Ollon-Villars International Motor Race 2017 (CH)

Am 26. und 27. August 2017 fand in Ollon-Villars im Kanton Waadt das Ollon-Villars International Motor Race statt. Erstmals wurde das Rennen 1953 ausgetragen und dann folgen in unregelmässigen Abständen 9 weitere Rennen bis 1971. Diese vorerst letzte Ausgabe des Ollon-Villars International Motor Race zählte noch zur Europameisterschaft, von den frühen Rennen einige Läufe sogar zur Weltmeisterschaft. Und so waren denn alle Grossen des Rennsports wie Jo Siffert, Hans Stuck, Louis Chiron, Hans Herrmann, Jack Brabham, Herbert Müller und viele weitere an diesem Bergrennen damals am Start. François Cevert hält mit einer Zeit von 3’47“05 bis heute den Streckenrekord auf der 8 km langen Strecke mit einem Höhenunterschied von gut 800 Metern. Rund 40’000 Zuschauer pilgerten damals an die Strecke unweit des Genfersees. 

Rolf Biland und Kurt Waltisperg

Ollon-Villars International Motor Race 2017. Rolf Biland und Kurt Waltisperg, 6-fache Weltmeister, am Vorstart in Ollon. Die Zuschauerzahlen von damals werden heute nicht mehr erreicht. Es ist auch etwas beschwerlich an die Strecke zu kommen, aber in Ollon herrschte Grossandrang.

 Am 19./20. September 1998 wurde dann das erste Rennen der Neuzeit durchgeführt, als ‚1ère Rétrospective Internationale‘ mit ebenfalls internationaler Beteiligung. 2001 hiess der Event MOTOR RACE TROPHY, da in diesem Jahr auch das 30-jährige Jubiläum seit des letzten offiziellen Rennens gefeiert wurde. Dann folgten die weiteren Events in den Jahren 2003, 2007, 2010 und 2013. Dieses Jahr war es somit die 7. Auflage der Neuzeit und es war wieder eine grossartige Veranstaltung mit vielen bekannten Teilnehmern und Fahrzeugen. 4 ehemalige Weltmeister waren am Start, Rolf Biland und Kurt Waltisperg, Phil Read und die Motorradlegende Freddie Spencer. Weitere bekannte Persönlichkeiten aus dem Motorsport waren Bruno Kneubühler, Henri Pescarolo, Jean-Jacques Dufaux und Roland Freymond. Das Fahrerlager war mitten im alten Ortskern von Ollon verteilt, hinter jeder Ecke standen alte Motorräder und es wurde geschraubt, vorbereitet und diskutiert.

Phil Read und Freddie Spencer

Ollon-Villars International Motor Race 2017. Phil Read, in der Mitte Kurt Waltisperg, rechts Freddie Spencer im Fahrerlager in Ollon 

Das Sarterfeld am Ollon-Villars International Motor Race konnte sich sehen lassen. Neben wie erwähnt vielen bekannten Fahrern waren rund 230 Autos und knapp 120 Motorräder am Start. Und auch bei den Fahrzeugen gab es manche Rarität, die man äusserst selten zu Gesicht bekommt. Gleich 4 Amilcar C6 und 3 MG K3 waren im Feld der Vorkriegsfahrzeuge vertreten, ebenfalls einige Bugatti. Ein kurioses Fahrzeug war der französische Balsa F1, der in der Formel 1 aber keinen Erfolg hatte. Ebenso wenig wie der Ferguson P99. Ein vom Traktorbauer Ferguson Research Ltd. für das Rob Walker Racing Team gebauter Formel 1-Wagen mit Allradantrieb und einem 1,5 Liter Coventry Climax Motor. Der 1961 gebaute P99 war das erste Formel 1 -Fahjrzeug mit Allradantrieb. Es gab verschiedene Versuche, mit Allradtechnik in der Formel 1 Fuss zu fassen, aber der Erfolg blieb bis heute aus und so bleibt auch der Ferguson P99 ein rares Kuriosum.

Ferguson P99

Ollon-Villars International Motor Race 2017. Der Ferguson P99 mit Allradantrieb kurz nach dem Start. Deutlich sieht man vorne die Antriebswellen. 

Alle Highlights auf zwei, drei oder vier Rädern aufzuzählen würde sehr lange dauern, aber auf das eine oder andere Fahrzeug oder Detail wollen wir doch näher eingehen, denn da sind doch viele wirkliche Raritäten mit Geschichte dabei. Der Tecno F2, der einst von Clay Regazzoni gefahren wurde, war in Ollon-Villars mit Daniel Müller am Start. Vater Herbert Müller, bekannt auch als ‚Stumpen-Müller‘, fuhr das Bergrennen Ollon-Villars fünf Mal. Eines unserer ‚Taxi-Fahrzeuge‘ ist ebenfalls eine grosse Rarität, es ist der 1965 gebaute Serenissima 308 Jet Competizione. Conte Giovanni Volpi di Misurata gründete Ende der Fünfzigerjahre einen Rennstall und begann dann später, eigene Autos zu bauen. Es blieb bei wenigen Fahrzeugen mit eigenen Motoren, alles blieben Einzelstücke. Einer davon ist eben der 308 Jet Competizione. Ein interessantes Detail ist die im Motorraum über dem Beifahrersitz eingebaute Nikon-Kamera, mit der man schon damals Bilder aus dem Cockpit machen konnte.

Serenissima 308 Jet Competizione

Ollon-Villars International Motor Race 2017. Im Serenissima 308 Jet Competizione ist eine Nikon-Kamera eingebaut

Der Start liegt unmittelbar nach der Ortsausfahrt von Ollon, wohin die Fahrzeuge dosiert vom Fahrerlager im 30 Sekunden-Takt geschickt wurden. Speaker Adriano Cimarosti, ganz links im Bild, kommentierte alle Autos und Motorräder bei der Ankunft zum Start. Die Fahrzeuge waren in verschiedene Serien eingeteilt, es fuhren aber immer alle Rennfelder nacheinander hinauf nach Villars. Für die Zuschauer war also während rund 2 Stunden immer etwas los auf der Strecke, für die oben angekommenen Piloten gab es dadurch aber lange Wartezeiten. Langeweile kam aber trotzdem nicht auf und jeder ankommende Fahrer wurde mit Wasser und – wir sind in der Westschweiz – einem kleinen Roten begrüsst. Natürlich gab es auf dem grossen Parkplatz der Luftseilbahn auch Verpflegungsmöglichkeiten. Der erste Lauf wurde jeweils um 09.30 Uhr gestartet und nachdem alle Fahrzeuge oben waren, erfolgte die Rückführung ins Fahrerlager auf der nicht mehr gesperrten Strecke. Das sorgte für viel Unterhaltung und in Ollon wurden die Teilnehmer von den zahlreichen Zuschauern empfangen. Das ganze dauerte eine gute halbe Stunde, bis alle wieder im Fahrerlager waren und dann am Nachmittag um 14.00 Uhr zum zweiten Lauf gestartet wurde.

Kurt Kaufmann im Morgan Three Wheeler

Ollon-Villars International Motor Race 2017. Kurt Kaufmann mit seinem Morgan Three Wheeler auf der Rückfahrt ins Fahrerlager

Der ganze Event verlief ohne Zwischenfälle, lediglich von einem gestürzten Motorradfahrer haben wir gehört, aber es blieb soweit alles heil. Die hervorragende Organisation hat sicher viel dazu beigetragen und man sah überall begeisterte und zufriedene Gesichter. Insgesamt geht es in der Westschweiz auch lockerer und gelassener zu und her als bei uns, aber trotzdem diszipliniert und auch respektvoll. Viel zum Ambiente beigetragen hat auch die Gegend an der Grenze des Kantons Waadt und Wallis. Die Bergwelt, der malerische Ort Ollon mit den vielen Fahrerlagern, so, wie es schon vor Jahrzehnten gewesen sein musste. Auch die anspruchsvolle Strecke von Ollon durch die kleinen Ortschaften Huémoz und Chesières hinauf nach Villars, lässt das Herz eines jeden Fahrers höher schlagen. Damit nicht allzu hohe Geschwindigkeiten erreicht wurden, gab es einige Schikanen. Vor allem der untere Teil der Strecke ist attraktiv und führt zwischen Weinbergen hindurch. Ob der im Ziel servierte Rotwein von diesem Hang stammt, entzieht sich leider unserer Kenntnis. 

Ollon-Villars 2017 Lancia Fulvia

Ollon-Villars International Motor Race 2017. Ein Lancia Fulvia in der ersten Linkskurve nach dem Start inmitten von Weinbergen

Sicher einer der Top-Events im Historischen Motorsport in der Schweiz in diesem Jahr und man darf gespannt sein, wann der 8. Historic Hillclimb in Ollon-Villars stattfinden wird. Alle weitere Informationen in französisch und englisch gibt es auf der Website des Veranstalters, www.ollon-villars.com

Alle Bilder dieser Webseite und viele weitere gibt es auch in unserem Bildershop
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3 Gedanken zu „Ollon-Villars International Motor Race 2017 (CH)

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