Auto e Moto d’Epoca Padua (IT), Oktober 2020

Sie hat tatsächlich stattgefunden, die grösste Oldtimer-Messe südlich der Alpen und gleichzeitig die grösste in Italien. Vom Donnerstag 22. Oktober bis Sonntag 25. Oktober traf sich die Internationale Oldtimergemeinde in der norditalienischen Stadt nahe Venedig. Aber halt, so international war die Messe dieses Jahr nicht. In den vergangenen Jahren traf man sehr viele Besucher aus der Schweiz und Deutschland, dieses Jahr konnte man sie an einer Hand abzählen. Viele reisten erst gar nicht an, denn Venetien wurde von der Schweiz als Risikogebiet eingestuft und das bedeutete, bei der Rückkehr in die Schweiz eine 14-tägige Quarantäne. Für uns kein Problem, aber für viele Arbeitnehmer leider undenkbar. Da genau an diesem Wochenende in vielen Ländern, auch in Deutschland, die Covid-19-Vorschriften verschärft wurden, reisten viele frühzeitig ab um eben dieser Quarantäne zu entgehen. Zusammengefasst heisst das, etwa 30% weniger Aussteller und etwa die Hälfte der Besucher waren im Vergleich zum Vorjahr anwesend. Zudem fand zur gleichen Zeit die vom Mai auf den Oktober verschobene Mille Miglia statt.

Auto e Moto d'Epoca Padua, 22. bis 25. Oktober 2020. In den Hallen 7 und 8 waren Aussteller, die Zubehör und Ersatzteile anboten. Es gab viele freie Flächen

Auto e Moto d’Epoca Padua, 22. bis 25. Oktober 2020. In den Hallen 7 und 8 waren Aussteller, die Zubehör und Ersatzteile anboten. Es gab viele freie Flächen

Der Eröffnungstag ist jeweils der Donnerstag, an dem ein erhöhter Eintrittspreis zu entrichten ist. Das ist so gewollt, denn damit haben die Journalisten und vor allem Fotografen viel weniger Zuschauer, die im Weg stehen, denn an den Wochenendtagen herrscht ein derart grosses Gedränge, dass Fotografieren eigentlich sinnlos ist. Ganz anders dieses Jahr, auch wenn von Freitag bis Sonntag deutlich mehr Besucher anreisten als am Donnerstag, war es nie irgendwo überfüllt. Durch die Schutzmaskenpflicht und die Abstände, konnte das Schutzkonzept gut umgesetzt und auch eingehalten werden. Der beste Tag war eindeutig der Sonntag, auch wettermässig. Die ersten drei Tage war es neblig, am Samstag regnete es am Nachmittag, die Temperaturen waren aber angenehm. Am Sonntag war dann prächtiges Spätsommerwetter mit stahlblauem Himmel, so wie man es an der Auto e Moto d’Epoca eben mag.

Auto e Moto d'Epoca Padua, 22. bis 25. Oktober 2020. Stahlblauer Himmel, so macht die Messe spass, auch trotz Corona

Auto e Moto d’Epoca Padua, 22. bis 25. Oktober 2020. Stahlblauer Himmel, so macht die Messe Spass, auch trotz Corona

Dass die Messe überhaupt stattfinden konnte ist dem unermüdlichen Einsatz der Organisatoren zu verdanken. Es ist nicht einfach, unter so schwierigen Umständen einen Event in dieser Grösse durchzuführen. Auch wenn deutlich weniger Besucher nach Padua kamen, die Stimmung war dennoch gut und es wurde auch verkauft. Das Angebot an Fahrzeugen war ähnlich wie in den Jahren zuvor, auch die Preise. Insgesamt auf hohem Niveau, Schnäppchenjäger kamen wohl eher nicht auf ihre Kosten. Wir sprachen mit einigen Ausstellern und erhielten durchaus positive Aussagen bezüglich Verkäufe. Jan Steutel, Alfa Romeo-Spezialist aus Holland, brachte 4 Fahrzeuge nach Padua, 3 konnte er verkaufen. Am Sonntag sah man bei vielen Händlern Lücken, d.h. die Fahrzeuge wurden von den Käufern bereits abgeholt. Ein Händler brachte es auf den Punkt. Viele Besucher, die nur kommen und schauen, bringen den Anbietern nichts. So gesehen, hatte vielleicht wirklich der Veranstalter die grösste Einbusse. Natürlich war das Angebot an italienischen Fahrzeugen wir immer sehr gross. Immer noch häufig angeboten wurden die Lancia Delta HF Turbo Integrale im meist neuwertigen Zustand. Insgesamt war die Qualität der Fahrzeuge, zumindest optisch, sehr gut. Auch die gesamte Messe war sehr gepflegt, in vielen Hallen lagen Teppiche, war für eine sehr angenehme Atmosphäre sorgte.

Auto e Moto d'Epoca Padua, 22. bis 25. Oktober 2020. Der wohl eindrücklichste Stand. 6 Porsche Rennwagen des monegassischen Sammlers und Rennsfahrers Claudio Roddaro (rechts), hier mit Massimo Lippi, der die Fahrzeuge an den Rennen betreut, und Ela Lehmann

Auto e Moto d’Epoca Padua, 22. bis 25. Oktober 2020. Der wohl eindrücklichste Stand. 6 Porsche Rennwagen des monegassischen Sammlers und Rennfahrers Claudio Roddaro (rechts), hier mit Massimo Lippi, der die Fahrzeuge an den Rennen betreut, und Ela Lehmann

Auch wenn das Angebot an Ausstellern dünner war als üblich, gab es doch viele Spezialitäten zu bewundern. Eines der Highlights war sicher der Stand in Halle 1 mit 6 Porsche Rennwagen. Diese Fahrzeuge repräsentierten einen kleinen Teil der exklusiven Sammlung von Claudio Roddaro. Der monegassische Sammler und Rennfahrer ist vor allem auf Porsche und Ferrari fokussiert, natürlich kommen für ihn nur Originalfahrzeuge der absoluten Spitzenklasse in Frage. Eine Ikone ist der Porsche 917K, mit dem Vic Elford und Richard Attwood 1969 in Le Mans starteten. Unter dem Titel L’ORDINARIO DIVENTA STRAORDINARIO, heisst, das Gewöhnliche wird aussergewöhnlich. Gezeigt wurden aufregende und extravagante Fahrzeuge, Prototypen, Versuchs- und Rekordfahrzeuge. Im Bereich dieser Sonderschau gab es auch viele Podiumsgespräche, Vorträge und Präsentationen. Auch wenn die Autos das absolute Schwergewicht bilden, kamen auch die Zweiräder nicht zu kurz, die Messe heisst ja auch Auto et Moto d’Epoca. So gab es eine weitere Sonderschau mit Motorrädern des Sammlers Genesio Bevilacqua. Kommen wir zu unserem Lieblingsfahrzeug, das wir jeweils an grossen Messen für uns auswählen. Trotz des etwas reduzierten Angebotes taten wir uns schwer, entschieden uns schlussendlich aber für den blauen Itala 18/30 HP aus dem Jahr 1913, der sich noch weitestgehend im konservierten Originalzustand befindet. Für den stolzen Preis von EUR 235’000.00 konnte man Eigentümer dieses Schmuckstückes werden, das vom Händler www.luzzago.com angeboten wurde. Ganz so viel Geld gaben wir nicht aus, wir begnügten uns mit einem schönen alten Peugeot-Damenfahrrad aus der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg.

Auto e Moto d'Epoca Padua, 22. bis 25. Oktober 2020. Der wunderschöne ITALA 18/30 HP aus dem Jahr 1913.

Auto e Moto d’Epoca Padua, 22. bis 25. Oktober 2020. Der wunderschöne ITALA 18/30 HP aus dem Jahr 1913.

Aber natürlich sind ausser den Exponaten auch die Menschen ein wichtiger Faktor an einer Messe. Auch wenn dieses Jahr deutlich weniger Besucher kamen, waren dennoch einige bekannte Gesichter zu sehen, wenn auch hinter den unsäglichen Masken teilweise verborgen und erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Wenn schon viele Lancia HF Turbo Integrale ausgestellt und angeboten wurden, durfte natürlich der ehemalige Rallye-Pilot Miki Biasion nicht fehlen, sein Name ist untrennbar mit Lancia und dem Rallye-Sport verbunden. Auch die in Italien bekannte Journalistin Savina Confaloni haben wir getroffen und mit dem Künstler Fabrizio Knulp De Nicolò gingen wir Abendessen. Fabrizio malt faszinierende Motorsport-Bilder auf eine ganz spezielle Art. Wer mehr über sein Schaffen wissen möchte, besucht am besten seine Website knulpart.it. Man wird auch wegen unseren Kameras immer wieder angesprochen und gefragt, für wen man arbeitet. Da wird öfters in Italien unterwegs sind, wird man auch ab und zu erkannt und lernt so immer wieder interessante Menschen kennen, wie Edoardo Magnone, Präsident des Registro Fiat Italiano oder die Rennfahrerin Vicky Piria (rechts, zusammen mit Giulia Accorsi und Ela Lehmann). Die 4 Tage waren schnell vorbei und das Gute war, dass man im Vergleich zu den Vorjahren mehr Zeit hatte für Dinge, die sonst nicht möglich gewesen wären. Wir sprachen mit dem Verantwortlichen der Auto e Moto d’Epoca, Davide Accorsi und fragten ihn, ob er zufrieden sei. Natürlich verneinte er, aber unter den gegebenen Umständen war einfach nicht mehr möglich und wir finden es schön, dass die Messe trotz aller Widrigkeiten stattfinden konnte. Unser Dank gilt dem gesamten Team, das es ermöglicht hat, trotz Corona eine Messe in dieser Grösse durchzuführen.

Auto e Moto d'Epoca Padua, 22. bis 25. Oktober 2020. Davide Accorsi mit seiner Frau

Auto e Moto d’Epoca Padua, 22. bis 25. Oktober 2020. Davide Accorsi mit seiner Frau Giulia

Dann gab es da noch die ‘Alte Tanke’, ohne die würde an der Auto e Moto d’Epoca etwas fehlen. So ziemlich in der Mitte des Areals hat Arthur Piskernik jeweils eine alte Tankstelle aufgebaut mit viel zeitgenössischem Zubehör wie Tanksäule, Oelkanister, Werkzeuge und Equipment aus einer Zeit, als Tankwart noch ein richtiger Beruf war. Man kann diese Tankstelle mit sämtlichem Zubehör kaufen. Arthur und sein Kumpel Harald sind zwei richtig gemütliche Kerle, immer gut für einen Schwarz und ein Glas Weisswein. So muss es sein. Vielen Dank.

Auto e Moto d'Epoca Padua, 22. bis 25. Oktober 2020. Hier geht man jeweils gerne ein Gläschen Weissen tanken.

Auto e Moto d’Epoca Padua, 22. bis 25. Oktober 2020. Hier geht man jeweils gerne ein Gläschen Weissen tanken. Harald (links) und Arthur. Wer mehr über seine mit viel Liebe hergestellten alten Tankstellen wissen möchte, bekommt hier alle Infos. www.alte-tanke.com

 

 

7 Gedanken zu „Auto e Moto d’Epoca Padua (IT), Oktober 2020

  1. Hallo Fredi,
    herzlichen Dank für die schönen Fotos. Da kann man sich doch glatt die Reise sparen. Naja, der Flair einer italienischen Präsentation fehlt schon am Bildschirm. Aber man kann kann entspannt im Stuhl sitzend virtuell durch die Messehallen schlendern. Schön, dass die Veranstalter die Messe trotz widriger Umstände durchgezogen haben.
    Viel Spass mit dem neuen Fahrrad beim Erklimmen der Schweizer Alpenpässe im nächsten Jahr.

    Gruß Günther

    • Hallo Günther

      Ja, das stimmt, die Stimmung, die Geräusche und all das, kommt mit den Bildern nicht rüber. Haha, mit dem Fahrrad über die Alpen, da nehmen wir dann doch eher den Ferrari 😉 Danke für Deinen Kommentar und noch eine gute Woche.

      Herzliche Grüsse
      Fredi, Ela und Team DREAM-CARS.CH

  2. Hallo Linsenkünstler,
    Ich hatte das Hotel schon gebucht und die Tickets gekauft. Leider wurde nichts mit Bella Italia.(Quarantäne ging lei-der gar nicht). Ihr habt uns aber tolle Bilder gemacht. Besonders der Ferrari Spider der Mille Miglia ist genau mein Fall. Schön dass ihr auch das passende Schild mit abgelichtet habt. Den zukunfts Ferrari 308 fand ich nicht so prikelnd aber eine interessante Variante. Der silberne California Spider aber ist ein echter Leckerbissen. Jetzt muss ich halt noch mehr Lotto machen! Ich hoffe ihr seit gut nach Hause gekommen und habt euch den “Chäfer” nicht geholt. Liebe Grüsse euer Fan,
    SQUADRA BIANCO AZZURRO, Roland Hufschmid, 6024 Hildisrieden.

    • Hallo Roland

      Das ist vielen so ergangen wie Dir, plötzlich war Venetien Risikogebiet. Das schreckte uns aber nicht ab und wir fuhren nach Padua im Wissen, dass wir bei der Rückkehr ‘quarantainieren’ müssen. Bis jetzt ist bei uns alles OK, keine Beschwerden, wir haben aber auch aufgepasst. Habe mir noch ein 110 Jahre altes Peugeot-Fahrrad gekauft, das ich in diesen zwei Quarantäne-Wochen etwas aufbereite. Das Fahrrad wird mich später immer an diese seltsame Zeit erinnern. Übrigens, der ‘Ferrari’ ist zwar einer, aber von Sbarro gebaut auf Basis eines 400i. Aber trotzdem super Optik. Ja, Padua ist auch trotz Corona eine Reise wert, war wohl der letzte Event in diesem Jahr. Schade, hoffen wir, dass 2021 schnell wieder Normalität einkehren wird.

      Herzliche Grüsse
      Fredi, Ela + Team DREAM-CARS.CH

    • Hallo Werner

      Gern geschehen, da viele Schweizer und auch Deutsche nicht nach Padua reisten, haben wir extra viele Bilder veröffentlicht. Bleiben wir gespannt, was die nächsten Monate bringen.

      Herzliche Grüsse
      Fredi, Ela + Team DREAM-CARS.CH

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