Ferrari 250 GT SWB California Spider 1961

 

Ferrari 250 GT SWB California Spider 1961

Concorso d’Eleganza Villa d’Este, 26. Mai 2019 in der Villa Erba. Auf dem roten Teppich der Ferrari 250 GT SWB California Spider 1961.

Im Jahr 2014 tauchten Bilder einer Autosammlung in Frankreich auf, welche die ganze Welt ins Staunen versetzte. Wie einst in den Achtzigerjahren, als die Sammlung von Michel Dovaz aufgelöst wurde, kamen nun wiederum dutzende hochkarätiger Autos aus einer geheimnisvollen Sammlung ans Tageslicht. Viele davon leider in derart schlechtem Zustand, dass eine Restaurierung nicht mehr möglich sein dürfte und wenn, müssen mindestens 80% neu angefertigt werden. Ob man hinterher noch von einem Originalfahrzeug sprechen kann darf berechtigt bezweifelt werden. Freilich, die Seriennummer ist die, die damals vom Hersteller vergeben wurde, der Rest aber ist neu. Über den Sinn solcher ‘Restaurierungen’ könnte man endlos diskutieren und streiten und die Meinungen gehen weit auseinander. Wurde ein Fahrzeug in grösseren Stückzahlen gebaut, lohnt sich eine solche Aktion schon aus finanzieller Sicht kaum. Mann könnte auch das zerfallene Fahrzeug so belassen und ein restauriertes Fahrzeug als Vergleich daneben stellen. Handelt es sich um ein Einzelstück, geht das natürlich nicht. Wenn man aber aus den noch spärlich vorhandenen Fragmenten sowieso eine Rekonstruktion ins Auge fasst, könnte man auch ein zweites Fahrzeug bauen und hätte so die Originalsubstanz erhalten.

Voisin C3, 1923
Dieses Beispiel eines Voisin C3 aus dem Jahre 1923 zeigt, dass von der vorhandenen Substanz nicht viel für eine ‘Restaurierung’ verwendet werden kann. Bild Artcurial.

Wir möchten nicht weiter auf die Baillon-Sammlung eingehen bzw. ein Fahrzeug etwas näher betrachten. Es ist der Ferrari 250 GT SWB California Spider, der im Gegensatz zu den meisten anderen Fahrzeugen in einer geschlossenen Halle aufbewahrt wurde, neben einem in nur 3 Exemplaren gebauten Maserati A6G 2000 Grand Sport Frua aus dem Jahr 1956. Diese verhältnismässig gute Lagerung bewahrte die beiden italienischen Schönheiten vom Schicksal ihrer Leidensgenossen auf dem Gelände.

Die Geschichte des Ferrari kann man auf der Website von Artcurial in französischer und englischer Sprache nachlesen

Anlässlich des Concorso d’Eleganza Villa d’Este 2019 war eben dieser Ferrari eines der gemeldeten Fahrzeuge. Und wie üblich an solchen Veranstaltungen, muss alles piekfein und perfekt sein, man möchte ja eine Auszeichnung für sein Schmuckstück erhalten, das den Wert des Wagens nochmals steigern soll und der Besitzer hatte Glück, der Wagen wurde tatsächlich Klassensieger. Da stand er also, der Ferrari 250 GT California, natürlich nicht mehr in dem Zustand, wie er im Februar 2015 in Paris für die stolze Summe von 16’288’00.00 Euro versteigert wurde. Nein, er glänzte, wahrscheinlich schöner als 1961 als er als Neuwagen am Pariser Autosalon zu sehen war.

Concorso d’Eleganza Villa d’Este, 26. Mai 2019, Villa Erba. Der Ferrari 250 GT SWB California Spider im ‘Neuzustand’

Den Besitzer dürfte es freuen, den Oldtimerliebhaber grausen. Denn eigentlich war der Ferrari in keinem schlechten Zustand. Er war so, wie er 1971 geparkt wurde, hatte ‘matching numbers’ und keinen Geringeren als Alain Delon als Vorbesitzer. So ein Auto zu finden ist wie ein Lottosechser. Aber eben, es gibt Menschen, die pfeifen auf 6 Richtige im Lotto, die paar Millionen mehr würden ihr Leben nicht beeinflussen und so kam es, wie es kommen musste, die äusserst interessante Geschichte dieses Zeitzeugen wurde mit nochmals viel Geld vernichtet. Ein wahrer Frevel an einem bis dahin einmaligen Fahrzeug. Jetzt ist es einfach einer von 37 gebauten 250 GT California Spider mit kurzem Radstand (SWB, Sort Wheel Base), der genau so restauriert dasteht, wie wahrscheinlich alle anderen, die noch existieren. Zu gerne würde man neben dem Auto stehen und sich Alain Delon am Lenkrad vorstellen. So aber die Geschichte unwiederbringlich verloren und es zeigt, dass es Besitzer von Autos gibt, denen Business, Investment und Rendite mehr bedeuten, als das ‘Leben’, die Geschichte und Vergangenheit eines Autos. Wie immer ist das natürlich Ansichtssache und unsere Meinung darf auch gerne in Frage gestellt werden.

In diesem Zustand war der Ferrari 250 GT SWB California Spider anlässlich der Auktion vom Februar 2015 in Paris. Bild Artcurial/Internet.

2 Gedanken zu „Ferrari 250 GT SWB California Spider 1961

  1. Hallo Foto-Künstler,
    ich bin auch kein Freund von Restaurationen, bei denen praktisch ein Neuwagen entsteht der besser und schöner war, als einst vom Werk geliefert. Mich stöhrt schon lange, dass für gewisse Autos praktisch jedes Teil heute erhältlich ist. So zum Beispiel in den LIMORA-Prospekten. Ganze neue Chassis, verzinkt oder gepulvert. Zündverteiler die keine mehr sind. Im Innern versteckt sich eine elektronische Zündung. Neue Servo-Lenkungen für jeden Oldtimer. Jedes erdenkliche Teil wird heute in 3D-Druckern nachgefertigt. Fertige Zylinderköpfe in teurem spezial Alu auf CNC-Maschinen gefertigt, usw. Ich könnte noch viele Teile nennen, aber es ist zwecklos. Wir sprechen hier doch von Oldtimern und Kulturgut, nicht von verstecktem “Oldtimer-Tuning”. Mir ist jeder Oldie am liebsten, der seine Patina stolz im Fahrbetrieb auf der Strasse zeigt. Spekulanten sind unnötige Preistreiber und nützen den “Altblech-Freunden” herzlich wenig. Diese können sich solche “Neo-Oldtimer” eh nie leisten. So jetzt habe ich wieder mal Dampf abgelassen. Der Priester sagt am Ende jeweils “AMEN!”
    SQADRA BIANCO AZZURRO, Roland Hufschmid, 6024 Hildisrieden

    • Hallo Roland

      Vielen Dank, genau so sehen wir das auch. Kommt dazu, dass sehr viele von den neu produzierten Teile Schrott sind, die Teile kann man nicht brauchen, ist schade ums Geld. Aber die Erfahrung muss wohl jeder selber einmal machen. Es gibt gute Nachbauteile, die kosten halt etwas, verursachen dafür aber keinen Ärger. So, jetzt fahren wir dann gleich los nach Varano auf die Dallara-Teststrecke und ab morgen sind wir am Bergrennen Vernasca Silver Flag. Deshalb heute heisse Grüsse aus dem sonnigen Italien.

      Fredi + Team DREAM-CARS.CH

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