Bernina Gran Turismo 2018 (CH)

Das erste Rennen am Bernina der Neuzeit fand bei misslichen Wetterverhältnissen am Wochenende vom 02./03. Oktober 2015 statt. Das Wetter war so schlecht, am Sonntag mit 20cm Neuschnee auf dem Bernina, dass nicht mehr gefahren werden konnte. Da waren für die Aussichten für den 4. BERNINA GRAN TURISMO vom 22./23. September 2018 doch wesentlich besser. Ein Novum dieses Jahr war eine Ausstellung mit 6 Motorrädern und Bildern der argentinischen Künstlerin Yamila Zabaljauregui sowie von uns. Die allerersten Rennen am Bernina in den Jahren 1929 und 1930 fanden im Rahmen der St. Moritzer Automobilwoche statt. Die Veranstalter haben die Idee, diese Automobilwoche wieder zum Leben zu erwecken und so fand dieses Jahr das Autofilmfestival in St. Moritz statt, wir haben darüber berichtet. In diesem Zusammenhang wurden im ‘Faoro‘ und im Saal ‘Guarda’ des Hotels Kempinski Filme wie ‘American Graffiti’, ‘Bullit’, ‘Thelma & Louise’, ‘Easy Rider’ und andere gezeigt. Sehr gut gemacht und man konnte jeweils vor und nach dem Film noch ausgedehnte Gespräche über dies und das führen.

Im Faoro in St. Moritz wurden in der Woche vor dem BERNINA GRAN TURISMO im kleinen Rahmen interessante Filme gezeigt.

Im Faoro in St. Moritz wurden in der Woche vor dem BERNINA GRAN TURISMO im kleinen Rahmen interessante Filme gezeigt.

Nun aber zum eigentlichen Anlass, dem BERNINA GRAN TURISMO in seiner 4. Auflage, der am Freitagmorgen mit der Wagenabnahme beim Forum Paracelsus in St. Moritz-Bad begann. Danach gab es vor dem Hotel Kempinski einen Lunch bei schönstem Sommerwetter und für die Jahreszeit und Gegend sehr warmen Temperaturen. Kein Vergleich zu den früheren Events. Anschliessend fuhren die Teilnehmer ihre Fahrzeuge auf den Berninapass, wo sie in der grossen Einstellhalle beim Hospiz geparkt wurden. Ein eigentliches Fahrerlager gibt es nicht, die Fahrzeuge wurden am frühen Morgen nach 07.00 Uhr an den Start unten in La Rösa gefahren, von wo aus dann am Samstag um 07.40h direkt der erste Trainingslauf gestartet wurde. Die 62 Autos starteten im Minutentakt, die 12 Motorräder wurden am Schluss als Gruppe auf die Strecke geschickt, was besonders in den Kurven spektakulär anzuschauen war. Auch die Geräuschkulisse war imposant, man hörte die Gruppe schon lange bevor man sie sah. Künftig soll den Motorrädern mehr Beachtung geschenkt werden, denn sie gehören genau so zum Rennsport wie die Autos. Und die Schweiz war im Motorrad-Rennsport in den vergangenen Jahrzehnten sehr erfolgreich. Rolf Biland und Kurt Waltisperg wurden bei den Gespannen immerhin 6 Mal Weltmeister, Rolf Biland mit einem anderen ‘Plampi’ sogar 7 Mal. Der kürzlich verstorbene Luigi Taveri, Bruno Kneubühler, Stefan Dörflinger sind einige weitere Fahrer, die sehr erfolgreich waren. Bis in die heutige Zeit ist die Schweiz mit Tom Lüthi, Randy Krummenacher und Dominique Aegerter im Motorradsport sehr gut unterwegs.

Schräglage gefragt. Die Spitzengruppe der Motorräder beim Posten 17 am Bernina Gran Turismo 2018

Schräglage gefragt. Die Spitzengruppe der Motorräder beim Posten 17 am Bernina Gran Turismo 2018

Gross war das Teilnehmerfeld nicht, dafür aber fein. Nicht weniger als 5 Lancia Stratos und ein Lancia 037 Rally waren am Start. Weitere Raritäten waren ein Alfa Romeo TZ 2 (TZ steht für Tubolare Zagato, was soviel heisst wie Gitterrohrramen und eben Z für Zagato), der Costin Lister Jaguar von Kurt Engelhorn, dem ‘Erfinder’ des Bernina Gran Turismo der Neuzeit, ein Bugatti 35C von 1927 und natürlich das älteste Fahrzeug im Feld, ein Vauxhall 30-98 von 1913, der jeweils angekurbelt oder von einer Schar Helfer angeschoben werden musste. Ebenfalls ein seltenes und spektakuläres Auto war der dunkelgrüne Nomad MK I von 1967, mit dem Kay Rimmele teilnahm. Der Start war auf der Südseite des Bernina, in der ehemaligen Poststation La Rösa auf 1’880 Metern Meereshöhe. Von dort führt die Strecke hinauf auf den Berninapass, wo auf 2’330 Meter über Meer das Ziel liegt. Die 5,6 Kilometer lange Strecke weist also eine Höhendifferenz von 450 Metern auf und hat rund 50 Kurven. Damit sich die Fahrer die anspruchsvolle Strecke so gut wie möglich einprägen können, wurden am Samstagvormittag zwei Trainingsläufe durchgeführt. Nach der Mittagspause auf dem Berninapass ging es dann am Nachmittag um 13.40h los mit dem ersten Rennlauf, anschliessend wurde der 2. Lauf gestartet, der nach 16.00h zu Ende war. Anschliessend fand im Clubhaus ‘La Rösa’ das Dinner für die Teilnehmer statt. Der erste Tag verlief bei optimalen Bedingungen ohne Zwischenfälle und man freute sich auf den Sonntag, der wettermässig noch besser werden sollte. Wir machten uns früh am morgen auf den Weg und fuhren von Pontresina her auf den Berninapass und je weiter wir fuhren, je klarer und schöner wurde es. Kaum hatten wir die Passhöhe hinter uns wurde es jedoch wieder finster und 4 rote Lampen leuchteten uns grell in die Augen. Ein Bus, unterwegs Richtung Süden, bremste vor der ersten Kurve, denn die Sichtweite lag bei nur wenigen Metern.

Von der Bernina-Passhöhe hinunter ins Puschlav lag sehr dichter Nebel

Wir fuhren im Schritttempo hinterher zu unserem Ziel, dem Posten 17, etwas oberhalb der Abzweigung nach Livigno. Die beiden Streckenposten, Andreas und Manfred aus Deutschland, waren kurz nach 07.00h noch nicht auf dem Posten, so richteten wir uns ein. Andreas sagte uns am Vorabend scherzhaft, ‘bringt Kaffee mit’. Das taten wir natürlich und waren froh, denn wir mussten bis gegen 10 Uhr warten, denn der 3. Lauf konnte wegen des Nebels nicht gestartet werden. Zusammen mit einigen Fotografen-Kollegen aus Italien vertrieben wir uns die Zeit mit Kaffeetrinken. Dann aber kam der erlösende Funkspruch, dass der 4. und letzte Rennlauf planmässig gestartet wird. Schon bald fuhren die ersten Fahrzeuge an uns vorbei Richtung Start und wir waren erleichtert, denn hätte sich der Nebel nicht verzogen, wären wir als Fotografen leer ausgegangen. So aber gab es dennoch schöne Aufnahmen und man sah auch etwas von der herrlichen Bergwelt des Berninamassivs.

Die Startnummer 1, der Bugatti 35C aus dem Jahr 1927, gefahren von Martin Halusa

Die Startnummer 1, der Bugatti 35C aus dem Jahr 1927, gefahren von Martin Halusa

Der Bernina Gran Turismo ist kein Demo-Event, nein, es werden die Zeiten gestoppt. Es gibt zwei Kategorien, die ‘Competition’, wo die schnellste Zeit zählt und die ‘Regularity’, wo es um Gleichmässigkeit geht. Die Rangverkündigung und Siegerehrung fand wie schon in den vergangenen Jahren auf dem Marktplatz in Poschiavo statt. Einige ausgewählte Fahrzeuge werden auf dem Platz den anwesenden Besuchern und Zuschauern präsentiert. Im Gegensatz zu den anderen Schauplätzen hatte es in Poschiavo richtig viele Leute, sogar die Musik spielte am späteren Nachmittag. Einige Herren in dunklen Anzügen und Kravatte waren ebenfalls auf dem Marktplatz und einer hielt eine Ansprache auf italienisch. Da aber mittlerweile die Autos wieder weg waren wusste man, das gehört nicht zum BERNINA GRAN TURISMO. Am Abend zu Hause erfuhren wir aus den Nachrichten, dass der nette Herr der frisch gewählte neue Bürgermeister von Poschiavo, Herr Giovanni Jochum, war. Auch von uns herzliche Gratulation zur Wahl. Ein schöner Event war wieder Geschichte und man darf sich auf nächstes Jahr auf den 5. BERNINA GRAN TURISMO freuen. Nach 4 Jahren war der Aufmarsch der Besucher noch immer sehr bescheiden. Auch wenn der Veranstaltungsort sehr weit von den grossen Ballungszentren entfernt ist, lohnt sich ein Besuch wirklich, denn wo sieht man sonst solche hochkarätigen Fahrzeuge in so einer eindrucksvollen Landschaft.

Der letzte Teilnehmer verlässt mit seinem Alfa Romeo TZ 2 den Marktplatz von Poschiavo

Der letzte Teilnehmer verlässt mit seinem Alfa Romeo TZ 2 den Marktplatz von Poschiavo

Interessant waren die Livestreams, wo der Veranstalter live über den Event berichtete. Wir haben diesen Dienst auch bei uns angeboten und die Beiträge können auch nachträglich noch angeschaut werden.

Der Termin für die 5. Auflage steht noch nicht fest. Alle weiteren Informationen gibt es direkt auf der Website des Veranstalters. Endlich ein BERNINA GRAN TURISMO, bei dem alles gestimmt hat, auch das Wetter. So wünscht man sich einen Oldtimer-Rennsportevent. Jetzt will man natürlich wissen, wer denn gewonnen hat. Da gibt es viele Sieger. Eigentlich sind alle Sieger, die Autos und Fahrer blieben heil, das ist das Wichtigste. Einen Überblick über die Zeiten gibt es auf nachfolgenden Ranglisten. Wie im Bericht erwähnt wurden nur 3 Wertungsläufe gefahren. 

Rangliste Competition, 3 gefahrene Läufe
Rangliste Regularity, 3 gefahrene Läufe
Rangliste Teamwertung, 3 gefahrene Läufe

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Die Bilder dieses Berichts und viele weitere gibt es in unserem Shop

Bildershop DREAM-CARS.CH

 

Bildergalerie Freitag

Bildergalerie der Wagenabnahme im Forum Paracelsus in St. Moritz sowie dem Apéro und des Mittagessens im benachbarten Hotel Kempinski

Bildergalerie Samstag

Da wir am Samstag von einem übereifrigen Funktionär eher unfreundlich per Megaphon zum Verschwinden aufgefordert wurden, gibt es vom Samstag leider nur Bilder vom Zielbereich vor dem Bernina-Hospiz und dem Start in La Rösa.

Bildergalerie Sonntag

Bildergalerie vom Sonntag, Strecke und Siegerehrung in Poschiavo. Der erste Lauf am Sonntag musste wegen Nebel abgesagt werden, aber pünktlich zum Start des letztes Laufs zeigte sich die Sonne.

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