Alfa Romeo TZ, 1962 bis 2011

Alfa Romeo TZ

Alfa Romeo, sicher eine der faszinierendsten Automarken überhaupt, auch deshalb, weil der Rennsport immer eine wichtige Rolle in der Geschichte spielte, bis heute. Über die 1910 in Turin gegründete Firma wollen wir hier nicht näher eingehen, das wurde schon oft in unzähligen Artikeln und Publikationen geschrieben. Wer dennoch etwas mehr erfahren will, kann die Geschichte bei Wikipedia gerne nachlesen. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg nahmen viele Autoproduzenten an Rennen teil. War man erfolgreich, war das ein Zeichen der Robustheit und Zuverlässigkeit, was sich später dann in der Produktion wirtschaftlich auszahlen sollte. Eine Garantie war das natürlich nicht und viele Marken der Pionierzeit verschwanden schnell wieder vom Markt. Nicht so Alfa Romeo. Noch unter dem Namen A.L.F.A. 24 HP entstand das erste Modell, zwei Fahrzeuge nahmen am 14. Mai 1911 an der damals noch jungen Targa Florio, einem Strassenrennen auf Sizilien, teil. Die beiden Fahrzeuge basierten nur technisch auf dem späteren Modell 24 HP, für das Rennen baute man eine ganz andere Karosserie. Motorhaube, zwei Sitze, dahinter Tank und Ersatzräder, mehr war nicht nötig. Gefahren wurden die Wagen der beiden Testfahrer Nino Franchini und Ugo Ronzoni. Beide Alfa fielen jedoch aus und erreichten das Ziel nicht. So erging es auch 9 weiteren von 14 gestarteten Teams. Aufgegeben hat Alfa aber nicht, im Gegenteil, es folgten viele berühmte Rennwagen, welche Motorsportgeschichte schrieben, wie der P3, der 6C und der 8C.

Alfa, Romeo, 8C, Monza, Fritz, Brukhard

Grand Prix de Monaco Historique, 24. bis 26. April 2026, Alfa Romeo 8C Monza von Fritz Burkhard

Es folgten Ikonen wie der Tipo 33, den es in unterschiedlichen Versionen gab. 1962 wurde ein weiterer Rennwagen, der auch strassentauglich war, vorgestellt, es war der TZ. Dank eines Gitterrohrrahmens wog der Wagen nur 650kg. Die Bezeichnung TZ weist auf diese Konstruktion hin, das ‘T’ steht für ‘Tubolare’, das ‘Z’ für Zagato, wo die Fahrzeuge gebaut wurden. Ab 1963 entstanden 102 Exemplare des TZ. Heute natürlich eine gesuchte Rarität, damals leider nicht so erfolgreich wie man sich das erhoffte, auch technische Probleme traten vermehrt auf und verhinderten Top-Resultate im Motorsport.

Alfa, Romeo, TZ, Albisbergrennen, 2003

Alfa Romeo TZ im Originalzustand am Albisbergrennen 2003

Der erste TZ heisst übrigens nur TZ und nicht TZ1. Diese Bezeichnung entstand später, als man sich bei Alfa Romeo entschied, den TZ2 zu bauen. Diesen gab es ab 1964, ebenfalls mit einem Rohrrahmen, aber statt Alu wählte man GFK für die Karrosserie. Glasfaserverstärker Kunststoff ist leichter als Alu und so konnte das Gewicht auf rund 620 kg reduziert werden. Der TZ2 wurde bereits unter der Leitung von Autodelta gebaut. Autodelta wurde 1963 von Carlo Chiti gegründet und befasste sich schnell mit den Rennsportmodellen von Alfa Romeo, so entstand auf Basis des TZ der TZ2 in 12 Exemplaren. Der Rennwagen war deutlich niedriger und breiter und schlussendlich auch erfolgreicher als der TZ. Die TZ wurden noch lange im Rennsport eingesetzt, bis er vom Tipo 33 abgelöst wurde.

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Arturo Merzario im Alfa Romeo 33TT/12 2019 anlässlich der Classic Days auf Schloss Dyck

Jahrzehnte später erinnerten sich plötzlich viele Hersteller an vergangene – oder bessere? – Zeiten. Da tauchten plötzlich Fahrzeuge wie der Mini, der New Beetle oder der Cinquecento von Fiat auf. Auch Alfa Romeo wollte da etwas mitmischen und so entstand auf Initiative des Sammlers Martin Kapp aus Deutschland ein ganz spezielles Auto, welches bei Zagato auf die grossen Räder gestellt wurde. Auf dem Chassis des 8C Competizione, wie er ab 2007 gebaut wurde, entstand ein Einzelstück, nicht gedacht für die Landstrasse, sondern für die Rennstrecke. Deshalb auch seine Bezeichnung Alfa Romeo TZ 3 Corsa. 2010 feierte Alfa Romeo seinen 100. Geburtstag und der TZ3 Corsa wurde anlässlich des Concorso d’Eleganza Villa d’Este als Premiere dem Publikum erstmals gezeigt. Der Wagen erregte viel Aufsehen und in der Folge entstanden ab 2011 weitere 9 Alfa Romeo TZ3, nicht als Corsa sondern als Stradale, also für den Strassenverkehr zugelassen. Dieses Privileg hat der TZ3 Corsa bis heute nicht.

Alfa Romeo TZ3

30. Vernasca Silver Flag, 19. bis 21. Juni 2026. Der rote Alfa Romeo TZ3 Corsa und sein Nachfolger, der TZ3 Stradale

Damit eine Strassenzulassung überhaupt möglich wurde, wählte man als Plattform ein Fahrzeug amerikanischer Provenienz, die Dodge Viper. Robuste Technik, ein gewaltiger Motor mit über 8 Litern Hubraum, was dem Wagen Kraft ohne Ende verleiht. Optisch wurde im Vergleich zum Corsa vor allem im Heckbereich und den Scheiben viel verändert. Gemeinsam ist aber das abrupt abfallende Heck, auf italienisch ‘coda tronca’, was so viel heisst wie abgeschnittener Schwanz. Mit Schwanz ist natürlich hier das Heck gemeint So entsteht ein K-Heck nach dem Prinzip von Wunibald Kamm, es reduziert den Luftwiderstand und Strömungsabriss.

Alfa Romeo TZ3, Thomas Rutishauser

Das markante Heck des TZ3 Stradala erinnert stark an die Urform aus dem Jahr 1961

Am Wochenende vom 19. bis 21. Juni fand das 30. Bergrennen Vernasca Silver Flag in Italien statt, wir haben darüber berichtet. Der Anlass ist eigentlich für Klassiker gedacht, es gibt aber immer Sonderkategorien und Demogruppen, wie dieses Jahr diese Alfa Romeo TZ3, welche die beiden Ur-TZ ergänzten. So konnten alle 4 Fahrzeuge, der TZ von Axel Marx, der TZ2 und der TZ3 Corsa von Martin Kapp sowie der TZ3 Stradale von Thomas Rutishauser am selben Event bewundert werden. Das gab es so noch nie, obwohl alle diese 4 Fahrzeuge schon einmal im Pantheon Basel in Muttenz gemeinsam ausgestellt wurden, anlässlich der Sonderschau Zagato vom Herbst 2016 bis Frühjahr 2017. Aber auf ‘freier Wildbahn’ sah man diese 4 Raritäten noch nie gemeinsam.

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Die 3 Generationen Alfa Romeo TZ. Links der blaue TZ von Axel Marx, dann der TZ2 von Martin Kapp, daneben der rote TZ3 Corsa und ganz rechts der gelbe TZ3 Stradala von Thomas Rutishauser.

Alfa TZ, Heckansicht

Auch ein schöner Rücken kann entzücken. Die vier TZ im Vergleich

Fredi Vollenweider, Ela Lehmann, 30. Juni 2026

Ein Kommentar zu „Alfa Romeo TZ, 1962 bis 2011

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