen Venedig eine Überlegung wert. In einer guten halben Stunde ist man in der Lagunenstadt und Ende Oktober ist es angenehm und nicht mehr so überlaufen wie im Sommer. Aber bleiben wir bei der Auto e Moto d’Epoca in Padua. Was bietet diese Messe dem Besucher – eine ganze Menge. Neben dem riesigen Angebot an Fahrzeugen, Zubehör und Ersatzteilen, fand am Samstagnachmittag eine Auktion von Finarte statt. Da wir nur am Donnerstag und Freitag auf der Messe waren, konnten wir die Auktion nicht verfolgen. Es ist auch immer etwas undurchsichtig, wenn in Italien Autos versteigert werden. Sehr oft erfolgt ein Zuschlag erst nach der Auktion. Die Autos waren die letzten Jahre in einer Halle ausgestellt und konnten besichtigt werden. Dieses Jahr standen die Fahrzeuge an verschiedenen Orten, auch im Aussenbereich, und wurden am Freitagabend bereitgestellt. Imposant ist der Auktionskatalog. Er ist 4cm dick und wiegt gegen 3 Kilogramm. Einen Überblick über die einzelnen Lots und Ergebnisse kann man direkt auf der Website von Finarte nachlesen. Das teuerste Auto war der auf der Titelseite abgebildete Alfa Romeo 6C 2500 Cabriolet Pininfarina, der für EUR 639’060.00 verkauft wurde.

Finarte, Auction, Padua

Der 4cm dicke Auktionskatalog von Finarte. Das teuerste verkaufte Auto war der auf der Titelseite abgebildete Alfa Romeo 6C 2500 Cabriolet Pininfarina

Ein interessantes Fahrzeug an der Auktion war ein Maserati 3500 GT mit Touring Karosserie aus dem Jahr 1961. Dieser Wagen diente einst Juan Manuel Fangio als Dienstwagen. Danach wurde der Wagen wohl nicht mehr gebraucht, wurde abgestellt und er verrottete. Der Zustand war wirklich jämmerlich und eine Komplettrestaurierung verschlingt locker einige hunderttausend Franken. Geschichte und Patina erhalten ist immer erstrebenswert, aber bei diesem Auto wurde dieser Zeitpunkt für eine sinnvolle Konservierung leider schon vor Jahrzehnten verpasst. Der Schätzpreis für diesen ‘Einzack‘ wurde mit EUR 475’000.00 bis 575’000.00 angegeben. Etwas gar optimistisch. Erwartungsgemäss wurde der Wagen nicht verkauft, da nützte auch der ‘Fangio-Bonus’ nichts. Weiter gab es eine Sonderausstellung mit Ferrari Rennwagen und gleich daneben fanden jeden Tag verschiedene Interviews und Podiumsgespräche statt. Interessant ist auch die Beobachtung, dass sehr viele Besucher aus dem deutschsprachigen Raum die Auto e Moto d’Epoca in Padua besuchen. Da scheint also das Konzept zu stimmen. Alle Fahrzeuge im Detail anschauen geht natürlich nicht und wenn man keine konkreten Kaufabsichten hat, bringt das auch nichts. Das Preisniveau ist wie bei allen Messen recht hoch, aber die Qualität der angebotenen Fahrzeuge macht zumindest von aussen betrachtet einen guten Eindruck, auch wenn es da und dort Ausnahmen gab. Im Vergleich zu Oldtimerbörsen und Messen in Deutschland ist das Angebot doch sehr unterschiedlich, in Padua dominierten eben italienische Fabrikate, auch wenn das Angebot an deutschen Autos auch recht gross war. Vor allem Porsche und Mercedes hatte es doch viele. Im Gegensatz zu den bekannten Fahrzeugen hat es gerade in Padua immer wieder Spezialitäten, die hierzulande kaum bekannt sind, wie der Fiat 1400 Spyder Rondine von 1952 mit einer Karosserie der turiner Firma Monviso. Das Auto ist in unberührtem Originalzustand, allerdings dürften die Rückleuchten nicht mehr die originalen sein. Hier eine eigene Galerie dieses wunderschönen Autos.

Alle Besonderheiten zu erwähnen würde wahrlich zu weit führen und es ist auch immer Geschmackssache, dem einen gefällt ein Auto aus der Frühzeit der Motorisierung, dem anderen sagen Sportwagen aus den Achtzigerjahren zu. Auffallend ist aber, dass es gerade von Fiat eine grosse Anzahl von Fahrzeugen mit Sonderkarosserien gibt, teilweise recht günstig. Schaut man sich Fiat heute an, könnte man laut heulen. Ein Auto ist uns auch besonders aufgefallen. In einer Halle stand ein blauer Mercedes aus den Fünfzigerjahren, mit eigenwilligen Kotflügeln. Es war ein Modell 300S Cabriolet A mit einem Aufbau von Pininfarina. Der werksinterne Typ W 188 wurde 1955 nur ein einziges Mal gebaut. 1962 wurde der Mercedes erstmals zugelassen in Florenz auf eine Margaret Flick. 1972 verkaufte sie den Wagen in die USA, später kam der Wagen mit der neuen Besitzerin wieder nach Florenz, wo er bis 1982 im Einsatz war. Dann ging es wieder über den Atlantik nach Fort Lauderdale, später nach Kalifornien. Ein italienischer Sammler kaufte den Wagen 2008 und brachte ihn wieder zurück nach Italien. Also ein weitgereister Wagen, der wahrscheinlich mehr Kilometer auf dem Wasser als auf der Strasse zurückgelegt haben dürfte. Deshalb vielleicht auch die blaue Lackierung im Farbton DB 904 Mitternachtsblau. Ein wirklich interessanter Wagen mit spannender und dokumentierter Geschichte.

Auto e Moto d'Epoca Padua 2019. Mercedes 300S Cabriolet A, W 188, 1955 von Pininfarina als Einzelstück gebaut.

Auto e Moto d’Epoca Padua 2019. Mercedes 300S Cabriolet A, W 188, 1955 von Pininfarina als Einzelstück gebaut.

Da wir in diesem Jahr nur am Donnerstag und Freitag in Padua waren (wir fuhren am Samstag nach Mugello zum Finali Mondiali der Ferrari Challenge), blieb zu wenig Zeit, um weitere Spezialitäten genauer anzuschauen. Wir konnten aber wie immer an einer Messe unser favorisiertes Fahrzeug bestimmen und irgendwie gefallen uns die Urahnen aus der Messingära besonders gut. Wenn sie dann nach über hundert Jahren noch im unberührten Originalzustand sind, ist es um so besser. So wurde der Brasier von 1908 zu unserem Liebling. Sicher nicht das schönste, teuerste, am aufwendigsten restaurierte oder seltenste Fahrzeug, aber einfach sympathisch.

Die 36. Auto e Moto d’Epoca konnte also wieder begeistern und man konnte sich tagsüber bei schönstem und warmem Wetter die Autos, Motorräder oder die Unmengen an Ersatzteilen und Zubehör anschauen. Oder einfach mit Freunden plaudern bei einem Glas Roten. Verpflegungsmässig kommt man auch auf seine Kosten. Zahlreiche Stände und Restaurants bieten an, was das Herz begehrt. Am Abend ist jeweils um 18.00 Uhr Schluss und so bleibt Zeit, sich in der Altstadt von Padua eines der zahlreichen Restaurants auszusuchen und sich kulinarisch verwöhnen zu lassen. Es war am Abend noch angenehm warm, dass man es auch draussen mit einem Pullover bequem machen konnte. So macht das Leben Spass. Die nächste Auto e Moto d’Epoca findet übrigens vom 22. bis 25. Oktober 2020 statt. Wir sind gespannt, denn unmittelbar nördlich des jetzigen Geländes wird eine riesige neue Halle gebaut. Wenn diese zusätzliche Fläche ebenfalls zur Verfügung stehen wird, zählt die Auto e Moto d’Epoca definitiv zu den grössten Oldtimermessen weltweit. Alle Infos gibt es direkt auf der Website des Veranstalters

3 Gedanken zu „Auto e Moto d’Epoca Padua, 24. bis 27. Oktober 2019 (IT)

  1. Hallo Linsenkünstler,
    vom USA -Trip zurück habe ich mir eure Bilder aus Padua reingezogen. Ihr habt ein tolles Auge für schönes Blech. Auch für mich war mal wieder eine mächtige Portion “Cavallino Rampante” dabei. Es macht einfach nur Freude bei euch reinzuschauen. Jetzt habe ich wenigstens ein wenig das Gefühl in Padua dabei gewesen zu sein. Nächstes Jahr sollte es dann wieder klappen mit “Bella Italia”! Da jetzt für euch auch eine etwas “bilderlosere Zeit” kommt auch von mir mal die besten Wünsche für die Festtage und ein erfolgreiches 2020. Bleibt weiterhin voll an unserem öligen Hobby dran. Euer Superfan vom Berg!
    SQUADRA BIANCO AZZURRO, Roland Hufschmid, 6024 Hildisrieden.

    • Hallo Roland

      Danke für Deinen Kommentar. Ja, Padua war wieder super, auch wettermässig. Die etwas ruhigere Zeit hat aber auch Vorteile, man kann sich Dingen widmen, für die während des Sommers einfach zu wenig Zeit ist. Es kommen aber noch ein paar Events dieses Jahr und im Januar geht es bereits in der zweiten Woche wieder los. Auch Euch schöne und geruhsame Feiertage.

      Herzliche Grüsse
      Fredi + Team DREAM-CARS.CH

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