2007: Kaufdorf (CH) Messerli Autoverwertung

Autoverwertung Messerli, Kaufdorf

Kaufdorf ist eine kleine Gemeinde bei Belp im bernischen Gürbetal. Eigentlich ein ganz normales Dorf, aus automobilistischer Sicht aber einmalig in der Schweiz. In Kaufdorf existiert seit Jahrzehnten eine Autoverwertung, betrieben von der Familie Messerli. Das Besondere an dieser Autoverwertung ist ein Gelände, auf dem hunderte von Fahrzeugen lagern, die teilweise seit den Dreissigerjahren dort stehen. Viele unter freiem Himmel und mittlerweile von einer üppigen Vegetation umschlungen und durchwachsen. Letztmals wurden auf dem Gelände im Jahr 1975 Fahrzeuge abgestellt.

Abbrüche wie diese existierten früher viele und es war durchaus üblich, die nicht mehr benötigten Autos einfach auf einer Wiese zu lagern, bis sich ev. ein Käufer für den Wagen oder Teile davon fand. War dies nicht der Fall, blieb das Auto halt stehen – oftmals jahrelang. Als dann unsere Grünen Freunde zu Beginn der Siebzigerjahre fanden dass diese Zustände unverantwortlich seien, mussten die Autoverwerter zunehmend strengere Vorschriften erfüllen, so durften die Schrottautos nur auf festen Beton- oder Asphaltböden abgestellt werden. Vielfach wurden Hallen und Unterstände erstellt und die einstigen Lieblinge waren von aussen nicht mehr sichtbar.

Herr Messerli sen., 1986 verstorben, baute zwar auch Hallen und offene Unterstände, von Betonböden wollte er aber nichts wissen – die hätten ja auch noch eine Menge Geld gekostet und aus seiner Sicht wohl auch nichts gebracht. Eine Auflage war auch, um das Areal herum Bäume zu pflanzen. Diese Auflage wurde erfüllt und die Bäumchen sind mittlerweile zu einem veritablen Wald herangewachsen, ein richtiges Stück Natur und sicher ein Paradies für viele Tiere.

Gegen die übrigen Auflagen aber widersetzte sich Herr Messerli und sein Sohn Franz bis zum heutigen Tag, aber leider erfolglos. Franz Messerli, heute Betreiber der Anlage, muss das gesamte betroffene Areal räumen oder eben zubetonieren (wie wenn nicht schon genug zubetoniert würde auf dieser Welt). Die Räumung ist wohl die einzige Alternative, denn ein Verkauf der Autos oder Teile kommt für Franz Messerli nicht in Frage. Einfach und kostengünstig ist aber auch eine Räumung nicht, denn viele Fahrzeuge sind bereits so vom Rost zerfressen, dass eine Bergung am Stück nicht möglich wäre.

Vielleicht ist aber eine andere Lösung möglich, die Erhaltung dieses einmaligen Schrottplatzes als Freilichtmuseum. Sicher eine wünschenswerte Vorstellung. Auch dürften die Autos für die Umwelt keine grosse Gefahr mehr darstellen, da Treibstoffreste längst verdunstet sind und allfällig auslaufendes Öl von der Natur sicher längst zersetzt und abgebaut.

Wir Menschen machen uns in diesem Fall zu viele unnötige Sorgen für unsere Umwelt. Sieht man überall wie Mose und Farne und anderes Kraut ganz langsam die Fahrzeuge ‚verdauen’, dürfte die Natur, die leider nicht sprechen kann, mit diesem Stück Kulturgut keine Probleme haben.

Für die Erhaltung dieses wunderbaren Fleckens setzt sich ein Verein ein. Infos dazu gibt es auf www.autofriedhof.ch . Man darf auf eine erfolgreiche Umsetzung der Idee hoffen und sich vielleicht schon bald auf ein ‚automobilhistorisches Ballenberg’ freuen.

Unsere Bilder entstanden am 8. September 2007. An diesem Wochenende war der Autofriedhof für die Öffentlichkeit zugänglich und der Verein hat damit auf sein Anliegen – auch mit einer Unterschriftenaktion – aufmerksam gemacht.

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