Weshalb sind Autos männlich?

Sind Autos eigentlich männlich, weiblich oder gar…. Diese Frage stellte sich anlässlich des 17. WinterRAID in St. Moritz. Wir filmten die Fahrzeuge beim Start live über Facebook. Schon bald kamen erste Likes und Kommentare. Startnummer 21 war ein Lancia Fulvia HF, den der Speaker auch so vorstellte. Ein Lanciabesitzer, den wir sehr gut kennen schrieb, wir sollen dem Speaker erklären, dass es DIE Lancia Fulvia und nicht DER Lancia Fulvia heisst. Später in der Ansage stellte der Speaker die Nummer 21 korrekt als DIE Fulvia vor, ohne den Markennamen. Jetzt ging es los mit der Diskussion und wir fragten uns plötzlich, weshalb Autos eigentlich männlich sind. Man sagt der Volkswagen, der Opel, Peugeot, BMW, Ford usw, obwohl es ja eindeutig DAS Auto ist, also weder männlich noch weiblich. Mr. Google brachte keine klärenden Resultate. Sicher ist, dass man DIE sagt, wenn man von der Fulvia von Lancia oder DER Giulietta von Alfa Romeo spricht. Aber DIE Alfa Romeo Giulietta oder eben DIE Lancia Fulvia tönt irgendwie seltsam. Bei Citroën gibt es auch so ein Beispiel mit dem 1955 vorgestellten Modell DS, also DEM Citroën DS. Schnell entstand aus den beiden Buchstaben DS, auf deutsch De-Es ausgesprochen, das französische Wort La Déesse, die Göttin, und schon war der Citroën DS weiblich. Dass jemand DIE Citroën DS sagt, haben wir noch nie gehört. Also bleiben Autos männlich, bezogen auf die Marke. Weshalb wissen wir nicht. In der Frühzeit der Motorisierung nannte man die ersten ‘Automobile’ Motorwagen oder Kraftwagen. Es ist gut möglich, dass man z.B. aus dem Opel Patent Motorwagen einfach DEN Opel machte und den männlichen Artikel vorausstellte. Das gleiche Prinzip wendete man auf alle Motorwagen an, egal ob Opel, Benz, Daimler usw. Die Autos aus den Anfängen wurden aber auch Motorkutschen genannt, das wäre wieder weiblich. Im April 2019 wurden wir vom PS.SPEICHER in Einbeck eingeladen, über die Zulassung des Benz Victoria von 1894 zu berichten. Ein Journalist stellte die Frage, ob es nun DER oder DIE Benz Victoria heisst. Man einigte sich aufgrund des Namens Victoria auf DIE. Ob das nun grammatikalisch korrekt ist sei dahingestellt, es gab jedenfalls keine Einwände.

Benz Victoria 1894, PS.SPEICHER Einbeck

PS.SPEICHER Einbeck, Zulassung Benz Victoria, 11. April 2019

Am plausibelsten scheint uns die Verwendung des männlichen Artikels für das ursprünglich verwendete Wort Motorwagen für eine Kutsche, die ohne Pferde fuhr, also ‘selbstbewegend’ ist, zu sein. Konsultiert man den Duden stellt man fest, dass es wenige Regeln gibt, hier ein Auszug:

Regeln für Der-Wörter

Die folgenden Wörter sind der-Wörter:

  • Namen von männlichen Personen und Berufsbezeichnungen: VaterPilotArzt;
  • Namen von Jahreszeiten: FrühlingSommerHerbstWinter;
  • Namen von Monaten: JanuarJuliDezember;
  • Namen der Wochentage: MontagDienstagSonntag;
  • Namen von Windrichtungen: Nordwest(en)Süd(en);
  • Namen von Niederschläge: RegenSchneeHagel;
  • Namen von Automarken: AudiBMWMercedes;
  • Namen von Zügen: IC;
  • von Verben abgeleitete Substantive ohne Endung: GangFang;

Wechseln wir von den Vierrädern zu den Zweirädern und was stellt man fest, genau wie beim Auto heisst es DAS Motorrad, aber hier ist es dann DIE BMW und nicht DER BMW, DIE Honda, Suzuki, Moto Guzzi usw.

Bergrennen Seebodenalp 2019

Eine MOTOSACOCHE am Bergrennen Küssnacht – Seebodenalp 2019

Man könnte noch lange und viel schreiben, diskutieren und debattieren, ohne zu einem verbindlichen Ergebnis zu kommen. Zurück zum Lancia. Ob man jetzt DER Lancia Fulvia oder DIE Lancia Fulvia sagt, ist wohl weder richtig noch falsch, sondern eher eine Ansichtssache. Gerne nehmen wir weitere Ausführungen oder Präzisierungen in den Kommentarfeldern entgegen.

9 Gedanken zu „Weshalb sind Autos männlich?

  1. Jetzt muss ich mich als stadtbekannter Klugscheisser mal zu Wort melden. In meiner überaus beliebten Kolumne “Klugscheissen für Fortgeschrittene – Besserwissen mit Wolfgang Blaube“ im Fachblatt Oldtimer Markt (Ausgabe 5/2018) näherte ich mich dem Thema auf einer sprachwissenschaftlicheren Ebene als einige Linguisten zuvor. Hier der für einige möglicherweise überraschende Originaltext (Vorsicht, umfassender Lesestoff):

    Die Stammtisch-Behauptung: „Es heißt die Giulia und die DS, aber der Fiesta“

    Folge 50 des Besserwissers, von bösen wie losen Zungen bisweilen „Klugscheißer“ genannt. Ein Jubiläum. Das provoziert – zum Jubeln, zum Feiern, zum Bilanz ziehen? Ich sage nur: zum Nachlegen. Mit einer monothematischen Episode, die sozusagen die Großmutter aller Oldie-Stammtisch-Streitfragen aufgreift. Ohne sie, das sei hier vorweggenommen, in voller Breite und final zu beantworten.
    Es geht um das Genus, also das grammatikalische Geschlecht, von Autonamen. Oder besser: Um die Genera von Autonamenteilen sowie deren Einzel- und Gesamteinflüsse auf das Genus von Autonamen. Verwirrt? Gut, mal mittels eines schönen Beispiels klar gefragt: Heißt es der Citroën DS Cabriolet (weil Citroën männlich ist) oder die Citroën DS Cabriolet (weil „Déesse“ – die Göttin – weiblich ist) oder das Citroën DS Cabriolet (weil Cabriolet sächlich ist)?
    Nun, gestandene Sprachforscher haben sich intensiv der automobilen Genus-Thematik gewidmet, dabei mit Fachchinesisch-Blüten à la „morphosyntaktischer Kopfstatus“ oder „feldexterne Lexeme “ um sich geworfen, gestritten – aber die Quintessenz nicht abschließend beantwortet. Deshalb will ich es als gelernter Karosseriebauer mit latentem Hang zur Freizeit-Germanistik gar nicht erst versuchen. Kann nur nach hinten losgehen. Was ich bei aller Subjektivität aber kann, ist ein paar simple Grundlagen und Logiken der deutschen Sprache anzuwenden und daraus meine Schlüsse ziehen.
    Zunächst zu den Modellnamen. Wir sagen die Corvette, die DS und die Giulia – gemäß der Genera der Namensgeber, hier das kleine Kriegsschiff, die Göttin, der Frauenname. Eine Logik, nach der wir konsequenterweise aber auch sagen müssten: die (Rolls-Royce) Corniche, die (Buick) Riviera, die (Ford) Fiesta, Sierra, Galaxie, die (Nissan) Prairie, Skyline sowie die (Porsche) Targa und Carrera. Sagen wir aber nicht – die erwähnten Modellnamen sind im Sprachgebrauch maskulin. Wie auch folgende potenziell sächliche: das (VW) Derby, das (Cadillac) Eldorado, das (Lancia) Delta, Thema, Beta, Gamma oder das (Opel) Omega… Wenn wir zwar die (Toyota) Celica, aber der Corolla sagen, drücken wir uns ähnlich erratisch aus. Wie auch bezüglich dessen, was sich hinter manchen Buchstabenkürzeln verbirgt: Es heißt der Ferrari 512 BB (Berlinetta Boxer) – warum dann aber nicht die Ferrari 308 GTB (Gran Turismo Berlinetta)?
    Die Beispiele zeigen, dass wir von einer sprachlichen Stringenz genauso weit entfernt sind wie von einer Regel; hier gibt es schlichtweg keine, man kann sich praktisch nur am Gewohnten orientieren. Immerhin gelangt mancher damit zur Annahme, dass einige Autonamen weiblich sind… Moment mal – was heißt überhaupt „Autonamen“? Knappe Antwort: Ein Autoname ist üblicherweise mindestens die Zusammensetzung aus Markennamen und Modellbezeichnung. Und maximal beides plus Karosserievariante; siehe „Citroën DS Cabriolet“ (auf Genus-neutrale Abkürzungen wie beim obigen Ferrari-Beispiel sei hier verzichtet). Ergo haben wir es mit einer Wortkette zu tun, deren Genus führendes Element es zu finden gilt: die Giulia, also die Alfa Romeo Giulia? Überraschenderweise kennt der Sprachkundler hier eine Gesetzmäßigkeit. Die lautet sinngemäß: Der übergeordnete Namensteil ist der geschlechtsbestimmende – also der Markenname. Heißt: Beim Modellnamen ist die Giulia ist erlaubt, aber beim vollständigen Autonamen einzig der Alfa Romeo Giulia korrekt.
    Allerdings: Ist die Bezeichnung des Modells oder der Aufbauform im Zusammenhang übergeordnet, kann sie durchaus Genus führend sein. Etwa beim Namen Fiat Barchetta als Abgrenzung zur Barchetta einer anderen Marke, etwa Maserati Barchetta. Dann jedoch muss mittels Bindestrich durchgekoppelt werden. Also die Fiat-Barchetta. Und auch: das VW-Cabrio als Kontrast zu das Opel-Cabrio. Dennoch: Auf die Alfa-Romeo-Giulia ist dieser Fall nicht anwendbar, weil es keine Ford-, Lancia- oder Renault-Giulia gibt. Hinsichtlich der Softtop-Göttin heißt es mithin: der Citroën DS Cabriolet, aber das Citroën-DS-Cabriolet, die DS Cabriolet, aber das DS-Cabriolet – und schließlich der Citroën DS. ’Tschuldigung, ich habe mir diese Sprache nicht ausgedacht.
    Nicht zu früh stöhnen, es geht noch weiter. Wie sieht’s bei vermeintlich femininen Markennamen aus? Ginetta, Alpine, Alpina, Lola… Für viele sind die beiden ersteren weiblich, die zwei letzteren männlich. Was immerhin nur halb falsch ist: Richtig ist jeweils einzig das maskuline Genus. Also der Alpine A 110. Wer unbedingt die Alpine fehlerlos benennen will, kann insofern nur die entsprechende Modellbezeichnung meinen: die Alpine von Sunbeam. Also der Sunbeam Alpine – oder meinetwegen die Sunbeam-Alpine, dann aber bitte, wie erwähnt, nur mit Bindestrich anstatt des Tremas. Gleiches gilt übrigens für den Renault 5 Alpine, dessen „Nachname“ nicht als Marken- sondern als Modellbezeichnung gemeint ist.
    Der, die, das: Sogar Bastian Sick, selbsternannter Germanistik-Niveauwart und „Zwiebelfisch der Nation“, hatte sich schon mal um die Beantwortung der hier gestellten Kernfrage bemüht. Und zwar im Jahr 2004 auf Anfrage meines lieben, hiermit herzlich gegrüßten Kollegen Heinrich Lingner von der Motor Klassik. Dass Herr Sick es mittels einiger Irrungen beim bloßen Bemühen beließ, lässt sich auf http://www.spiegel.de unter der Suchwortgruppe zwiebelfisch krieg geschlechter ersehen.
    So, nun lehne ich mich entspannt zurück, entkorke ein gepflegtes Pils. Und warte. Auf die Flut von Leserzuschriften. Damit ich nicht allzu viele beantworten muss, sei hier vorab gesagt: Meine Recherchen erstreckten sich auch auf diesbezügliche Anfragen bei gestandenen Adressen. Etwa bei einem Germanistik-Dozenten, der sich lange mit der Genus-Forschung befasst hat, hier aber anonym bleiben will. Oder bei den Linguistik-Wissenschaftlern der „Gesellschaft für deutsche Sprache“, von der man als oberflächlicher Medienkonsument denken könnte, sie täte nicht mehr als alle zwölf Monate das „Wort des Jahres“ auszuwürfeln.
    Was offen bleibt, ist die Kann-Regelung mancher weiblich assoziierbarer Modellnamen, und darüber hinaus die unvermeidliche Kollision zwischen dem Korrekten und dem Gebräuchlichen – die sogar innerhalb der Duden-Redaktion für leidenschaftliche Kontroversen sorgt. Insofern bin ich, der scheibende Schrauber mit nicht ganz ernst gemeintem sportlichen Ehrgeiz zum Klugscheißen, in guter Gesellschaft all derer, die es auch nicht besser wissen.

    • Danke Wolfgang, sehr spannend. Ich habe vor einigen Tagen einen kurzen Artikel über den (die) Alpine A106. Es ist ja noch kein Renault, sondern der Markenname ist Alpine. Ich habe mir sagen lassen, dass die Kenner und Fans DIE Alpine und nicht DER Alpine sagen. Ich habe mich dann entschlossen, die weibliche Form zu verwenden. Ob das nun korrekt ist kann ich nicht beurteilen, aber wenigstens bleibt die Kirche im Dorf 😉 In diesem Sinne einen schönen Tag und nochmals danke für Deine Ausführungen.

      Freundliche Grüsse
      Fredi Vollenweider + Team DREAM-CARS.CH

      • Wie erwähnt und beschrieben, lieber Fredi: Bei Markennamen ist alles andere als die maskuline Form schlichtweg falsch. Mittlerweile hat auch die Gesellschaft für deutsche Sprache meine dargestellte Lesart diskutiert und bestätigt. Die Kenner, die Du zitierst, mögen Kenner der Marke sein – solche der Linguistik sind sie offenbar nicht.

        Beste Klugscheisser-Grüsse aus dem sonnigen Hamburg,

        Wolfgang

        • Hallo Wolfgang

          Das ist richtig so, ich hatte den Artikel auch mit DER Alpine begonnen, dann aber geändert. Ich werde den Artikel mit einem entsprechenden Kommentar und Hinweis ergänzen.

          Grüsse aus dem ebenfalls sonnigen Obfelden
          Fredi Vollenweider + Team DREAM-CARS.CH

  2. Vielen Dank für die interessanten Gedanken Dream-Cars-Team, diese Gedanken sind mir auch bekannt. Als Besitzer einer Toyota Celica, wurde ich schon sehr früh belehrt, dass es die Celica heisst und nicht der Celica. Der Grund für das Die ist mir leider auch nie näher erklärt worden.
    Weiter so mit Euren Reportagen wertes Draem-Cars-Team.
    Freundliche Grüsse Roland

    • Hallo Roland

      Vielen Dank. Genau, die Celica gehört auch in diese Kategorie. Gibt noch einige weitere Beispiele, wie die Jsetta von BMW. Dann gibt viele Marken, die Ihre Fahrzeuge mit Fantasienamen ausstatten, z.B. Opel Vectra, das ist gar nicht zu definieren. Da finde ich Peugeot noch gut, die haben einfach Zahlen, da gibt es nichts zu diskutieren. Aber Toleranz ist wohl auch bei diesem Thema angebracht. Dir noch einen schönen Abend.

      Herzliche Grüsse
      Fredi + Team DREAM-CARS.CH

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