AMAG Classic Day in Schinznach

Am 25. und 26. Juni 2022 öffnete die AMAG Classic Schinznach Türen und Tore für den ersten AMAG Classic Day.

„Montage Suisse“ ist ein bekannter Begriff für in der Schweiz montierte Fahrzeuge ausländischer Hersteller. Der Hintergrund für diese CH-Montagen liegt in der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre. In jener Zeit wurden Fahrzeugimporte vom Fiskus hoch besteuert, nicht aber der Import dieser Automobile in Einzelteilen. Das Konzept aus Bundesbern war erfolgreich. Viele grössere und kleinere Betriebe nutzten die steuerlichen Vorteile einer „Montage Suisse“ und schufen damit viele Arbeitsplätze. Allen voran natürlich der Bieler Ableger von General Motors USA, welcher zwischen 1936 und 1971 in Spitzenjahren bis zu 17‘000 Fahrzeuge montierte.

In Schinznach startete die AMAG AG im Jahr 1949 mit einer eigenständigen Firma, der ASAG, Automontage Schinznach AG, mit der Fahrzeugmontage. Dabei wurden jedoch nicht alle Komponenten der mehrheitlich aus USA stammenden Fahrzeuge übernommen. Willy Huter, einziger und langjähriger Direktor der Automontage Schinznach-Bad AG brachte es schon in den Fünfzigerjahren auf den Punkt: „Die kleine Schrift „Montage Suisse“, die wir auf allen von uns montierten Fahrzeugen anbringen, muss immer für höchste Qualität bürgen. So gelten heute die „Montage Suisse“-Fahrzeuge als qualitativ hochwertiger verarbeitet und besser ausgestattet als ihre USA-Pendants.

Montage Schinznach

Bildquelle: AMAG Schinznach

Gegen Ende der 1950er-Jahre setzte in den USA die „Fat Fender“-Zeit ein. Die „Ami-Schiffe“ wurden immer grösser – teilweise zu gross für den Europäischen Markt. Da kam der Erfolg des Karmann für die ASAG Schinznach gerade recht. Die Nachfrage nach dem von Ghia Turin entwickelten Fahrzeug auf Basis des VW Käfers war so gross, dass der VW-Konzern froh war, 1098 Fahrzeuge bei der ASAG in Schinznach montieren lassen zu können.

Anfang der 1960er kamen in den USA dann vermehrt kleinere Kompaktwagen wie der Valiant oder der Studebaker Lark (ab 1959) auf den Markt. Während der Valiant für Schinznach DAS Erfolgsmodell wurde und mit 13860 gebauten Modellen fast die Hälfte der gesamten Schinznacher-Produktion ausmachte, war die Montage der Studebaker von 1959 – 1961 mit lediglich 456 gebauten Autos nur noch eine kurze Vorstellung, da die Amerikanische Traditionsmarke wieder einmal in eine finanzielle Krise rutschte, aus welcher sie dieses Mal keinen Ausweg mehr fand. Ende 1963 schlossen das Hauptwerk in South Bend und 1966 auch das Werk in Hamilton, Ontario ihre Tore.

Gegen Ende der 1960er startete in den USA wiederum ein Trend, welcher so gar nicht zu den Europäischen Bedürfnissen passen wollte. Während hierzulande kleinere Kompaktwagen mit geringem Spritverbrauch boomten, waren in den USA die „Muscle Cars“ gross im Trend. Die Big Three (GM, Ford, Chrysler) übertrumpften sich gegenseitig mit Hubraum und Motorenleistung. Die Nachfrage in Schinznach nach den Erfolgsmodellen Valiant und Dart nahm laufend ab. Gleichzeitig hatte man mit der von Volkswagen übernommenen Audi NSU Auto Union AG bei der AMAG aber plötzlich verbrauchsärmere Modelle wie den Audi 90, Audi 100 oder den NSU RO80 im Sortiment.

Die sinkenden Verkaufszahlen führten schlussendlich dazu, dass die CH-Montage nicht mehr rentabel geführt werden konnte. Was 1949 mit Plymouth in Schinznach begonnen hatte, endete 1972 nach 29‘227 montierten Fahrzeugen ebenfalls mit einem Plymouth.

Weitere Infos zur Geschichte der ASAG findet man hier: https://www.automontage.ch/de/historie.html

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Für alle „Montage Schinznach“-Fahrzeuge stand ein VIP-Parkplatz direkt vor der ehemaligen Montagehalle zur Verfügung. Mit fachkundiger Führung wurden Besichtigungen angeboten und für alle Besucher mit einem Oldtimer standen rund 900 Parkplätze zur Verfügung.

Wer Lust und Laune hatte, konnte sich für Fahrschul-Probefahrten mit einem Klassiker aus der AMAG Classic Mietflotte anmelden.

Eine grosse Festbeiz, Foodtrucks vom Ace Café Luzern und der Foodfabrik.ch sowie Arthur’s Genussbar sorgten für das leibliche Wohl der Gäste und Besucher. Das Porsche Zentrum Zürich präsentierte als offizieller Porsche Classic Partner eine Auswahl ausgesuchter Klassiker und aktuelle Neufahrzeuge.

AMAG Classic sucht Informationen zur eigenen Geschichte: Unter www.automontage.ch entsteht eine Website, welche sich ausschliesslich der Automontage Schinznach widmet. Wer Informationen, Dokumente oder gar ein Fahrzeug aus Schinznach hat, kann dies per Mail an automontage@amag.ch senden, man ist für alle Hinweise dankbar.

Nachfolgend unsere Bilder aus Schinznach vom Sonntag, 26.06.2022

www.dreamcar.ch

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