Bentley Arnage T für gut 40’000 Franken – ein Schnäppchen?

Am vergangenen Samstag wurde an der Online-Auktion der Oldtimergalerie Toffen ein Bentley Arnage T aus dem Jahr 2003 versteigert. Das Luxusgefährt kostete damals rund CHF 400’000.–. Der angebotene Wagen hatte 110’000 km auf dem Tacho und stammte aus vierter Hand. Der mächtige 6,75 Liter-Motor leistet dank zweier Turbolader 457 PS, was dem 2,6 Tonnen schweren und 5,4 Meter langen Auto eine Spitzengeschwindigkeit von 270 km/h verleiht, den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h schafft man in knapp unter 6 Sekunden. Das sind stolze Fahrleistungen, die auch eine Menge Fahrspass vermitteln. Weniger Spass dürfte man haben, wenn etwas kaputt geht.

Bentley, Arnage, T, 2003

Der Bentley Arnage T aus dem Jahr 2003 ist eine imposante Erscheinung. Bild Oldtimer Galerie Toffen.

Sicher sind die Autos auf einem sehr hohen Niveau gebaut und verarbeitet und wenn der Erstbesitzer keine Kosten für den Unterhalt scheute, konnte man sicher ganz entspannt reisen mit dem Wagen. Wer sich so ein Auto neu leisten konnte und kann, dürfte auch keine finanziellen Sorgen haben. Die Autos litten aber schon immer unter einem grossen Wertverlust und schon nach wenigen Jahren konnten man die Autos für rund einen Viertel des ursprünglichen Neupreises kaufen. Die Unterhaltskosten aber bleiben respektive wurden tendenziell eher höher infolge von Abnutzung und Verschleiss. Von einer Werksgarantie konnten die nachfolgenden Besitzer auch nicht mehr profitieren. So verwundert es nicht, dass man im Zusammenhang mit dem am 28. März versteigerten Fahrzeug in Toffen von einem Schnäppchen sprach. Der Bentley fand für gut CHF 41’000.– einen neuen Besitzer. Der Schätzpreis lag übrigens bei CHF 30’000.– bis 35’000.–. Ein durchaus realistischer Preis, wenn man sich den Markt anschaut. Ob der neue Besitzer auch ein glücklicher Besitzer ist, wissen wir nicht. Wenn er sich bewusst ist, was der Unterhalt kostet und er sich das leisten will und kann ist gut, sonst wird es eng für den Bentley – oder den Geldbeutel des Besitzers. Was der jetzige Besitzer nicht mehr zu tragen hat ist der immense Wertverlust, den musste der Erstbesitzer hinnehmen, was er sicher mit Würde tat. Wir haben gerechnet. Ausgehend vom Neupreis und dem jetzt bezahlten Preis, der noch rund 10% ausmacht, kostete jeder gefahrene Kilometer gut 3 Franken – nur Wertverlust. Hinzu kommt der Unterhalt, Reparaturen, Steuer, Versicherung, Benzin usw.

European Concours d'Elegance Schwetzingen 2002. Stilistisch war der Vorgänger schöner.

European Concours d’Elegance Schwetzingen 2002. Stilistisch war der Vorgänger schöner. Als Cabriolet hat er die grösseren Überlebenschancen als eine Limousine.

Wie sieht die Zukunft eines solchen Fahrzeuges aus? Wohl eher düster. Das Auto wird älter, die Ersatzteilversorgung wird nicht besser, die Reparaturanfälligkeit wird grösser und es braucht Spezialisten, welche die nötigen Unterhalts- und Reparaturarbeiten ausführen können. Es kann durchaus sein, dass z.B. bei einem Motorschaden Kosten entstehen, für die man einen Mittelklassewagen kaufen könnte. In solchen Fällen wird es kritisch, wenn die Reparatur den Fahrzeugwert übersteigt, das ist ein wirtschaftlicher Totalschaden. Entscheidet sich der Besitzer, die Reparatur dennoch ausführen zu lassen, erfährt das Auto nach erfolgter Reparatur kaum eine Wertsteigerung und man kommt in eine Abhängigkeit. Stehen nach einer gewissen Zeit wieder grössere Arbeiten an, muss man sich für oder gegen eine Reparatur entscheiden. So endete schon manch eigentlich schönes Auto als Ersatzteilspender und es wird vielen einstmals teuren Limousinen in den nächsten Jahren so ergehen, sie werden bei grösseren Schäden weggestellt. Ausnahmen sind vielleicht Cabriolets und Sondermodelle, die in geringerer Stückzahl gebaut wurden. Die aktuelle Situation mit dem Corona-Virus und den noch völlig unbekannten wirtschaftlichen Folgen, kann solchen Autos erst recht ‘das Genick brechen’, denn ein Wertzuwachs ist für den Bentley nicht zu erwarten. Schade, aber leider die Realität.

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